https://www.faz.net/-gum-84ye4

Nicole Leidenfrost : „Der Königin hat das blaue Pferd gefallen“

  • -Aktualisiert am

Kunst oder Kitsch? „Pferd in Royalblau“ von Nicole Leidenfrost. Bild: dpa

Das Acrylgemälde, das Bundespräsident Gauck der Königin schenkte, stieß in der Öffentlichkeit auf wenig Begeisterung. Auch Elisabeth II. reagierte verhalten. Im Internet wird der Künstlerin mit Häme und Spott begegnet. Sie selbst sieht sich in der Tradition Franz Marcs.

          3 Min.

          Die britische Presse hatte am Donnerstag wenig übrig für das Gastgeschenk von Bundespräsident Joachim Gauck an Königin Elisabeth II. „Ist es Bad Painting oder einfach nur schlecht gemalt?“, fragte der Kunstkritiker Mark Hudson in einem Beitrag für den „Daily Telegraph“. Die Königin selbst hatte am Mittwoch gestaunt und Gauck die Frage gestellt: „Soll das mein Vater sein?“ Das Bild der Malerin Nicole Leidenfrost aus Wedel zeigt die junge Königin auf dem Rücken eines in blauer Farbe gemalten Pferdes, daneben ihr Vater König Georg VI. in einem leuchten gelben Sakko. „Wenn man auf Leidenfrosts Bild sieht, ist man für ein paar Augenblicke perplex und fragt sich, ob das ein Stück des späten Neo-Expressionismus – also eine wertvolle Dreingabe zu einer großartigen deutschen Tradition, die Riesen der Klasse von Kandinsky oder Klee hervorgebracht hat – oder einfach ein Stück grotesken Kitschs ist", schrieb Hudson. Der „Guardian“ bezeichnete die Situation der Geschenkübergabe im Berliner Schloss Bellevue als „ungelenk“.

          Und was sagt die Künstlerin zum Tohuwabohu? Wir haben mit ihr gesprochen.

          Frau Leidenfrost, auf Ihrer Internetseite steht, sie machten „Kunst für jedermann“, „Originale mit und für Menschen mit Emotionen“. Wie kam es dazu, dass nun eines Ihrer Bilder die Königin erreichte?

          Das war reiner Zufall, aber der Weg war lang. Ich verteile Kunstpostkarten, gewissermaßen als Visitenkarten. Die Leute sollen ja wissen, wer man ist. Da wurde ich angesprochen, ob ich nicht einmal bei einer Auktion mitmachen wolle, und bei ebenjener Auktion wurde ich darauf aufmerksam, dass die im Bundespräsidialamt auch Kunstgeschenke machen. Ich habe angerufen – mehr als ablehnen konnten sie mich ja nicht –, ich habe meine Homepage hingeschickt und gefragt, ob das nicht etwas wäre. Ich habe viel Freude beim Malen, viel Freude an den Bildern, und das merken die Leute, auch die im Bundespräsidialamt. Die haben die Freude in meinen Bildern gesehen.

          Das Originalbild

          Und dann bekamen Sie den Anruf?

          Das Amt hat große Listen mit Künstlern. Ich habe in meinem Werk mehrere Pferdemotive in schönen Farben, und wurde angefragt, ob man nicht eines davon der Königin schenken könne. Dann sagte ich: „Warum machen wir nicht ein Bild auf Bestellung? Ich schaue mal was ich finde und schlage es vor.“ Ich habe dann recherchiert und ein Foto gefunden, das so herzerwärmend war, das fand ich total schön. Es ging um Emotionen. Ich habe das Bild vorgeschlagen und Glück gehabt. Dass es so groß wird, damit habe ich nicht gerechnet. Es zeigt, wie ihr Vater sie auf ihrem ersten Pony führt. Auf einer Koppel, glaube ich.

          Die Königin schien ernüchtert zu reagieren. Ihren Vater erkannte sie nicht auf dem Bild, und beim Anblick des Pferdes sagte sie: „It’s a strange colour for a horse.“

          Es geht darum, Spaß zu haben! Ich mache keine todernste Kunst. Das ist das Königsblau. In der deutschen Kunst gibt es zum Beispiel Franz Marc, ein blaues Pferd hat einen hohen Symbolwert. Der Königin hat mein Bild gefallen! In der nonverbalen Kommunikation die sie gezeigt hat, da war einfach Spaß drin.



          Welcher künstlerischen Strömung fühlen Sie sich zugehörig?

          Ehrlich gesagt: Ich arbeite mit einer Mixtechnik, viel mit Farben – für mich ist es wichtig, zügig zu arbeiten und Freude zu vermitteln. Bei mir stand im Zeugnis der ersten Klasse: „besonders eifrig ist sie im malen und zeichnen“. Bevor ich dann an die Hochschule der Künste kam, war ich kurz Modedesignerin. Was für mich wichtig ist: Ich bin als Künstlerin mit meinen Kinderbildern in einer der wichtigsten musealen Sammlungen in Deutschland, der von Reinhold Würth. Für den habe ich auch ein Kinderbild gemalt: da steht er mit seinem Vater vor einem Auto.

          Künstlerin Leidenfrost

          Der „Guardian“ fand die Situation „awkward“, der Kunstkritiker Mark Hudson sagte im „Daily Telegraph“, er finde Ihr Werk grauenvoll. Er frage sich, warum es nicht für einen Albert Oehlen oder Neo Rauch gereicht hat.

          Das lässt mich kalt. Ich kenne diese Reaktionen, ich bin 20 Jahre im Geschäft. In der Kunstwelt gibt es Liebhaber, und die sagen: Alles ist gut. Ich sage Dankeschön für die Wertschätzung, die ich von allen Seiten bekomme! Wann wurde das letzte Mal in Deutschland so viel über Kunst diskutiert? Das war zu Zeiten von Beuys und Baselitz.

          Die Häme im Netz reißt nicht ab.

          Wissen Sie, was Fußball und Kunst gemeinsam haben? Im Fußball ist auch jeder Bundestrainer.

          Eine echte Leidenfrost kostet zwischen 550 und 3700 Euro. Steigen Ihre Werke jetzt im Wert?

          Mich rufen gerade viele Leute an, die finden meine Kunst ganz toll und fragen, ob sie sich meine Bilder jetzt noch leisten können. Ich versuche natürlich, das Preisniveau zu halten, aber garantieren kann ich für nichts.

          Weitere Themen

          Straßenparty in Rio Video-Seite öffnen

          Karneval : Straßenparty in Rio

          Tausende kamen am Sonntag in den Straßen von Rio de Janeiro zusammen, um bei den weltbekannten Straßenpartys mit dabei zu sein: Singen, Tanzen, glücklich sein.

          Südkorea kämpft gegen das Coronavirus

          Höchste Warnstufe : Südkorea kämpft gegen das Coronavirus

          Südkorea weist nach China und Japan die höchste Infektionszahl des Coronavirus auf. Die Krankheit hat sich innerhalb einer Woche im Land verzwölffacht. Ein Großteil der Neuansteckungen gehen auf Veranstaltungen einer Sekte zurück.

          Topmeldungen

          Klaus Wolfram im Februar im Prenzlauer Berg, dort also, wo früher Ostberlin war

          Ein Treffen mit Klaus Wolfram : Ostdeutscher Frühling

          Nicht nur in Thüringen versuchen rechte Demagogen den Osten zu usurpieren. Der DDR-Oppositionelle Klaus Wolfram kritisiert die ungleiche Verteilung der Diskursmacht in Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.