https://www.faz.net/-gum-uqfn

Marbella : Vierzig Stunden als Millionär

Die Probleme der Ferrarifahrer

Emilio verstummt, weil vor uns, auf der Landstraße nach Ronda, schon wieder ein Lastwagen die Steigung hochkeucht. „Zu viele Laster“, sagt er. Darin liegt die ganze Dialektik der verschandelten, zugebauten Costa del Sol, wo jeden Sommer reiche Araber samt Hofstaat und Luxusfuhrpark ihre Paläste beziehen. Die Lastwagen transportieren die Baustoffe, mit denen Tausende hier ihren märchenhaften Reichtum verdienen. Und sie verstopfen die vormals idyllischen Bergstraßen, auf denen Tausende ihren Reichtum ausleben wollen. Wenig später hält unsere Kavalkade an, weil vier oder fünf Ferraris tanken müssen. Ein Wahnsinn, mit welchen Problemen sich Ferrarifahrer herumschlagen müssen.

Unsere Programmpunkte sind zuviel für vierzig Stunden als Millionär, aber das ist ja gerade das Schöne: Die Sachen sprudeln so richtig und benebeln unsere Sinne. Wir sollen zwei Nächte in „Las Dunas“ verbringen, dem einzigen Hotel hier, das nur Suites anbietet. Wir sollen in exklusiven Restaurants und Beachclubs essen. Das schnellste Auto der Welt fahren. Auf einer tollen Yacht einen tollen Sonnenuntergang erleben. Das teuerste Parfüm der Welt riechen.

Der Duft von hundertsiebzig Rosen

Das teuerste Parfüm der Welt wird uns von Victoria präsentiert, die dafür aus London eingeflogen wurde und gleich am nächsten Morgen wieder zurück muss. Sie sei eben keine Millionärin, sagt Victoria später, und wir lachen. Unter Nichtmillionären versteht man sich sofort. Was das teuerste Parfüm der Welt betrifft - das Riesenflakon soll 250 000 Euro kosten, die Portion von einer Unze dagegen nur dreitausend -, es wird vor unseren Augen „erst zum dritten Mal enthüllt“, und ich frage mich, wer die Ersten und Zweiten waren. In einem einzigen Tropfen des teuersten Parfüms der Welt, sagt Victoria, sei der Duft von hundertsiebzig Rosen konzentriert, und die Tradition dieses Dufts gehe zurück auf Queen Victoria und das Jahr 1872. Ich schaue mich um, ob die Kollegen vielleicht dasselbe denken wie ich, nämlich, dass Queen Victoria nicht die erste Frau ist, die einem einfällt, wenn man an den verführerischen Duft von hundertsiebzig Rosen denkt.

Beim Cocktail auf der Terrasse - drüben ziehen Möwen über das Meer - hat Theresa Bernabé Zeit für ein längeres Gespräch und erzählt, der Erfolg ihres Fernsehkanals sei überwältigend. Im ersten Jahr seien zweihundert Artikel darüber geschrieben worden, und ihre Internetseite erziele 120 000 Klicks im Monat. Woher die Leute denn so kämen, die klicken, fragen wir. „Aus 146 Ländern“, sagt sie und strahlt. Es ist ein vielfältig deutbares Strahlen. Eines der Teilnahme, des Dazugehörens und permanenter Verfügbarkeit. Tatsächlich spricht Theresa jetzt davon, wie sie sich auf dem Markt behauptet. Die einen etwa bieten Luxushäuser an, die anderen Luxusautos, die dritten Segelyachten. Bei ihr bekomme der Kunde alles.

Ein Haus mit Tankstelle

Weitere Themen

Mehr Tote in USA durch Polizeischüsse

Mehr als 1000 Opfer : Mehr Tote in USA durch Polizeischüsse

Im ersten Jahr der Pandemie ist nicht nur die Zahl der Waffengewalt in Amerika gestiegen, auch die tödlichen Einsätze der Polizei haben einen neuen Negativrekord erreicht. Was hat sich seit den ersten Black-Lives-Matter-Protesten geändert?

Topmeldungen

Markus Söder und sein Vize Hubert Aiwanger nach einer Kabinettssitzung im Münchner Hofgarten.

Streit um Impfungen : Aiwanger wirft Söder Falschbehauptung vor

Nach der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause hatten sie noch versucht, Einigkeit zu demonstrieren. Doch der Streit zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten und seinem Vize ist nicht vorbei – im Gegenteil.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.