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: Medizin für alle

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TÖNISVORST, im Februar. Lange schien es so, als weiche die internationale Gemeinschaft der Frage aus, wie sie es mit der Aids-Epidemie halten solle. Viel zu teuer sei die Behandlung von rund 40 Millionen HIV-Infizierten, hieß es.

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          TÖNISVORST, im Februar. Lange schien es so, als weiche die internationale Gemeinschaft der Frage aus, wie sie es mit der Aids-Epidemie halten solle. Viel zu teuer sei die Behandlung von rund 40 Millionen HIV-Infizierten, hieß es. Rund 20000 Euro kostete in den neunziger Jahren die Jahresdosis Medikamente, die ein Aids-Patient benötigte. Kaum einer der Erkrankten in der nur wenig entwickelten Welt südlich der Sahara konnte sich das leisten, und kaum eine Regierung der entwickelten Staaten war in der Lage oder bereit, diesen Preis dafür zu zahlen. Für Krisana Kraisintu hingegen stand von Anfang an außer Frage, daß auch den Infizierten in Afrika geholfen werden muß, obwohl oder gerade weil auf dem Kontinent die meisten der insgesamt etwa 42,5 Millionen Menschen leben, die das HI-Virus in sich tragen. Allerdings sagt die Wissenschaftlerin auch, daß man nicht allen in gleicher Weise helfen kann: "Ich will mich bei meiner Arbeit vor allem auf die Kinder beschränken", sagt Krisana Kraisintu, die seit anderthalb Jahren ein Nomadendasein in Äthiopien, Kongo, Tansania und Südafrika führt. Dafür hat sie nicht nur ihre Arbeit in Thailand aufgegeben, sondern auch ihre herausragende Stellung in einer Gesellschaft, in der sie schon jetzt eine Heldin ist.

          Die 51Jahre alte Pharmazeutin hatte als Leiterin der Forschungsabteilung der "Government Pharmaceutical Organization" (GPO) in Bangkok ein Medikament entwickelt, das mittlerweile an alle HIV-Infizierten in Thailand - Schätzungen sprechen von bis zu zwei Millionen Menschen - ausgegeben wird. Es besteht aus den Wirkstoffen der drei Präparate Epivir, Zerit und Viramune. Die Herstellungslizenzen liegen bei drei der größten Pharmakonzerne der Welt (Glaxo Smith Kline, Bristol-Myers Squibb und Boehringer Ingelheim). Das konnte Krisana Kraisintu nicht von ihrem Plan abbringen, ein preiswertes und für alle Patienten zugängliches Generikum (Nachfolgepräparat) herzustellen. Zugleich habe sie auch die Behandlung vereinfacht, berichtet sie. "Warum sollen Aidskranke zweimal am Tag jeweils drei Tabletten schlucken, nur weil sie von drei verschiedenen Herstellern stammen? Man kann die Wirkstoffe doch auch in einer Pille vereinigen."

          Als ihr GPO-Vir im Frühjahr 2002 in Thailand zugelassen wurde, war es das billigste Aids-Generikum, das auf dem Markt zu haben war. Eine Jahresdosis kostet 330 Dollar. Doch exportieren kann Krisana Kraisintu ihr Medikament noch immer nicht so einfach. Deswegen entschloß sie sich, GPO-Vir direkt in Afrika für Afrika produzieren zu lassen, und ging eine Kooperation mit dem deutschen Me- dikamenten-Hilfswerk "action-medeor" in Tönisvorst (bei Krefeld) ein. Die gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die vor genau vierzig Jahren gegründet wurde, unterstützt mehr als 9000 Gesundheitsprojekte in 126Ländern. Den größten Teil der Medikamente - es handelt sich fast ausschließlich um Generika, deren Patente schon abgelaufen sind - läßt "action-medeor" als Großpackungen von mittelständischen pharmazeutischen Unternehmen herstellen. So kostet das Hilfswerk zum Beispiel eine Plastikflasche mit 1000 Tabletten des Aspirin-Ersatzes ASS (Wirkstoff Acetylsalicylsäure) 7,50Euro, in einer Apotheke zahlt man hingegen schon für 100 Stück knapp 4,30Euro. "Unser Schwerpunkt liegt allerdings auf den essentiellen Medikamenten, die zu 90Prozent auf einer Liste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stehen", sagt der Geschäftsführer von "action-medeor", Bernd Pastors. "Wir wollen vor allem die drei Krankheiten bekämpfen, die in den Entwicklungsländern für die meisten Toten verantwortlich sind: Aids, Malaria und Tuberkulose."

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