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„Mangel an Beweisen“ : Freispruch im Mordprozess für Brüder von Hatun Sürücü

Vom eigenen Bruder ermordet: Hatun Sürücü Bild: rbb

Im Fall der 2005 ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü aus Berlin sind in der Türkei überraschend zwei ihrer Brüder in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte für beide lebenslange Haft gefordert.

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          Der Freispruch des Istanbuler Gerichts für schwere Straftaten kam überraschend. Die beiden Angeklagten Mutlu und Alpaslan Sürücü wurden in allen Anklagepunkten frei gesprochen. Ihnen war Beihilfe zum vorsätzlichen „Ehrenmord“ an ihrer Schwester Hatun Sürücü vorgeworfen worden. Die Deutsch-Türkin Hatun Sürücü war im Februar 2005 in Berlin mit einem „Ehrenmord“ getötet worden.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.
          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hatte für Mutlu und Alpaslan Sürücü, die zum Zeitpunkt der Tat 24 und 25 Jahre alt waren, lebenslange Haft gefordert. Die beiden hatten sich nach dem Mord in die Türkei abgesetzt, dort erhob die Staatsanwaltschaft im Juni 2015 Anklage gegen sie. Die Anklage warf ihnen vor, ihren jüngsten Bruder Ayhan zu der Tat angestiftet und die Waffen besorgt zu haben. Der Prozess begann im Januar 2016, am Dienstag wurde das Urteil verkündet.

          Das Gericht für schwere Straftaten kam zu dem Ergebnis, dass „nicht genügend eindeutige und glaubhafte, klare Beweise gefunden werden“ konnten. Zudem sprach es den Älteren der beiden Angeklagten, den 38 Jahre alten Mutlu Sürücü, aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf des illegalen Waffenbesitzes frei.

          „Heikle“ und „besonders komplizierte“ Beweislage

          Hatun Sürücü war im Februar 2005 von ihrem jüngsten Bruder Ayhan an einer Bushaltestelle in Berlin erschossen worden. 2006 verurteilte das Landgericht Berlin Ayhan Sürücü wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten. Die Richter stellten fest, dass Ayhan Sürücü seiner Schwester mit Tötungsvorsatz mehrmals aus nächster Nähe in den Kopf geschossen hatte, da er ihre an westlichen Maßstäben orientierte Lebensführung verachtete und die aus seiner Sicht verletzte Familienehre wiederherstellen wollte. Die beiden mitangeklagten Brüder Mutlu und Alpaslan Sürücü wurden 2006 aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die beiden hatten behauptet, erst nach der Tötung der Schwester von der Tat erfahren zu haben.

          Im Revisionsverfahren hob der Bundesgerichtshof (BGH) die Freisprüche jedoch auf. Die Richter beanstandeten, dass das Landgericht den Aussagen der Freundin des verurteilten jüngsten Bruders zu wenig Gewicht beigemessen habe. Außerdem habe die Beweiswürdigung Lücken aufgewiesen, da etwa eine SMS, die Ayhan Sürücü kurz vor der Tat an seinen Bruder Alpaslan geschickt hatte, nicht berücksichtigt worden sei. Die BGH-Richter bemängelten in ihrer mündlichen Begründung die „durchgreifende Schwäche“ des Berliner Urteils trotz des „Bemühens um Gründlichkeit“ bei einer „heiklen“ und „besonders komplizierten“ Beweislage.

          Der Fall wurde an das Berliner Landgericht zurückverwiesen. Doch die Brüder Mutlu und Alpaslan Sürücü hatten sich inzwischen schon in die Türkei abgesetzt. Da die türkischen Behörden eine Auslieferung ablehnten, musste die Berliner Staatsanwaltschaft das Verfahren 2008 einstellen. Ein Grund für das Istanbuler Urteil dürfte nun gewesen sein, dass eine Zeugin und Freundin der Familie, deren Aussage zur Revision durch den Bundesgerichtshof beigetragen hatte, nicht mehr auffindbar war und nicht vernommen werden konnte.

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