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Magellans Weltumsegelung : Ein großer Sprung für die Menschheit

So könnte es ausgesehen haben: Vor der spanischen Küste segelt ein Nachbau der „Victoria“, des einzigen Schiffs aus Magellans Flotte, das damals heimkehrte. Bild: dpa

Vor 500 Jahren brach Ferdinand Magellan zur ersten Weltumsegelung auf – und mit ihm drei deutsche Seeleute. Zum Gedenken der „iberischen Heldentat“ planen Spanien und Portugal Hunderte von Veranstaltungen.

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          Nach drei Jahren war Meister Hans zurück. Fünf Schiffe hatten am 10. August vor 500 Jahren in Sevilla am Ufer des Guadalquivir unter dem Kommando von Ferdinand Magellan abgelegt. Nur die „Victoria“ kehrte mit 18 Männern von der ersten Weltumsegelung heim. Fast 250 Seeleute waren in See gestochen, mehr als 200 starben oder desertierten auf der weitesten Reise, die Europäer bis dahin unternommen hatten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Über Meister Hans aus Aachen, der für die Kanonen an Bord zuständig war, ist wenig bekannt – nur, dass er drei Jahre später noch ein weiteres Mal die Welt umrundete. Mit dem Spanier Juan Sebastián de Elcano, der die Mission des unterwegs getöteten Magellan zu Ende brachte, machte sich der Geschützmeister zu den Gewürzinseln auf. Dieses Mal war er das einzige Besatzungsmitglied, das lebend heimkehrte. Nach mehr als 13 Jahren brachten ihn portugiesische Seeleute auf der Route entlang der afrikanischen Küste wieder nach Europa.

          Der Aachener war „der erste Mann, der die Welt gleich zwei Mal umsegelte“, sagt Tómas Mazón. In seinem Blog zum 500. Jahrestag hat der Spanier versucht, alles zusammenzutragen, was über die Seeleute und deren Reise bekannt ist. Er fand noch zwei weitere Besatzungsmitglieder aus dem Gebiet des heutigen Deutschlands: „Jorge, der Deutsche“ und Hans Barge, der wahrscheinlich ebenfalls aus Aachen stammte. Beide Kanoniere starben vor der Rückkehr nach Spanien.

          „Es war die erste Globalisierung der Geschichte“

          Sie sind ein Beispiel dafür, wie bunt die Truppe zusammengesetzt war. Karl I., der König von Kastilien und Aragon und spätere Kaiser Karl V., hatte sie eigentlich nur damit beauftragt, über den Atlantik einen westlichen Weg zu den Gewürzinseln zu finden: Den Reichtum der Molukken wollte man nicht dem Rivalen Portugal überlassen.

          Am Ende ging es um mehr als um ein paar Säcke Pfeffer, Muskat und Zimt, die damals fast so viel wert waren wie Gold und Silber. Die Weltumsegelung sei wichtiger gewesen „als die Ankunft von Neil Armstrong auf dem Mond“, sagt der spanische Vizeadmiral Horcada Rubio, der dem spanischen Regierungsausschuss zur Vorbereitung der Jubiläumsfeier angehört. Die Mondlandung vor 50 Jahren sei eine technologische Meisterleistung gewesen, die bis in die letzte Einzelheit geplant war. Magellan und seine Männer hätten sich jedoch in ein „schwarzes Loch“ vorgewagt, von dem sie nicht wussten, was sie dort vorfinden würden. Ihr Mut und ihre Ausdauer bedeuteten „einen Sprung für die Menschheit, einen Paradigmenwechsel, der zeigte, dass die Welt viel größer war“, sagt Horcada Rubio. „Es war die erste Globalisierung der Geschichte.“

          Der Erfolg war vor allem Magellans eisernem Willen zu verdanken. Schon im ersten Jahr musste er eine Meuterei ersticken. Er ließ die Anführer hinrichten. Der Kapitän der „San Antonio“ verlor die Geduld, desertierte und segelte nach Spanien zurück. Ein zweites Schiff sank, bevor Magellan die Passage vom Atlantik in den Pazifik entdeckte. Die Meerenge an der Südspitze Südamerikas trägt heute seinen Namen. Das weite, ruhige Meer dahinter nannte Magellan dann den Stillen oder Pazifischen Ozean. Bis er und seine Männer schließlich die Philippinen erreichten, folgte buchstäblich eine Durststrecke: Das Trinkwasser und die Vorräte gingen zur Neige. Die Seeleute ernährten sich von Ratten und Sägespänen. Doch Magellan ließ sich von nichts aufhalten. „Ich werde das Unternehmen zu Ende führen, und wenn ich das Lederwerk von der Takelage essen müsste“, soll er gesagt haben.

          Wiederaufleben der iberischen Rivalität

          Magellan war nicht nur ein furchtloser Entdecker. Er wollte die Menschen, die er traf, auch zum Christentum bekehren. Auf der Insel Mactan wurde er jedoch nicht freundlich willkommen geheißen. Magellan kam 1521 bei Kämpfen durch einen vergifteten Pfeil ums Leben. Der Baske Elcano übernahm daraufhin das Kommando. Er erreichte die Molukken, wo er die Laderäume mit Gewürzen füllen ließ. Ein zweites Schiff brachten die Portugiesen auf. Elcano segelte die afrikanische Westküste entlang und vollendete mit der „Victoria“ nach mehr als 37.000 Seemeilen die erste Weltumrundung.

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