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Orbán bei Putin : Orientiert sich Ungarn nach Osten oder nach Westen?

Wladimir Putin und Viktor Orbán am 1. Februar im Kreml Bild: AP

Russland ist in Ungarn aus historischen Gründen unpopulär. Trotzdem wirbt Viktor Orbán vor der Wahl im April mit seinen guten Beziehungen zu Wladimir Putin. Wie passt das zusammen?

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          Viktor Orbán hat einen regelmäßigen Freitagtermin im ungarischen „Radio Kossuth“, um ungestört von kritischen Nachfragen seine Sicht der Dinge darzulegen. Diesmal ging es um den jüngsten Besuch des Ministerpräsidenten in Moskau. Orbán lobte die guten bilateralen Beziehungen Ungarns zu Russland und verwies auf eine Reihe von Einigungen, die vorteilhaft für sein Land seien, vor allem zur Energieversorgung. Seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren arbeite er daran, Freunde für Ungarn zu gewinnen, sagte der Chef der national-konservativen Partei Fidesz, der sich bei der Wahl Anfang April einer vereinigten Opposition von links bis rechts gegenübersieht. Orbán sprach von einem internationalen „ungarischen Modell“, Mitglied in EU und NATO zu sein und gleichzeitig eine – wie er es sieht – erfolgreiche Kooperation mit Russland zu pflegen.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Ganz anders sieht das naturgemäß die Opposition in Budapest. Deren Außenpolitiker Attila Mesterházy von der sozialistischen MSZP und Koloman Brenner von der rechten Jobbik kündigten am Freitag eine Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses im Parlament an, in der Orbán Rede und Antwort stehen solle. „Es ist schon bemerkenswert,“ sagt Brenner im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ein Politiker, der seine Laufbahn damit begonnen hat zu fordern, dass die russischen Truppen aus Ungarn abziehen, und jetzt unterstützt er die Neuverhandlung von Einflusssphären zugunsten Russlands.“ Seiner Ansicht nach gerate das Gleichgewicht der diplomatischen Beziehungen zwischen West und Ost aus der Balance. „Die Westbindung ist seit den Zeiten des Heiligen Stephan die Orientierung Ungarns, unter Orbán wird das in die falsche Richtung gedreht.“ Orbán habe die Beziehungen zu autokratisch regierten Ländern wie der Türkei, in China und eben auch in Russland zu eng gestaltet. Brenner bestreitet, dass Orbáns jüngster Besuch neue substanzielle Vorteile für Ungarn erbracht habe. Die Gasverträge seien schon seit Längerem ausgehandelt gewesen, und auf Orbáns Wunsch, zusätzliche Mengen zu beziehen, habe der russische Präsident Wladimir Putin nur unverbindlich geantwortet, er wolle sich das überlegen.

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