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Maria Furtwängler : Es ist ja mein Gesicht

Maria Furtwängler möchte künftig mehr hinter der Kamera stehen Bild: dpa

Im Drama „Die Flucht“ zog sie als Gräfin gen Westen, im „Tatort“ ermittelt sie als coole Kommissarin. Maria Furtwängler ist Deutschlands beliebteste Schauspielerin. In ihrem neuen Fernsehfilm verkörpert sie eine ganz normale Frau, die ums Überleben ihrer Familie kämpft.

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          „Kann sie eigentlich auch so gut Klavier spielen wie ihr Mann?“, fragt eine ältere Dame am Rande des roten Teppichs, über den jetzt gleich Maria Furtwängler laufen soll, und da stutzt man erst mal. Hat man je gehört, dass Hubert Burda, der Verleger, mit Klavierkonzerten auf sich aufmerksam gemacht hätte? Die Verunsicherung weicht jedoch schnell, als die Dame „Na, der Dirigent“ sagt, und das gibt gleich zu Beginn die Gelegenheit, mit einem noch immer recht verbreiteten Missverständnis aufzuräumen. Wilhelm Furtwängler ist weder Ehemann noch Vater und auch nicht Großvater von Maria Furtwängler.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Sache verkompliziert sich allerdings, als sie dann tatsächlich da ist und abwechselnd verschiedene Männer im Arm hält. Auch die Fotografen kennen nicht sofort alle Herren, und derenwegen sind sie ja auch gar nicht gekommen; „Maria, hier!“, rufen die Fotografen oder „Maria, mehr links!“ oder „Oooch, guckt doch mal zu uns!“ Maria Furtwängler gibt wie gewohnt die attraktive kühle Blonde, lächelt geduldig bei vier Grad unter Null im knappen braunen Lederjäckchen, und die Männer, darunter Filmproduzent Nico Hofmann, ZDF-Intendant Markus Schächter und Schauspieler Pasquale Aleardi, schauen, auch wenn sie körperlich größer sind, förmlich zu ihr auf.

          Zum Schluss tritt Christian Wulff auf, und da sind selbst die Reporter für einen Moment sprachlos. Der Bundespräsident gibt Furtwängler ein Küsschen links und eines rechts, vom Alter her könnte er auch zur Filmcrew passen. Doch Premiere hat an diesem Abend in der „Astor Film Lounge“ am Berliner Ku'damm nicht „Die Schöne und der Staatsmann“, sondern Furtwänglers neuester Film „Schicksalsjahre“ - deutsche Schicksalsjahre, selbstredend.

          Gelassen im Zug nach Berlin: die Schauspielerin vor der Premiere ihres neuen Fernsehfilms

          Sie sagt, sie sei aufgeregt

          Maria Furtwängler und Christian Wulff kennen sich schon lange aus Hannoveraner Zeiten, wo er mal Ministerpräsident war und sie bis heute ein „Tatort“-Kommissariat unterhält. Dass er zur Premiere ihres neuesten Fernsehfilms erscheint, dürfte nicht nur ihrer Freundschaft geschuldet sein. „Schicksalsjahre“ ist auch so etwas wie eine Staatsangelegenheit: Der ZDF-Zweiteiler spielt in jenen drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts, die dieses Land wie kaum eine andere Zeit geprägt haben, und die Vorlage dazu lieferte Gerhard Schröders Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye. Unter dem Titel „Vom Glück nur ein Schatten“ hat er die bewegende Geschichte seiner Mutter Ursula aufgeschrieben, die sich in den dreißiger Jahren in Berlin verliebt, in den Vierzigern in Danzig allein die Kinder durchbringt, nach der Flucht in Rostock den Neuanfang versucht, schließlich in den Fünfzigern in Mainz landet und dabei nie die Hoffnung aufgibt, ihren Mann und Vater ihrer beiden Kinder lebend wiederzusehen.

          Maria Furtwängler spielt diese Ursula Heye, sie ist in nahezu jeder der 200 Minuten des Zweiteilers zu sehen und deshalb jetzt besonders aufgeregt. Sagt sie jedenfalls, denn anzusehen ist ihr das nicht. Am Nachmittag vor der Premiere sitzt sie gelassen im Zug nach Berlin; in Hamburg hat sie eben eine Pressekonferenz gegeben, und nun knabbert sie Schoko-Mandelgebäck, trinkt Cola, und bevor man Gedanken wie „Wow, und das bei der Figur“ vollenden kann, erklärt sie bereits, wegen einer Gluten-Unverträglichkeit selten etwas Großes, dafür aber ständig und überall etwas Kleines zu sich nehmen zu müssen. „Ich sterbe bei der Vorstellung, dass sich die Leute heute Abend etwa in der Pause nach Hause schleichen“, sagt sie. „Andere mögen da locker sein, aber ich spüre diesen Druck, und es ist ja mein Gesicht, das ich mit dem Film verkaufe.

          Diesmal Fokus auf ein reales Leben

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