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Magen-Darm-Infekte an Schulen : Neue Erkenntnisse zu Massenerkrankungen erwartet

  • Aktualisiert am

Der Catering-Betrieb Sodexo hat alle betroffenen Schulen beliefert. An den Produktionsbedingungen sei nichts auszusetzen, ergab jedoch eine behördliche Überprüfung Bild: dpa

Mehr als 8.000 Kinder in Ostdeutschland sind an Brechdurchfall erkrankt. Offenbar war etwas im Schulessen nicht in Ordnung, doch die genaue Ursache ist noch ungeklärt. Im Verdacht stehen Noroviren oder ein Bakterium. Heute werden erste Ergebnisse erwartet.

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          Die Welle der Brechdurchfall-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ebbt nach den bisher vorliegenden Ergebnissen ab. Doch noch steht nicht fest, wodurch genau sie ausgelöst wurde. Das Robert-Koch-Institut will heute (Montag) seinen aktuellen Lagebericht zu den gemeldeten Erkrankungen vorlegen. Interessant werden sicher auch die Ergebnisse von den Landesbehörden und der eingesetzten Bund-Länder-Task-Force sein. Sie haben Essenslieferanten und Speisen überprüft und Laboruntersuchungen veranlasst.

          Betroffen waren 342 Schulen und Kindergärten. In Sachsen und Thüringen wurde das hochansteckende Norovirus in einigen Fällen als Erreger nachgewiesen. Es führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher. Nach Mahlzeiten in Schulen und Kindertagesstätten waren mit Stand vom Sonntag mindestens 8365 Jugendliche und Kinder sowie einige Erwachsene in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erkrankt. Sie wurden vom Caterer Sodexo mit Sitz in Rüsselsheim beliefert. Außer in zwei Küchen in Berlin werde aber am Montag überall wieder Kantinenessen produziert und geliefert, sagte Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt der dpa. Mit den Behörden gemeinsam sei eines schon festgestellt worden: „An unseren Produktionsprozessen und hygienischen Arbeitsweisen liegt es nicht. Da ist überhaupt nichts beanstandet worden - und wir sind sehr, sehr intensiv untersucht worden“, so Dürholt. Wenn die Erkrankungswelle tatsächlich mit den Essenslieferungen im Zusammenhang stehe, sei davon auszugehen, dass es an einem zugelieferten Produkt liege.

          Experten wollen erste Ergebnisse liefern

          Die Task-Force-Experten aus Bund und Ländern, die auch am Sonntag in Berlin zusammenkamen, gehen derzeit davon aus, „dass der Ausbruch nur durch ein kontaminiertes Lebensmittel beziehungsweise eine Charge einer Lieferung ausgelöst wurde“. Einen Zusammenhang mit dem Kantinenessen sehen die Behörden durchaus. „Wir können jetzt sagen, dass es wohl einen Zusammenhang gibt zwischen dem Kantinenessen und dem Ausbruch der am 26. und am 27. September in den fünf Bundesländern stattgefunden hat, dass das wohl durch ein Kantinenessen verursacht worden ist“, sagte Gerd Fricke vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

          Im Verdacht haben die Gesundheitsbehörden auch die Bakterienart Bacillus cereus, wie Jürgen Ziegenfuß, Abteilungsleiter im Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Thüringen, sagte. Das Bakterium bildet Gifte (Toxine) aus, die hitzebeständig sind. In Thüringen wurde der Erreger seit Ausbruch der Krankheitswelle in zwei Laborproben nachgewiesen. Das RKI berichtete, als „mögliche Auslöser sind Norovirus oder Toxine von toxinbildenden Bakterien (z.B.: Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens) in Betracht zu ziehen.“ Human- und Lebensmittelproben würden weiter untersucht.

          Der Verlauf der meisten Erkrankungen sei „kurz und unkompliziert“, berichtete das RKI. „Es besteht kein Hinweis auf eine nennenswerte Anzahl von Sekundärinfektionen.“ Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass die Erkrankungen zumeist nicht ansteckend sind. Mit 2800 Fällen wurden die meisten Erkrankungen in Sachsen registriert, wo am Montag 19 vorübergehend geschlossene Schulen wieder geöffnet werden. 2415 Fälle waren im Land Brandenburg gemeldet, 2213 laut RKI in Berlin, 887 in Thüringen, 50 in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern kein Fall. In Berlin und Brandenburg sind die Schulen ab diesem Montag wegen der Herbstferien geschlossen.

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