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Max Zähle : „Ich fühle mich wie auf Klassenfahrt“

  • Aktualisiert am

Der Oscar blieb im Hintergrund: Max Zähle (links) und Stefan Gieren Bild: REUTERS

Max Zähle war mit seinem Kurzfilm „Raju“ für einen Oscar nominiert. Der Regisseur über die Verleihung, den langen Weg über den Teppich und das surreale Kalifornien.

          2 Min.

          Herr Zähle, Ihr Kurzfilm „Raju“ über Kinderhandel in Indien ist schon mehrfach ausgezeichnet worden, auch beim Shorts Fest in Los Angeles und im Juni mit einem Studenten-Oscar der amerikanischen Filmakademie in Beverly Hills. Mit dem großen Oscar hat es heute nicht geklappt. Sind Sie enttäuscht?

          Als die sechs „Bridesmaids“ auf der Bühne den goldenen Umschlag öffneten und „The Shore“ vorlasen, war die Stimmung schon einen Augenblick gedämpft. Aber wirklich nur für einen kurzen Moment. Dass wir überhaupt nominiert worden sind, war eine riesige Überraschung. Wir haben uns am Anfang als echte Außenseiter gefühlt und durften uns später sogar Chancen ausrechnen. Es gibt also allen Grund, heute die ganze Nacht zu feiern.

          Sie haben der Academy of Motion Pictures Art and Sciences sechs Karten abgerungen und sind mit Ihrer Freundin, der Regieassistentin Johanna Pfaff, dem „Raju“-Prouzenten Stefan Gieren, dem Kameramann Sin Huh sowie den Schauspielern Julia Richter und Wotan Wilke Möhring zur Oscar-Verleihung gekommen. Normalerweise überlässt die strenge Filmakademie jedem Regisseur nur fünf Plätze. Wie haben Sie die Academy überredet?

          Das bleibt ein Geheimnis. Wir wollten aber unbedingt alle dabei sein. Bei den Dreharbeiten in Indien haben wir den Monsun ja auch gemeinsam überstanden. Die Tage hier in Los Angeles haben wir fast ununterbrochen als Team verbracht. Wir haben uns Touristenattraktionen wie Venice Beach und den Pier in Santa Monica angesehen oder waren im Auto unterwegs. Ich fühle mich ein bisschen wie auf Klassenfahrt.

          Wie haben Sie den Gang über den roten Teppich erlebt?

          Wunderschön. Da wir direkt hinter George Clooney über den roten Teppich gelaufen sind und er dauernd von Kamerateams angesprochen wurde, haben wir fast 45 Minuten für die paar Meter bis in das Hollywood & Highland Center gebraucht. Bei uns haben die Leute natürlich nicht so gekreischt wie bei Clooney.

          Haben Sie nach der Verleihung der Oscars beim Governors Balls auch Ihre Regie-Vorbilder Martin Scorsese oder Steven Spielberg kennengelernt?

          Ich habe die beiden bei der Oscar-Zeremonie im Publikum gesehen. Leider sind sie aber nicht zum Governors Ball gekommen. Dafür konnten wir uns lange mit Richard Richardson unterhalten, der für Scorseses „Hugo Cabret“ mit einem Oscar für die beste Kameraführung ausgezeichnet wurde.

          Am roten Teppich fahren Filmemacher und Schauspieler meist in einer Limousine vor. Hat die Filmakademie Ihnen eine Limo vor das Hotel „The Standard“ am Sunset Boulevard gestellt?

          Leider nicht. Wir mussten selbst organisieren, wie wir zu den Oscars kommen. Erst haben wir überlegt, zu Fuß zu gehen oder ein Fahrrad zu nehmen. Aber man muss hier einfach mit der Stretch-Limo vorfahren. Einmal im Leben!

          Haben Sie die Oscar-Zeremonie früher im Fernsehen verfolgt?

          Ich habe es versucht, bin aber meistens eingeschlafen.

          Florian Henckel von Donnersmarck ist nach der Oscar-Nominierung für das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ vor fünf Jahren fast sofort von Berlin nach Hollywood übergesiedelt. Könnten Sie sich auch vorstellen, Hamburg gegen Los Angeles zu tauschen?

          Ich komme aus Hamburg und möchte weiter in Hamburg bleiben. Einige meiner Filme gehören einfach nach Norddeutschland. Der Kurzfilm „Wattwanderer“ etwa oder auch der Langfilm, an dem ich im Moment arbeite. Außerdem bin ich mit Los Angeles noch nicht richtig warm geworden. Die Stadt gefällt mir zwar bei jedem Besuch besser, aber ein Traum wie für viele andere ist sie für mich nicht.

          Bewahren Sie den Smoking bis zur nächsten Preisverleihung auf?

          Der Smoking ist eine Leihgabe von Wolfgang Joop. Unser Produzent Stefan Gieren hat ihn organisiert. Den muss ich wieder zurückgeben, wenn wir in ein paar Tagen in Hamburg landen.

          Wie „Raju“ und andere Filmtitel verraten, bevorzugen Sie kurze Überschriften. Welche würden Sie für Ihre Klassenfahrt zu den Oscars wählen?

          Das fällt mir eigentlich nur ein Titel ein: Surreal.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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