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Mars-Missionen : Architektur ohne „unten“ und „oben“

  • -Aktualisiert am

Ideen zu einer bemannten Mars-Landung Bild: TU Darmstadt

Wie könnten die Raumfahrzeuge gestaltet sein, mit denen in 20 Jahren Menschen auf den Mars fliegen und in denen sie dort leben? Architekturstudenten der TU Darmstadt haben zu diesem Thema Ideen entwickelt.

          „Eigentlich handelt es sich um ganz grundsätzliche architektonische Aufgaben“, sagt Stephan Finkel, Lehrbeauftragter für Architektur der Technischen Universität (TU) Darmstadt. So sehen die 16 Entwürfe der Architekturstudenten allerdings kaum aus. Die Plakate und Modelle, die sie zur Bewertung des Projekts „Marsmission“ in der TU sowie im Internet unter www.the-4th-planet.org präsentierten, zeigen in klassisch raketenförmigen oder tetraedrischen Hüllen Höhlen, umformbare Wände, aus gelbem Plexiglas geformte Auswüchse und vor allem Astronauten, für die es wegen der Schwerelosigkeit kein „oben“ und „unten“ gibt.

          „Alle Prinzipien sind über den Haufen geworfen. Schwerelosigkeit und Gravitation zunächst der Erde und später des Mars sind ein Thema“, sagt Frauke Wassum aus dem sechsten Semester. In dem Modell von ihr und ihrer Kollegin Carolin Amann füllen amorphe Formen die Raumfähre und spätere Wohnung der Marsfahrer. „Das Reindenken ist schwer, aber die Idee ist sehr interessant“, findet Achtsemestler Marc Flick. Seine Landefahrzeuge haben sechs Beine und erinnern an Insekten.

          Anerkennung von den Profis

          Auch bei der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa und der Mars Society finden die Ideen Anerkennung. Frank Danesy, Personaldirektor der lokalen Niederlassung der Esa in Darmstadt, erklärt: „Wir suchen die Kooperation der Hochschulen in allen für die Raumfahrt relevanten Disziplinen.“ Dabei sei die Nähe der TU zum Europäischen Satellitenkontrollzentrum Esa/Esoc in Darmstadt sicher von Vorteil. Und nicht nur die Architekten, sondern auch näher liegende Fachrichtungen wie beispielsweise das Ingenieurwesen arbeiten in Projekten mit der Esa zusammen. „Wir können uns vorstellen, einige der hier ausgestellten Exponate anläßlich der Landung der Kapsel „Beagle 2“ auf dem Mars im Dezember 2003 bei der Esoc präsentieren.“ Zusätzlich lobt er die Studenten, die sich an den physikalischen und technischen Gegebenheiten orientiert hätten.

          So könnte eine Marsstation aussehen

          Kein Wunder, schließlich hatten sich die Nachwuchs-Architekten an drei Tagen mit Referaten zu physikalischen, technischen und astronomischen Themen sowie Gastvorträgen auf das Thema vorbereitet. „Wir hatten auch eine Soziologin als Referentin, schließlich spielen für die Astronauten auf einem etwa 150 Tage dauernden Flug zum Mars auch solche Aspekte eine Rolle“, sagte Finkel. Die Studenten kannten die technischen Vorgaben, hatten allerdings auch einige Freiheiten: „Sie durften sich Materialien vorstellen, die im Moment vielleicht noch in den Kinderschuhen stecken oder gar nicht existieren, aber schließlich haben wir als Datum für eine bemannte Mars-Mission das Jahr 2010 angenommen“, erklärte Finkel.

          Weiter im Weltraum aktiv

          Auch in Zukunft sollen die Darmstädter Architektur-Studenten über Bauen im Weltraum nachdenken. „Eine entsprechende AG besteht“, sagt Finkel. Der betreuende Professor Ariel Auslender möchte die Kooperation mit Esa und Mars Society auf jeden Fall weiterführen und damit Anstöße für tatsächliche Missionen geben. Markus Landgraf von der Mars Society sagte auf der Ausstellung: „Die Entwürfe hier zeigen neue Horizonte und Ideen aus dem Projekt haben gute Chancen in unsere weiteren Planungen und Tests für einen Flug zum Mars übernommen zu werden.“

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