https://www.faz.net/-gum-3ede

Medizin : Neues Malaria-Medikament auf dem Prüfstand

  • Aktualisiert am

Übertragungsbiss Bild: dpa

Der Wirkstoff Fosmidomycin greift ein Enzym an, das der Malaria-Erreger - aber nicht der Mensch - für einen spezifischen Stoffwechselweg benötigt.

          1 Min.

          Deutsche Forscher haben gegen die Tropenkrankheit Malaria ein Medikament entwickelt, das den Erreger einer Studie zufolge innerhalb von zwei Tagen abtöten kann. Erste Erkenntnisse hatten die Gießener Forscher schon im April auf dem Welt-Malaria-Tag voprgestellt, nun sind die klinischen Tests erfolgreich verlaufen.

          In der klinischen Untersuchung mit 27 Patienten im afrikanischen Gabun habe sich der erstmals zur Behandlung von Malaria eingesetzte Wirkstoff Fosmidomycin als „hochwirksam“ erwiesen, teilte die Universität Gießen mit. Die Ergebnisse der Studie unter Leitung des Tübinger Tropenmediziners Professor Peter Kremsner sind im britischen Fachjournal „The Lancet“ (Bd. 360, S. 1941) vom Samstag veröffentlicht.

          Die Karriere eines Unkrautvernichtungsmittels

          Bereits 48 Stunden nach Beginn der Therapie waren die Erreger der verheerenden Tropenkrankheit den Forschern zufolge im Blut der Patienten nicht mehr nachweisbar. Die Erkrankten, die in drei Gruppen eingeteilt worden waren, hätten das Medikament drei, vier oder fünf Tage lang eingenommen. Von den Patienten, die mindestens vier Tage lang mit drei Mal täglich 1,2 Gramm Fosmidomycin behandelt wurden, seien 90 Prozent auch nach zwei Wochen „frei von Erregern“ gewesen.

          Bild: dpa

          Nach Darstellung von Hassan Jomaa vom biochemischen Institut der Gießener Universität greift Fosmidomycin ein Enzym an, das der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum - aber nicht der Mensch - für einen spezifischen Stoffwechselweg benötigt. Daher sei die Substanz für Menschen ungiftig. Fosmidomycin war bereits in den 70er Jahren von japanischen Pharmaunternehmen als Unkrautvernichtungsmittel und potenzielles Antibiotikum erforscht worden.

          2006 marktreif

          In etwa drei Jahren soll das Medikament nach dem Willen der Forscher marktreif sein. Um Therapiedauer und Häufigkeit der Dosen zu senken, arbeiten Jomaa und Kremsner bereits an einem neuen Präparat, das Fosmidomycin mit einem anderen anti-parasitären Mittel kombiniert. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich bis zu 2,7 Millionen Menschen an Malaria. Gerade in afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden immer mehr Erreger gegen die üblichen Malaramittel resistent.

          Weitere Themen

          Bouffier verteidigt Lockerungen zu Weihnachten

          Corona-Liveblog : Bouffier verteidigt Lockerungen zu Weihnachten

          Auch Mecklenburg-Vorpommern öffnet Hotels für Familienbesuche +++ Berliner Großkrankenhaus vor Aufnahmestopp +++ Kreis Hildburghausen verschärft Corona-Regeln abermals +++ Frankreich lockert Vorschriften +++ Alle Entwicklungen im Liveblog

          Topmeldungen

          Angriff in Iran : Attentat nach dem Kalender

          Bis Biden kommt, will Israel die Fähigkeiten Irans soweit es geht schwächen – und die angekündigten Verhandlungen über ein wiederaufgelegtes Atomabkommen verderben.
          Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

          AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

          Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.