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Kommentar : Eine Impfpflicht dient dem Schutz der Jüngsten

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Die Spritze zum Schutz gegen Masern Bild: dpa

Was es für ein Kind bedeuten kann, wenn es nicht gegen Masern geimpft ist, wird in diesen Tagen erschütternd deutlich. Höchste Zeit für die Einführung einer Impfpflicht.

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          Was es für ein Kind bedeuten kann, wenn es nicht gegen Masern geimpft ist, wird in diesen Tagen erschütternd deutlich: In Berlin starb ein anderthalb Jahre alter Junge an der Infektionskrankheit. Er ist das erste Todesopfer des Berliner Masernausbruchs mit inzwischen mehr als 500 Infizierten. Der Junge war nach Behördenangaben nicht geimpft. Warum – darüber kann nur gemutmaßt werden. Vielleicht haben sich die Eltern bewusst dagegen entschieden. Studien des Robert-Koch-Instituts haben aber auch ergeben, dass viele Eltern die Impfungen schlicht vergessen.

          Gegen das Vergessen mahnen deutsche Fachleute seit langem Impfregister nach dem Muster skandinavischer Länder an: Darin wird festgehalten, wem Impfungen fehlen; säumige Familien können schriftlich erinnert werden. Die Impfpflicht, die Bundesgesundheitsminister Gröhe jetzt vorsichtig ins Gespräch bringt, geht einen Schritt weiter: Sie soll nicht nur die Vergesslichen, sondern auch die Impfgegner treffen.

          Kein Zögern bei der Impfpflicht

          Noch sagt Gröhe zaghaft, die Impfpflicht sei „kein Tabu“. Das ist zu viel des Zögerns. Eine Impfpflicht – keine generelle, aber eine für alle Kinder, die in öffentlichen Einrichtungen betreut werden – muss dringend in Erwägung gezogen werden. Denn nach dem Tod des Jungen in Berlin sollte eines klar sein: Mit achtzehn Monaten haben viele Kinder in Deutschland keinen ausreichenden Impfschutz. Die erste Masernimpfung wird zwischen neun und vierzehn Monaten, die zweite zwischen fünfzehn und 23 Monaten verabreicht.

          Das bedeutet, dass Tausende Kinder dem aktuellen Ausbruch wie der Anderthalbjährige schutzlos oder mit nicht ausreichendem Schutz ausgesetzt sind – selbst dann, wenn ihre Eltern alle Impfungen besorgt wahrnehmen. Wer jünger ist als zwei Jahre, kann sich anstecken – in der U-Bahn, im Hausflur oder in der Kita.

          Diese schutzlosen Kinder zu schützen, hat jeder Einzelne die Pflicht: Wer nicht geimpft ist, sollte sich impfen lassen, um nicht zum Überträger zu werden. Und in einer Gesellschaft wie der deutschen, in der zunehmend Babys und Kleinkinder in Kindergärten betreut werden, stellt sich die Frage nach einer Impfpflicht dringend, von einem „Tabu“ sollte keine Rede mehr sein. Modell stehen könnten hier die Vereinigten Staaten mit der Regelung „No shots, no school“: Ohne bestimmte Impfungen dürfen keine öffentlichen Schulen besucht werden, in vielen Bundesstaaten auch keine Kindergärten.

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