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Computer in der Familie : „Alexa unterstützt unsere Faulheit“

Zwei Kinder sitzen am heimischen Wohnzimmertisch vor dem Sprachassistenten Alexa von Amazon. Bild: Maximilian von Lachner

Medienwissenschaftler Professor Joachim von Gottberg im Interview über Spracherkennungsprogramme und wie sie unseren Alltag beeinflussen – und unser Familienleben.

          Ihre Kinder sind 9, 14 und 16 Jahre alt und nutzen Alexa und Siri. Wie gefällt es ihnen?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

           Am Anfang fanden sie es vor allem interessant, das Spracherkennungsprogramm auszureizen. Sie stellten alle möglichen Fragen und schauten, wie weit diese Technik geht.

          Was fragten sie zum Beispiel?

          „Willst du mich heiraten?“ Dann kam als Antwort: „Diese Frage haben mir schon viele gestellt.“ Das Interessante ist, dass Kinder erst einmal denken, „Wow, Alexa hat ja wirklich auf alles eine Antwort“, und dann kommen sie mit der Zeit drauf: „Okay, das ist eine Antwort, die kannst du auf alles mögliche geben.“ Daran sieht man, dass der Zugang von Kindern nicht nur konsumorientiert ist, der ist auch kreativ.

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          Alexa, sei doch mal still!

          Nicht selten unterscheiden sich die Idealvorstellungen der Eltern von denen ihrer Kinder. Zum Beispiel die romantische Vorstellung, dass man abends gemeinsam am Tisch sitzt, jeder von seinem Tag erzählt und danach ein Spiel gespielt wird. Bei Kindern, die schon ein zweistelliges Alter erreicht haben, sieht das oft anders aus. Kaum haben sie ihren Teller leer gegessen, heißt es: „Darf ich aufstehen?“ Auf die Frage: „Wollen wir nicht noch was spielen?“ kommt: „Nö! Keine Lust.“

          Glaubt man dem Marketing der Anbieter von Google Home und Alexa, sollen die sprachgesteuerten persönlichen Assistenten dazu beitragen, die Kinder wieder an den Tisch zu bringen. Denn es sind nicht mehr nur Eltern und Geschwister, die dort warten, sondern kleine Lautsprecher, die vieles machen, was man möchte: Sie spielen Musik ab, helfen bei den Hausaufgaben und beantworten doofe Fragen. Und zu keinem Zeitpunkt sind sie so genervt wie Mama und Papa manchmal, sondern antworten stets freundlich entspannt.

          In einer gemeinsamen Aktion von Google Home mit der Zeitschrift „Eltern“ wurden hundert Test-Familien befragt, wie sie das Leben mit dem persönlichen Assistenten finden. Marc H. erzählt, wie spannend neuerdings die Gespräche am Tisch seien, und „wenn eine Frage zu einem schulischen Gebiet unbeantwortet bleibt, hilft Google Home auf die Sprünge“. „Das Wohnzimmer ist wieder zum Familientreffpunkt geworden“, schwärmt Fabian H. „Meine Tochter liebt es, mit Google Home Hausaufgaben zu machen.“ Schöne neue Familienwelt?

          Mal abgesehen davon, dass es seltsam ist, dass ausgerechnet die Zeitschrift „Eltern“ eine Marketing-Plattform für Smart Speaker bietet, wo sie ansonsten ziemlich oft ihre Leser dazu aufruft, mit den Kindern vor die Tür zu gehen und das analoge Leben nicht zu vergessen: Es stellt sich auch die Frage, ob die neuen Geräte neben einigen Annehmlichkeiten wirklich ein Gewinn für die Familie sind. Natürlich erleichtert es in mancher Hinsicht den Alltag: Der Familienkalender wird verwaltet, man wird an Termine erinnert, muss nichts mehr nachschlagen oder eintippen. Alexa und ihre Kollegen lernen stetig dazu und werden mehr und mehr zu persönlichen Assistenten. Und es ist lustig, wenn man versucht, die Geräte in die Irre zu führen. Tausende von Youtube-Videos beweisen das.

          Aber Eltern müssen auch die Risiken im Blick haben. Dabei geht es weniger darum, dass Kinder, wie in Amerika geschehen, fröhliches Online-Shopping betreiben, ohne dass es die Eltern merken. (Zudem kann man vorsorglich den Einkauf per Stimme über eine App ausschalten.) Es geht zum Beispiel um die Frage, ob Alexa und Co. nicht einfach nur die Faulheit des Nachwuchses unterstützen. Was geschieht, wenn man nicht mehr selbständig nach Informationen suchen muss? Sich nicht mehr merken muss, wann Mama oder Papa Geburtstag haben? Und was macht es mit dem Familienleben, wenn Kinder jemanden nach Belieben rumkommandieren können und noch nicht mal „bitte“ oder „danke“ sagen müssen, sondern nur das Aktivierungswort „Alexa“ oder „ok Google“? Fördert das nicht die Anspruchshaltung von Kindern, die auch sonst einfach losblöken: „Mama, Durst!“ Dass es ausschließlich Frauenstimmen sind, die brav alle Aufträge erfüllen, macht die Sache nicht besser.

          Zudem weiß keiner so genau, was wo gespeichert wird; auch da hat es in Amerika schon bedenkliche Pannen gegeben. Kinder aber reden gerne drauflos. Gerade bei kleineren Kindern muss man deshalb früh ein Gefühl für Datenschutz vermitteln. Andererseits halten Medienexperten (siehe Interview) es für sinnvoll, dass Kinder sich mit dieser neuen Form der Digitalisierung auseinandersetzen, nicht zuletzt, weil in der künftigen Arbeitswelt Roboter zum Alltag gehören könnten. Deshalb muss man aber die Geräte nicht glorifizieren – und sie euphorisch als neues Familienmitglied begrüßen. Von Anke Schipp