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Luxusgut Swimmingpool : Das Idyll glitzert blau

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Schauplatz der Verführung – ein Pool: 1962 fotografierte Lawrence Schiller Marilyn Monroe am Set ihres letzten Films; die Diva zeigte sich sehr freizügig. Bild: Courtesy of Judith and Lawrence Schiller © Polaris Communications, Inc.

Er ist die coolste Immobilie überhaupt: der Swimmingpool. Seine höchste Ausprägung hat er in Kalifornien erfahren. Oder kommt einem das nur so vor, weil die Amerikaner ihre Vision des Beckens in alle Welt exportiert haben?

          Die Einladung zum Barbecue klang phantastisch, nicht nur wegen des gegrillten Lachses und der angekündigten Margaritas. „Kommt gegen 12 Uhr, dann bleibt uns bis Sonnenuntergang noch der ganze Nachmittag“, flötete Donna in den Hörer, bevor sie sich mit einem Satz verabschiedete, der den gesellschaftlichen GAU geradezu herausforderte. „Bringt eure Badesachen mit, Bob hat den Pool schon angeheizt.“ Badesachen? Pool? Angesichts der kalifornischen Juli-Hitze eine ideale Mischung, aber mit Donna und Bob? Die PR-Frau und ihr Lebensgefährte hatten bislang vor allem bei gemeinsamen Presseterminen Eindruck gemacht - sie im sommerlichen Designerkostüm, er in einer „business casual“-Uniform aus sandfarbener Hose und gediegenem Oxford-Shirt. Die Vorstellung, sich mit den beiden sonnengebräunten Endsechzigern in Badeanzug und Schwimmshorts an ihrem Pool in Beverly Hills zu amüsieren, ließ die Vorfreude auf Lachs und Cocktails weichen.

          Eine Einladung ans heimische Schwimmbecken gilt in Kalifornien zwar ein unverkennbares Signal der sich vertiefenden Freundschaft, kann bei Verstößen gegen die Etikette aber auch ein einmaliges Vergnügen bleiben. Wie jeder Wahlkalifornier weiß, sind die Grenzen zu den No-Go-Areas dabei ebenso fließend wie fatal. Was also einpacken? Den Bikini oder lieber den züchtigen Einteiler? Vielleicht noch einen Pareo, um während des Essens nicht am Stuhl zu kleben?

          Trotz des Wassermangels hatten Pools Hochkonjunktur

          Während das Zeremoniell am Beckenrand den meisten Zugereisten Rätsel aufgibt, gehört die „poolside“ seit fast 60 Jahren zu den Urerfahrungen der Südkalifornier. Damals machte der Ingenieur Philip Ilsley die bis dato Wohlhabenden vorbehaltenen türkisfarbenen Bassins durch das sogenannte „guniting“ auch für die Mittelklasse erschwinglich. Statt den Beton aufwendig zu gießen oder von Hand in Formen zu füllen, spritzte Ilsley ihn aus riesigen Rohren an die Seiten der gebaggerten Grube. Das beim Hausbau abgeschaute Verfahren machte die Beckenwände nicht nur stabiler, sondern verkürzte auch die Bauzeit und senkte Kosten.

          Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Südkalifornien in wenigen Jahren Zehntausende, meist schlichte Pools angelegt, die im Wüstenklima des „Golden State“ neben Abkühlung auch die Bewunderung der Nachbarn garantierten. Trotz des chronischen Wassermangels entwickelten sich die Pools in den rasant wachsenden Städten und ihren Vororten zu privaten Oasen, in denen sich Familie und Freunde zum Schwimmen, Spielen oder Plaudern trafen. Das blaugrüne Symbol des kalifornischen Traums der Eisenhower-Ära breitete sich schnell von den Hügelketten im Westen von Los Angeles in das San Fernando Valley aus, das im Sommer wochenlang bei Temperaturen von 30 Grad und mehr schwitzte.

          Inspiriert von Hollywoods Traumfabrik, entwickelte sich damals am Beckenrand eine Lebensart, die bis heute die kulturelle Geographie Südkaliforniens bestimmt. Die Parameter des Luxuslebens unter blauem Himmel wurden von den Hochglanzmagazinen vorgegeben, die Fotos von Stars wie Kirk Douglas, Rock Hudson und Marilyn Monroe bei vermeintlich unbeobachteten Aktivitäten am und im Pool zeigten. Eine ganze Generation amerikanischer Celebrity-Fotografen, unter ihnen Lawrence Schiller, Bill Anderson und Bruno Bernard, feilten daran, jeden Poolbesitzer von Beverly Hills bis zum Valley am lukrativen Glamour teilhaben zu lassen, während sie die Schauspieler nach den Vorstellungen der mächtigen Filmstudios ins rechte Licht rückten.

          Schauplatz der öffentlichen Verführung

          Dass das Leben vieler Stars mit der gespielten Geselligkeit unter Palmen wenig gemein hatte, wurde damals ausgeblendet. Schiller zum Beispiel fotografierte Monroe im Mai 1962 am Set ihres letzten Films „Something’s Got to Give“; wegen mangelnder Disziplin würde sie vom Studio schließlich gefeuert werden, der Film nie fertiggestellt. Die Bilder aber erschienen in Magazinen und Zeitungen in aller Welt und waren eine Sensation: das Sexsymbol „in the nude“ - nicht so nackt, wie man sich heute als Sexsymbol nackt machen muss, aber es genügte.

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