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Mann ohne Gedächtnis : „Karl“ muss auf die Insel

„Karl” in seinem Zimmer im Pflegeheim Bild: F.A.Z. / Rainer Wohlfahrt

„Karl“ soll zurück in sein Heimatland Großbritannien. Nachdem die Identität des 2006 in Mannheim gefundenen Mannes geklärt ist, will das Landratsamt in Heidelberg die Kosten für seinen Pflegeheimplatz nicht mehr bezahlen.

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          Der „Mann ohne Gedächtnis“, der sich „Karl“ nannte, muss zurück nach Großbritannien. Das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises in Heidelberg wollte die Pflegekosten für den an „paranoider Schizophrenie“ erkrankten Mann nicht länger bezahlen. 1290 Euro kostet das Landratsamt die Pflege und medizinische Betreuung des britischen Staatsbürgers im Monat. Das sind 77 Prozent der Behandlungskosten insgesamt. Die britische Krankenkasse übernimmt nur 23 Prozent. „Wir haben kürzlich einen Bescheid ausgestellt und ihn aufgefordert, die Bundesrepublik innerhalb von vier Wochen zu verlassen“, sagte ein Sprecher des Landratsamtes.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Sein vom Amtsgericht Wiesloch eingesetzter Betreuer, Rechtsanwalt Wolfgang Wagner, hält das Vorgehen für juristisch korrekt und will gegen eine Verlegung des Patienten in ein britisches Pflegeheim nicht Einspruch einlegen. „Er wird begleitet, die psychiatrische Versorgung ist genauso gut, Suizidgefahr besteht nicht“, sagte Wagner. „Abschiebehindernisse“ lägen somit nicht vor. Jedoch habe „Karl“ den Wunsch geäußert, in Deutschland zu bleiben. Das unbegrenzte Aufenthaltsrecht eines Bürgers der Europäischen Union gilt nur dann, wenn der Bürger in dem Gastland ein dauerhaftes Einkommen bezieht.

          „Karl“ stammt aus Edinburgh

          Am 9. Juni 2006 war der etwa 60 Jahre alte Mann am Mannheimer Hauptbahnhof aufgegriffen worden. „I lost my brain“, hatte er den Polizeibeamten gesagt. In den Vernehmungen konnte er sich an nichts erinnern und keine konkreten Angaben zu seiner Identität machen. Lange Zeit gelang es Ärzten und der Polizei nicht, den Lebenslauf des Mannes zu rekonstruieren. Erst im vergangenen September konnte „Karls“ Identität unter anderem mit einer Zeugenaussage eines Arztes aus Edinburgh und anhand von Fingerabdrücken geklärt werden.

          Ein Arzt erkannte in Karl einen ehemaligen Patienten einer psychiatrischen Klinik in England, in der er sich von 2001 bis zum Frühjahr 2006 aufgehalten haben soll. „Karl“ hieß vor seiner Erkrankung Norman Henry McMullan und soll aus Edinburgh stammen und dort in einer Sozialwohnung gelebt haben. In Deutschland war McMullan zunächst in einer Mannheimer Klinik behandelt worden, später bekam er einen Pflegeplatz in einem Heim in Heiligkreuzsteinach im südlichen, zu Baden-Württemberg gehörenden Teil des Odenwalds zugewiesen.

          Anfang Juli nahm die Stuttgarter Polizei unterdessen in der U-Bahn einen Mann fest, dessen Identität bis heute nicht geklärt ist: Der Mann ist offenbar zwischen 25 und 30 Jahre alt und stammt aus Osteuropa. Nach einem richterlichen Beschluss ist er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden.

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