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Pornographie im Internet : Wieso schaust du anderen Frauen zu?

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Pornographie im Netz: Der Konsum ist weit verbreitet Bild: Julien Magre / Picturetank / Age

Auch wenn keiner offen darüber redet: Millionen Deutsche konsumieren Pornographie, vor allem über das Internet. Philipp Woldin berichtet über Downloads und Liebesleben, Sex und Sucht, Narzissmus und Impotenz.

          Markus war ein Junge, dem direkter Augenkontakt schwerfiel. Mit 13 Jahren hatte er die Pornosammlung seines Vaters entdeckt, Heftchen und Videokassetten. Markus tauchte ein in eine fremde Welt. Er mochte sie. Auf dem Pausenhof schwärmten seine Freunde von Hardcorefilmen aus diesem neuen Internet. Doch wie sollte er an die rankommen? Markus’ Familie teilte sich damals einen gemeinsamen Internetanschluss. Noch rauschten träge Modems, ein Download dauerte eine Nacht lang. Mit 16 schlief er zum ersten Mal mit einem Mädchen. Lief nicht gut.

          Markus schaffte sein Abitur, er zog aus und startete in einen Bürojob. Mit der eigenen Wohnung explodierte sein Pornokonsum. Markus klickte sich oft fünf Stunden lang durch die endlosen Datenbanken. Sex mit älteren Frauen, Anal-Sex – die Vorlieben wechselten, steigerten sich. Seine realen Beziehungen zerbrachen nach wenigen Wochen. Er fürchtete sich vor dem Versagen, der Nähe. Im Netz behielt er die Kontrolle, er konnte sich treiben lassen. Sein Tempo, seine Regeln.

          Die Abhängigkeit wird größer

          Menschen wie Markus kommen zu Professor Rudolf Stark in die psychotherapeutische Ambulanz nach Gießen. Wenn Stark die Geschichte von Markus erzählt, dann redet er über einen Menschen, der sich in der Welt der Sexbilder verlaufen hat und den Ausgang nicht mehr allein findet. „Wir versuchen, diese Fixierung aufzulösen“, sagt der Psychologe. „Gleichzeitig betrachten wir, welche Funktion die Pornos im Leben unserer Patienten haben.“

          Bei Markus dominierten die Filme irgendwann alles. Er wachte morgens auf und hatte die Szenen vor Augen, den wahnsinnigen Hintern dieser einen Brünetten vom Abend davor. Die Pornos fraßen seine Zeit auf, im Büro war er mit den Gedanken woanders. Er blieb nie lange bei einem Job. Wenn eine Bewerbung scheiterte, warf er die Kiste an und masturbierte. Er wollte aufhören damit. Markus meldete seinen Internetanschluss ab. Doch der Drang war gefräßig. Immer wieder schnappte Markus seinen Laptop, ging in die Bibliothek und loggte sich ins öffentliche W-Lan ein. Dann schloss er die Tür der Toilette und befriedigte sich selbst. Wieder zu Hause dachte Markus: „Eigentlich will ich eine Freundin.“

          Pornosucht wie bei Markus ist der kleine, extreme Teil eines Massenphänomens. Denn Pornographie ist heute überall, mitten in der Gesellschaft – in der Werbung, getauscht über Smartphones und vor allem millionenfach im Netz. Und es sind nicht nur Pubertierende, die unermüdlich klicken. In der Rangliste des Webdienstes SimilarWeb, der den Datenverkehr misst, liegt die Pornoseite XHamster auf Platz 13 der meistaufgerufenen Angebote in Deutschland – und damit vor bahn.de und Autoscout24. Immerhin: Facebook und Ebay werden öfter geklickt. Pornographie kommt im digitalen Deutschland kurz nach sozialen Netzwerken und Shoppen, aber noch vor Nachrichten, Zugfahren und Autos. Jede achte Seite, die aus Deutschland aufgerufen wird, ist eine Pornoseite. Damit sind die Deutschen weltweite Spitzenreiter.

          „Meine Beziehung war ganz normal“

          Philipp Pöschl fand seine ersten Pornos im Müll. Auf einer Deponie entdeckte er ein paar Sexhefte, achtlos weggeworfen. „Ich hatte noch nie ein Mädchen nackt gesehen. Es war ein Kick“, sagt Pöschl. Dann kam das Internet. Für einen pubertierenden Jungen war es wie ein Süßigkeitenladen. Pöschl griff in alle Regale, naschte überall. Es war anonym, verfügbar und billig. Pöschl war kein Extremfall. Er schaute nicht täglich, sondern surfte einmal die Woche auf den Seiten. Dann blieb er meist stundenlang in den Bildergalerien hängen, auf der Hatz nach der geilsten Szene, der besten Nahaufnahme. Er kannte das ganze Repertoire.

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