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Studie Mainzer Forscher : „Instagram kann glücklich machen“

  • -Aktualisiert am

Influencerin Pamela Reif: Über vier Millionen Follower auf Instagram dürften auch sie glücklich machen. Bild: dpa

Zwischen vielen negativen Berichten rund um die Wirkung von Instagram präsentieren die Mainzer Wissenschaftler Adrian Meier und Sophie Börner einen überraschenden Befund: Instagram macht glücklich – wenn man es richtig nutzt. Ein Interview.

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          Instagram macht glücklich – das zumindest legt Ihre Studie nahe. Darf ich der Instagram-Sucht ab sofort freien Lauf lassen?

          Meier: Sucht würde ich als Begriff nicht verwenden, weil Suchtverhalten krankhaft ist. So würde ich einen Großteil der Instagram-Nutzung einfach nicht beschreiben. In den meisten Fällen haben wir es mit gewohnheitsmäßiger, wenn auch in einigen Fällen sehr intensiver Nutzung zu tun. Das sieht von außen suchtartig aus, ist es oft aber nicht.

          Und trotzdem ist in einigen anderen Studien bereits festgestellt worden, dass Instagram schädlich ist. Die Nutzung der Plattform verstärke Stereotype, ruiniere das Gedächtnis und fördere sogar psychische Erkrankungen bei Jugendlichen wie kein anderes soziales Netzwerk. Stellen Sie diese Ergebnisse infrage?

          Wer Instagram achtsam nutzt, wird inspiriert: Adrian Meier und Sophie Börner vom Mainzer Institut für Publizistik sind davon überzeugt.

          Meier: Nein. Es ist in der Tat belegt, dass die Nutzung von Instagram unter bestimmten Bedingungen negative Folgen haben kann. Es hat viel mit diesem „Sucht-Stempel“ zu tun, dass es hierzu bereits viel Forschung gibt, zu positiven Folgen hingegen kaum. Wir beobachten, dass Verhaltensweisen, die neu sind und vor allem von jungen Menschen betrieben werden, oft zunächst verteufelt und als süchtig machend bezeichnet werden. Die älteren Generationen können sich nicht erklären, wieso junge Menschen so intensiv Instagram nutzen. Dementsprechend entsteht das, was im Englischen gerne als „Moral Panic“ bezeichnet wird: „Da ist ein neues Medium und das macht was mit unserer Jugend.“ Das haben wir davor bei Videospielen oder beim Fernsehen beobachtet – selbst beim Buch war einst von Lesesucht die Rede. Forscher reagieren darauf: Sie schauen sich zunächst nur das vermeintlich Schlechte an und prüfen es. Und wer nur nach negativen Folgen sucht, wird selten positive finden.

          Und da kommen Sie ins Spiel.

          Meier: Genau. Wir versuchen, mit unserer Studie die Forschungslage auszubalancieren. Wir sagen, Moment mal, das passt doch gar nicht zusammen. Mittlerweile nutzen über 15 Millionen Menschen in Deutschland Instagram. So schlecht scheint es den meisten damit nicht zu gehen.

          Wie haben Sie diese Vermutung überprüft?

          Meier: In einem Experiment haben wir ein gefälschtes Instagram-Profil erstellt. Keinen Influencer mit zigtausend Followern, sondern einen absolut durchschnittlichen, aber fiktiven Nutzer. Die Studienteilnehmer wurden dann in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe hat unbearbeitete, eher unästhetische Naturbilder dieses Profils gesehen. Den anderen Teilnehmern haben wir visuell optimierte, idealisierte Bilder gezeigt, wie sie auf Instagram üblich sind. Der Befund war: Wer die optimierten Bilder gesehen hat, der hat sich deutlicher inspiriert gefühlt als die andere Gruppe, die die weniger schönen Bilder gesehen hat.

          Wie können Sie dieses Ergebnis erklären?

          Börner: Wir haben uns angeschaut, welche Mechanismen bei der Nutzung von Instagram überhaupt wirken. Eine zentrale Rolle spielt hier der soziale Vergleich. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Person mir ähnlich ist, empfinde ich gutwilligen Neid, der mich dazu motiviert, genauso gut zu werden wie die Person, die ich dort sehe. Kurz: Sie inspiriert mich. Wenn die Person für mich unerreichbar ist, empfinde ich dagegen eher böswilligen Neid – und der frustriert.

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