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Marienerscheinungen : Marpingen ist nicht Lourdes

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Eine Gruppe von Pilgern in Marpingen Bild: picture-alliance/ dpa

Im saarländischen Marpingen soll es in den Jahren 1876 und 1999 zu Marienerscheinungen gekommen sein. Die katholische Kirche verweigerte nun eine Anerkennung. Reißt nun der Pilgerstrom in die Gemeinde ab?

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          Marpingen ist ein kleiner Ort im Norden des Saarlands, idyllisch gelegen, umgeben von welligen Wiesen. Bekannt geworden ist Marpingen, weil im nahen Härtelwald 1876 die Gottesmutter Maria drei Mädchen beim Heidelbeerpflücken erschienen sein soll.

          Im Sommer 1999 berichteten drei Frauen von weiteren Erscheinungen, ein Pilgerstrom setzte ein. Seitdem kommen etwa 60.000 Menschen im Jahr in die Gemeinde mit 12.000 Einwohnern. Einige Marpinger haben die Hoffnung, daß der Ort zu einem deutschen Lourdes werden könnte. Für die meisten aber ist das eine Sorge. Bei einer Einwohnerbefragung lehnten es 82 Prozent der Wahlberechtigten ab, die Gemeinde zu einem offiziellen Wallfahrtsziel zu machen.

          Anerkennung verweigert

          Wenige Wochen nach den angeblichen Marienerscheinungen setzte der damalige Trierer Bischof Hermann Josef Spital eine Kommission aus Priestern, Kirchenrechtlern und Kirchenhistorikern ein. Sie sollte die Glaubwürdigkeit der Berichte untersuchen. Am Mittwoch gab nun Spitals Nachfolger im Bischofsamt, Reinhard Marx, in Trier seine auf Grundlage des Kommissionsberichts getroffene Entscheidung bekannt: Die katholische Kirche verweigert allen angeblichen Marienerscheinungen von Marpingen die Anerkennung.

          In einem Dekret schreibt Marx: „Es steht nicht fest, daß den Ereignissen in Marpingen aus den Jahren 1876 und 1999 ein übernatürlicher Charakter zukommt.“ Der Bischof beruft sich auf „schwerwiegende Gründe“, die es nicht erlaubten, das Geschehen als übernatürlich anzuerkennen. In kirchlichen Verlautbarungen und im Gottesdienst darf demnach nicht von Marienerscheinungen in Marpingen gesprochen werden. Marx sagt, über das Votum habe es eine Rücksprache mit der vatikanischen Glaubenskongregation und der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz gegeben. In einem Brief an den Pfarrer von Marpingen schreibt Marx, daß die Marienkapelle im Härtelwald ihren Charakter als Stätte des Gebets und der Marienverehrung beibehalten solle.

          Prüfung dauerte sechs Jahre

          Bernhard Schneider, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Trier, war Mitglied der fünfköpfigen Kommission, die für ihre Arbeit sechs Jahre in Anspruch nahm. „Das ist eine vergleichsweise kurze Zeit“, sagt Schneider. „In Fatima etwa hat die Prüfung ein Dutzend Jahre gedauert.“ Dreißig Aktenordner mit Dokumenten wertete die Kommission aus, studierte Zeugenberichte auf Ton- und Bildträgern und befragte persönlich die „Seherinnen“, denen die Gottesmutter 1999 im Härtelwald erschienen sein soll.

          „Die Quellenlage für den jüngeren Fall war natürlich ungleich besser“, sagt Schneider. Dennoch sei die Urteilsfindung zu den Ereignissen von 1876 leichter gewesen: Eines der drei Mädchen habe zugegeben, daß die angeblichen Marienerscheinungen ein „Produkt von Phantasie und Einflüsterung“ seien. In bezug auf die Erscheinungen von 1999 gebe es aber „deutliche Indizien, die Zweifel an einer Übernatürlichkeit des Geschehens begründen“. Genauere Angaben über die Ablehnungsgründe könnten aus Rücksicht auf die an den Geschehnissen beteiligten Personen nicht öffentlich gemacht werden.

          Zuversicht

          Gottfried Schreiner, der Vorsitzende des Marpinger Kapellenvereins, der sich für die Anerkennung als Wallfahrtsort einsetzt, gibt sich trotz der Entscheidung zuversichtlich: „Ich bin fest davon überzeugt, daß die Pilgerströme nicht nachlassen werden.“

          Marpingen ist auf diesen Fall vorbereitet: Im Sommer bewilligte die Landesregierung Subventionen zur „Verbesserung der Infrastruktur“ an der Pilgerstätte. Unter anderem soll eine Toilettenanlage nahe der Marienquelle gebaut werden.

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