https://www.faz.net/-gum-no3d

Mediation : Nach vorn statt nach hinten schauen

  • -Aktualisiert am

Statt mit einer Kündigungsschutzklage vor Gericht landeten zwei leitende Angestellte und ihr Chef im Streit mit Hilfe einer Mediation bei einer Lösung, die allen half und die Zukunft des Unternehmens sicherte.

          Die Situation war denkbar verfahren. Der Chef und die beiden leitenden Angestellten eines Ingenieurbüros hatten sich zerstritten, und der Chef hatte die beiden fristlos entlassen. Das war bei der guten Auftragslage der Firma geradezu ein Desaster. Projekte blieben unbetreut und Aufträge lagen brach. Dabei hatte der Inhaber der Firma es doch nur gut gemeint.

          Der 60-jährige Firmeninhaber hatte sich schon länger mit dem Gedanken getragen, das Büro jemandem zu übergeben, dem er traute. Mit den beiden leitenden Angestellten arbeitete er seit langem gut zusammen. Die 45 Jahre alte Frau und der 50 Jahre alte Mann überblickten die Firma und kannten Kunden und Möglichkeiten gut. Das brachte den Inhaber dazu, den beiden die Geschäftsführerschaft anzutragen. Beide überlegten fünf Minuten und sagten ab. Der Chef verließ das Zimmer, um zehn Minuten später wutentbrannt zurückzukehren und den beiden die fristlose Kündigung mitzuteilen.

          Ohne Mediation vor dem Arbeitsgericht

          Ohne Mediation, die freiwillige, außergerichtliche Konfliktlösung vor einem neutralen Dritten, hätte das Verfahren vor einem Arbeitsgericht geendet. Die beiden leitenden Angestellten hatten auch schon Anwälte genommen und eine Wiedereinstellungsklage angestrebt. Diese Klage hätte vermutlich Erfolg im rechtlichen Sinne gehabt, sprich, Firma und Angestellte hätten sich unter der Zahlung einer Abfindung und einer Menge Anwalts- und Gerichtsgebühren getrennt. Dadurch jedoch wäre dem kleinen Unternehmen die Erfahrung der beiden leitenden Angestellten abhanden gekommen. Der Chef, der sich ja ohnehin mit Gedanken ans Ausscheiden aus dem Berufsleben trug, hätte seine komplette Firma umstrukturieren und vermutlich erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen. Es ging um nichts weniger als um die Existenz der Firma. Die beiden leitenden Angestellten hätten ihre Jobs, die ihnen Spaß machten und sie ausfüllten, zugunsten einer ungewissen Zukunft aufgeben müssen.

          Vor diesem Hintergrund suchten die Anwälte der Angestellten zunächst in Einzelgesprächen nach einer außergerichtlichen Lösung und regten nach deren Scheitern eine Mediation an. Sie wendeten sich an Hansjörg Schwartz, einen studierten Psychologen und ausgebildeten Mediator, der in Oldenburg ein Mediationsbüro betreibt. Wegen der drängenden Probleme wie ruhender Projekte der Firma und des ausfallenden Honorars für die Angestellten kam schon wenige Wochen nach dem Streittag ein erstes Gespräch zwischen dem Firmeninhaber, den beiden leitenden Angestellten, den Anwälten der Konfliktparteien sowie dem Mediator zustande.

          „Es geht um die gemeinsame Zukunft“

          „In einer Mediation geht es um die gemeinsame Zukunft“, sagt Schwartz, „und zunächst muß geklärt werden, was die Standpunkte sind, respektive welche Beweggründe hinter den Standpunkten stehen und wie man daraus eine gemeinsame Zukunft gestalten kann.“ Das sei der Unterschied zum Gerichtsverfahren, in dem es um die Klärung einmaliger, zurückliegender Streitfälle gehe. Mediation sei wie in diesem Fall immer dort besonders sinnvoll, wo alle Parteien besser fahren, wenn sie zusammen einen gangbaren Weg finden. Und manchmal helfe erst ein Mediator, Konflikte offen anzusprechen und Probleme zu benennen. Auf der anderen Seite wirke er aber auch mäßigend. „Der Mediator muß sehr präsent sein und das Verfahren kontrollieren, ohne inhaltlich Einfluß zu nehmen,“ sagt Schwartz.

          Weitere Themen

          Chef mit Mitte 20

          Ausbildung als Schreiner : Chef mit Mitte 20

          Als Moritz Schumacher 24 ist, übernimmt er einen Betrieb. Ein Studium hat er dafür nicht gebraucht. Nach oben geschafft hat er es mit einer Ausbildung zum Schreinermeister.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.