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: Marburg-Virus außer Kontrolle

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tos. JOHANNESBURG, 12. April. An dem seit Oktober in Angola wütenden Marburg-Virus sind von insgesamt 218 Infizierten bislang 203 Personen gestorben. Damit ist eine Mortalitätsrate erreicht, die nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation ...

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          tos. JOHANNESBURG, 12. April. An dem seit Oktober in Angola wütenden Marburg-Virus sind von insgesamt 218 Infizierten bislang 203 Personen gestorben. Damit ist eine Mortalitätsrate erreicht, die nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "schlimmer ist als bei allen bekannten Ebola-Ausbrüchen". Die Mortalität bei Ebola-Epidemien habe in der Vergangenheit zwischen 50 und 90 Prozent aller Infizierten gelegen, das Marburg-Virus indes habe jetzt schon die Neunzig-Prozent-Marke überschritten. Zudem sei der Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht. Nach Schätzungen der WHO ist frühestens in vier bis sechs Wochen mit einem Abklingen der Seuche zu rechnen. Das in der nordwestlichen angolanischen Region Uige ausgebrochene Virus wurde mittlerweile in sieben der insgesamt 18 Provinzen des Landes festgestellt. Selbst in der Hauptstadt Luanda wurden Infizierte entdeckt. Allein in Uige starben 180 Personen an der Viruserkrankung, unter ihnen neun Helfer. "Das ist die schlimmste Fieberepidemie, die es je gab", sagte der Regionalchef der Vereinten Nationen für Angola, Pierre-Francois Pirlot. Die Vereinten Nationen appellierten an die Gebernationen, 3,5 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Seuche aufzubringen. Das Geld solle vor allem in die Ausrüstung der Helfer investiert werden.

          Die Hilfsorganisation "Medecins sans frontieres" forderte die angolanische Regierung auf, das Regionalkrankenhaus von Uige sofort zu schließen. "Das Krankenhaus ist der eigentliche Infektionsherd", sagte eine MSF-Sprecherin in Uige. Die in Uige tätigen WHO-Fachleute scheinen diese Meinung zu teilen, wollen sich vorläufig aber nicht äußern. Zudem stoßen die Hilfskräfte bei der Identifizierung von neu Infizierten zunehmend auf Schwierigkeiten. Viele Familien melden ihre Kranken erst gar nicht oder reden sich ein, die Krankheit sei alles mögliche, nur eben nicht das Marburg-Virus. Normalerweise müssen Personen, die Kontakt mit einem Infizierten hatten, 21 Tage lang isoliert und beobachtet werden, bevor eine Infektion ausgeschlossen werden kann. In Uige aber fliehen die Menschen aus der Stadt, sobald sie ihre Toten bestattet haben. Dabei ist die Infektionsrate wegen der afrikanischen Tradition der Totenbestattung, die mit vielerlei Körperkontakt zum Toten verbunden ist, extrem hoch. Das Marburg-Virus überträgt sich über alle Körperflüssigkeiten, von Blut und Urin über Speichel und Schweiß bis selbst zu Tränen. Zudem trägt das gespentisch anmutende Auftreten der Helfer in ihren astronautenartigen Schutzanzügen nicht dazu bei, das Vertrauen der dem Aberglauben anhängenden Menschen zu gewinnen. In einem Fall waren die Ärzte mit einem Steinehagel empfangen worden. Unlängst war der Leiter des Krankenhauses von Uige von der Bevölkerung beschuldigt worden, die Stadt "verhext" zu haben.

          In den Nachbarländern Angolas laufen unterdessen Vorbereitungen, ein Übergreifen der Epidemie zu vermeiden. In Kongo-Kinshasa wurden Fachleute der WHO entlang der angolanischen Grenze stationiert, um Infizierte unter den Reisenden ausfindig zu machen. In der Hauptstadt Kinshasa wurde eine Isolierstation eingerichtet. Sambia und Namibia trafen ähnliche Vorsichtsmaßnahmen. Weiter nördlich versetzten Kongo-Brazzaville und Gabun, die wegen Ebola reichlich Erfahrung im Umgang mit tödlichen Viruserkrankungen haben, speziell geschulte Ärzte und Armeeangehörige in Alarmbereitschaft. Südafrika richtete in allen neun Provinzen des Landes Isolierstationen in ausgesuchten Krankenhäusern ein. Flugreisende, die aus Angola in Südafrika eintreffen, müssen sich detaillierte Fragen zu ihrem genauen Aufenthaltsort in Angola gefallen lassen. Bislang sei in keinem der Nachbarländer das Marburg-Virus identifiziert worden, hieß es im südafrikanischen Gesundheitsministerium. Gleichwohl ist die Gefahr einer grenzüberschreitenden Infektion schon deshalb hoch, weil die ersten Symtome nach frühestens fünf Tagen und spätestens drei Wochen auftreten. Zudem sind die ersten Anzeichen der Krankheit wie etwa Schwindel, Durchfall und Fieberschübe leicht mit anderen Tropenkrankheiten wie etwa Malaria zu verwechseln.

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