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Marbella : Vierzig Stunden als Millionär

„Soll ich denn einem Interessenten aus Kanada oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sagen: Das kann ich nicht, das gibt es nicht? Nein. Ich sage dem Kunden, dass ich mich darum kümmere.“ Sie strahlt wieder. Worum es sich bei solchen Problemlösungen denn handle? Über Summen spricht Theresa ungern, es sei denn, sie beziehen sich auf irgendetwas Größtes oder Teuerstes der Welt, doch so viel verrät sie: Da gab es einen Kunden, der wollte nicht nur eine riesige Villa an der Costa del Sol kaufen, sondern auch noch eine Tankstelle dazu, direkt am Haus. Er ertrug es nicht, vor Zapfsäulen zu warten. „Die habe ich ihm besorgt“, sagt Theresa. „So etwas lässt sich doch einrichten.“ Für ihr kurzes Leben hat die sechsundzwanzigjährige Unternehmerin viel erreicht. Mit dreiundzwanzig das Studium abgeschlossen, dann ein paar Monate in einer Immobilienagentur, was ihr nicht gefiel, weil es ihrem Arbeitgeber „nur um Profit“ gegangen sei. Da machte sie ihre eigene Agentur auf und begann mit dem, was sie unter Kundenpflege versteht: nicht Häuser verscherbeln, sondern Beziehungen aufbauen und Freunde gewinnen. Die Sache scheint sich zu lohnen, denn der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von südspanischen Villen von vier Millionen Euro aufwärts. Demnächst sollen New York, Dubai und die Karibik dazukommen. Neulich hat sie eine 115-Millionen-Villa in London verkauft. „Die Welt ist mein Zuhause“, sagt sie. Ob sie viel reist oder wenig, sie tut es für die Kunden.

Weil für Theresa Bernabé nichts zu absurd ist, als dass es die Phantasie sehr reicher Menschen nicht hervorbringen könnte, bietet sie seit neuerem Unterseeboote an, auf denen man seine Freunde ein paar Tage lang vor der Küste Marbellas bewirten kann, ohne ein einziges Mal aufzutauchen. Das maßgeschneiderte Modell „Phoenix 1000“ ist 65 Meter lang und kostet achtzig Millionen Dollar, aber es gibt auch kleinere zwischen drei und fünf Millionen. Im August 2003 etwa, als es so mörderisch heiß war, wäre so ein U-Boot vor der Küste die Rettung gewesen.

„Strandmatte? Das sind Betten!“

Später, lange nach dem Ferrari und kurz vor meiner Fahrt im Rolls-Royce, lege ich eine Strecke im Taxi zurück und lasse die Häuserzeilen an der Landstraße an mir vorbeizischen. Die Costa del Sol ist ein riesiges Investitionsgetto, in dem jeder nach einem Stück greift. An der Straße stehen Restaurants, Bordelle, Supermärkte und Möbelhäuser, das Übliche. Wo es teuer wird, in den Beachclubs, werden ohne Zucken hundert Euro täglich für die Strandmatte bezahlt. „Matte?“, sagt ein Angestellter. „Das sind Betten!“

Ja, aber es bleiben hundert Euro. In meinem Hotel übrigens singt nächsten Monat Julio Iglesias vor zweihundert Gästen, es gibt Abendessen und Candlelight. Das Ticket kostet tausendfünfhundert Euro. Dass mir so etwas noch aufschreibenswert erscheint, kann nur eines bedeuten: Ich muss das Paradies verlassen. Die vierzig Stunden sind um.

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