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Mars-Express-Mission : „Der Mars ist kein freundlicher Planet“

  • -Aktualisiert am

Entwickler Pillinger ist in Sorge um Beagle 2 Bild: dpa/dpaweb

Die Mars-Express-Mission der Esa ist angekommen, die Sonde ist wohlbehalten auf einer Umlaufbahn des Mars, bloß vom Landegerät fehlt auch nach drei Versuchen der Kontaktaufnahme jede Spur.

          4 Min.

          Für die europäische Raumfahrt hätte Weihnachten ein froheres Fest werden können. Denn der „Mars Express“ ist am ersten Weihnachtsfeiertag als erste europäische Sonde erfolgreich in eine Umlaufbahn um einen Planeten eingeschwenkt und hat am Donnerstagmorgen um 9.49 Uhr mitteleuropäischer Zeit die ersten Signale nach dem geglückten Manöver gesendet. Von dem Landegerät „Beagle 2“ aber fehlte auch am Freitag nach zwei weiteren Versuchen der Kontaktaufnahme jede Spur.

          „Die amerikanische Sonde Mars Odyssey - die bei der Übertragung der Daten helfen sollte -, hat kein Signal empfangen. Das kann aber an vielerlei Ursachen liegen“, teilte der Wissenschaftsdirektor der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, David Southwood, am Donnerstag im Satellitenkontrollzentrum der Esa, Esoc, in Darmstadt mit. Auch in der Nacht zum Freitag konnten das Jodrell-Bank-Teleskop in England und das Westerbork-Radiointerferometer in Holland kein Signal empfangen. Auch ein weiterer Überflug der Mars-Odyssey-Sonde am Freitag ergab kein Ergebnis. Die Esa setzte ihre Hoffnung aber auf weitere Überflüge der Mars Odyssey am 27. Dezember und auf eine weitere Messung des 76-Meter-Teleskops in Jodrell Bank am 28. Dezember. Schließlich könnte der Mars Express selbst Anfang Januar nochmals Signale des Landegeräts empfangen, das er in 205 Tagen Reise über 400 Millionen Kilometer bis zum Mars gebracht hat. Doch die Hoffnung schwindet. „Ich denke leider nicht, daß wir noch etwas von Beagle 2 hören werden“, sagte Markus Landgraf, Vorsitzender der deutschen Marsgesellschaft, am Freitag.

          Schwierige Landung

          Die Schwierigkeiten einer Landung auf dem Mars waren der Esa von Anfang an klar. „Da gibt es viele Unwägbarkeiten“, sagte Walter Flury von der Esa. Und Jean-Jacques Dordain, Generaldirektor der Esa, fügte hinzu: „Der Mars ist kein freundlicher Planet“. Er nahm damit Bezug auf etliche gescheiterte Missionen in jüngerer Zeit - von dem amerikanischen Mars Polar Lander, der im Dezember 1999 scheiterte und Parallelen wachruft, bis zur japanischen Marssonde Nozomi.

          Mars Express sorgt im Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt für Spannung

          Das Landemanöver des Beagle-Moduls, das sich am vergangenen Freitag erfolgreich vom Mars Express trennte, barg viele Unsicherheiten. Seit der Trennung war keine Korrektur des Kurses mehr möglich. Aber Mars Express und das Flugkontrollteam in Darmstadt hatten ganze Arbeit geleistet: Statt auf ein immerhin noch zweihundert mal fünfzig Kilometer großes Gelände war die Landeregion von Beagle nun auf 31 mal fünf Kilometer genau einzugrenzen. Von Fallschirmen sicher gebremst sollten sich dort Airbags entfalten, die den Sturz bei einer Geschwindigkeit von sechzig Kilometern pro Stunde abfedern sollten. Nach der Trennung von diesen Airbags sollte sich die taschenuhrförmige Hülle von Beagle aufklappen und Sonnensegel sowie Meßinstrumente und Antenne entfalten. Ob die Energie dazu bei einem späteren Auffinden des Moduls noch ausreicht, ist ungewiß.

          „Noch nicht im Elfmeterschießen“

          Ob bei diesem Prozedere etwas fehlgeschlagen ist oder ob Beagle 2 in einer Felsspalte steckt, ob er unter einem Airbag gelandet oder wegen zu hoher Aufprallgeschwindigkeit zerschellt ist, das wissen die Esa-Mitarbeiter nicht. Vielleicht hat auch nur die Temperatur auf dem Mars die Sende-Frequenz geändert, und sonst ist alles in Ordnung. Deshalb wird weiter nach einem Lebenszeichen gesucht. Die Hoffnung jedenfalls bleibt: „Um eine Analogie zum Fußball zu ziehen - die reguläre Spielzeit ist um, aber wir sind in der Verlängerung und noch lange nicht im Elfmeterschießen“, sagte Colin Pillinger, Entwickler von Beagle 2 an der Open University in England, am Donnerstag.

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