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Maulwurfforscher im Gespräch : Der Spion, der nichts taugte

  • Aktualisiert am

Einzelgänger: Talpa europaea auf Landgang in Brandenburg Bild: picture alliance / ZB

Der FC Bayern ist aufgewühlt: Ein Maulwurf soll Interna an die Presse verraten haben. Aber eignen sich Maulwürfe überhaupt für Spionage? Wir haben bei einer Koryphäe der Maulwurfforschung nachgefragt.

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          Herr Witte, Sie haben jahrzehntelang zu Maulwürfen geforscht und das Standardwerk „Der Maulwurf: Talpa europaea“ verfasst. Wie viel erzählen Maulwürfe eigentlich?

          Sie unterhalten sich schon, leise natürlich, mit Kontaktlauten. Aber die kommen nur selten zum Einsatz.

          Weil sie ihre Entdeckung fürchten?

          Weil sie solitäre Tiere sind. Sie sind nicht sozial, sondern territorial. Zwischen den Männern zum Beispiel ist immer ganz schnell Krach. Da sind Maulwürfe wie jedes andere Säugetier.

          Können Maulwürfe gut beobachten?

          Sie sind an das unterirdische Wegenetz adaptiert, mit kleinen Augen, die nur hell und dunkel unterscheiden können. Viel sehen sie also nicht.

          Klingt, als ob Maulwürfe als Spione eine Fehlbesetzung wären.

          Die eignen sich überhaupt nicht, schon weil sie Einzelgänger sind. Was nützt denn ein Tier für Spionage, das seinen Artgenossen aus dem Weg geht? Da sollten wir uns lieber auf die NSA und das Internet verlassen.

          Beim FC Bayern schreckt der Maulwurf gerade die Vereinsoberen auf. Er soll Interna wie Mannschaftsaufstellungen an die Presse verraten haben. In München suchen nun alle fieberhaft nach dem Maulwurf – sein Ruf war auch noch nie der beste.

          Alles, was man nicht kennt, hat einen schlechten Ruf. Kaum jemand weiß etwas über den Maulwurf, und vor Unbekanntem warnen die Menschen. Vielleicht auch, weil er schwarz ist. Schwarz ist doch immer der Teufel.

          Wo lebt der Teufel am liebsten?

          Auf extensiv bewirtschaftetem Weideland, vor allem in der kurzgrasigen Vegetation.

          Kurzes Gras haben Stadien ja.

          Setzen Sie mal einen Maulwurf auf einen Tisch, er wird panisch weglaufen. So ist es auch im Stadion. Der Rasen ist steril und festgetrampelt. Maulwürfe brauchen einen Weg in den Untergrund, sie müssen von allen Seiten festes Substrat um sich haben.

          Ein Maulwurf braucht also Druck von außen, um sich wohl zu fühlen?

          Sanften Druck! Umschließen Sie einen Maulwurf mit der Hand, und er wird ruhig werden. Man muss ihm das Gefühl geben, geborgen zu sein.

          Pep Guardiola würde seinen ja lieber loswerden. Wie kommt der Maulwurf überhaupt ins Stadion?

          Weiß der Teufel, wer den gerade aus seinem Gärtchen vergrault hat. Für ihn ist es auf jeden Fall eine Tortur. Die Schwingungen, wenn jemand über den Boden läuft, hört er 250 Meter weit. Und für den Verein ist es ja auch nicht schön. So ein Stadionrasen voller Maulwurfshügel, da würde doch jeder sagen: Was für ein billiger Dorfverein.

          Ist denn der Maulwurf zu gar nichts nütze?

          Er ist unbedingt nützlich! Die Tiere graben ein Gangsystem, das den Boden belüftet. Aber mit den Maulwürfen kommen häufig auch Wühlmäuse.

          Oh je, noch mehr Schädlinge. Die zerwühlen den Verein dann vollends?

          Wenn die Wühlmäuse da sind, haben Sie verloren. Dann geht der Krieg erst richtig los. Die nisten sich in den Gängen der Maulwürfe ein und fressen die Wurzeln von Grund auf weg.

          Dagegen muss man etwas tun!

          Sie können nichts tun, der Maulwurf lässt sich nicht vertreiben. Es gibt die unsinnigsten Dinge, nützt alles nichts. Man müsste ihm die Nahrung entziehen. Aber Sie kriegen die Regenwürmer nicht weg.

          Erledigt sich das Problem wenigstens irgendwann von selbst?

          Nein. Also seien Sie tolerant, sagen Sie sich: Gut, dann ist er eben da. Wenn Sie ihn fangen, verstoßen Sie ohnehin gegen das Naturschutzgesetz.

          Aber die sind doch ohnehin so schwer zu finden.

          Im Frühjahr, bei der Brunft und im Sommer, wenn die Jungen aus dem Bau verjagt werden, haben Sie eine gute Chance.

          In einem halben Jahr haben wir den Bayern-Spion also?

          Unwahrscheinlich. Sie können froh sein, wenn Sie überhaupt ein, zwei Mal im Leben einen Maulwurf sehen.

          Was mache ich dann mit ihm?

          Wenn Sie nett sind, setzen Sie ihn in einen Weidenkorb, mit nur ein wenig Erde und ein paar Regenwürmern, und dann am besten weit weg vom nächsten Stadion auf einer Wiese aussetzen.

          Und was empfehlen Sie nun Guardiola für seinen Maulwurf?

          Rausschmeißen!

          Ach, jetzt doch.

          Ja. Aber nur in die freie Natur.

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