https://www.faz.net/-gum-bn2

Artenschützer : Artenschützer und Geldsucher

  • Aktualisiert am

Mit Spinnen und Fröschen fing alles an. Manfred Niekisch war etwa zwölf Jahre alt, als er in freier Natur alles sammelte, was ihm über den Weg lief. Manchmal zum Entsetzen seiner Eltern - wenn zum Beispiel wieder einmal ein Lurch hinter den Wohnzimmerschrank gekrochen war.

          1 Min.

          Mit Spinnen und Fröschen fing alles an. Manfred Niekisch war etwa zwölf Jahre alt, als er in freier Natur alles sammelte, was ihm über den Weg lief. Manchmal zum Entsetzen seiner Eltern - wenn zum Beispiel wieder einmal ein Lurch hinter den Wohnzimmerschrank gekrochen war. Dass er als Erwachsener einen ganzen Zoo verwalten würde, das hätte der Biologe, der heute sechzig Jahre alt wird, aber wohl nie gedacht.

          Seit dreieinhalb Jahren leitet Niekisch den Tiergarten, der zwar nicht mehr zu den größten in Deutschland zählt, dafür aber nach wie vor zu den bekanntesten - dank des ehemaligen Zoodirektors Bernhard Grzimek. Obwohl Niekisch viel zu bescheiden ist, um sich mit dem durch Film und Fernsehen bekannten Grzimek zu vergleichen, musste er doch grinsen, als er vor einem Jahr bei einem offiziellen Termin mit "Herr Grzimek" angesprochen wurde.

          Parallelen gibt es tatsächlich, denn auch Niekisch hat es seit seinem Amtsantritt im März 2008 geschafft, den Zoo besonders zu fördern. Überfällige Umbauten und Renovierungen der Gehege wurden in Angriff genommen. Niekisch hat das von der Stadt dafür bereitgestellte Geld, 30 Millionen Euro, dankbar entgegengenommen, sich aber nicht damit zufriedengegeben. Das Geld reiche nur für einen Teil der neuen Gehege, sagte er gleich zu Beginn seiner Arbeit. Deshalb hat er sich, ganz nach Grzimekscher Manier, selbst auf den Weg gemacht und nach Großsponsoren gesucht: mit Erfolg. Jüngst gewann er die Kreditanstalt für Wiederaufbau als Förderer.

          Es wird den Zoodirektor freuen, dass im Jahr seines 60. Geburtstags das größte Bauprojekt begonnen wurden: der Haupteingang und die Bärenanlage. Das wohl schönste Geburtstagsgeschenk dürften jedoch die beiden Sumatra-Tiger sein, die vor wenigen Wochen im Zoo geboren wurden und die in den nächsten Tagen wohl erstmals im Freigehege zu sehen sein werden. Für Niekisch, der als Fachmann für den Artenschutz gilt, ist der Tiger-Nachwuchs etwas Besonderes, wie er hervorhebt: Sumatra-Tiger sind vom Aussterben bedroht.

          Seine Amtsgeschäfte leitet der gebürtige Nürnberger von einem wunderschönen Zimmer mit knarzendem Parkettboden in einem Seitenflügel des Zoo-Gesellschaftshauses aus - mit Blick auf den Springbrunnen. Auf der Fensterbank sitzen Porzellanfrösche. Wer weiß, dass Niekischs Lieblingstier die Gelbbauchunke ist, den wundert diese Zimmerdekoration nicht.

          Erst neulich erinnerte sich Niekisch übrigens daran, dass der Traum vom Zoodirektor für ihn als Kind gar nicht so fern war. Das belegt ein Wunschzettel, den er selbst verfasst hat und den seine Schwester irgendwann einmal auf dem Dachboden gefunden hat.

          isk.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Menschen auf einer Bank in Brooklyn im April 2021

          Lockerung der Restriktionen : New York erwacht zum Leben

          Kino, Baseball, Achterbahn: Dank des rapiden Impffortschritts erlebt der „Big Apple“ einen Öffnungsreigen. Doch der Weg zur alten Normalität ist noch weit. Was wird bleiben von der Pandemie?
          Ein Arbeiter trägt einen Abgeordnetenstuhl durch den Plenarsaal.

          Söder oder Laschet : Ein Grund für CDU-Abgeordnete, für Söder zu sein

          Viele Abgeordnete der CDU haben Söder unterstützt, weil sie glauben, er sei besser in der Lage, ihren Sitz im Bundestag zu retten. Laschet-Anhänger sehen sich weniger auf die Umfrage-Lokomotive aus Bayern angewiesen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.