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Luxus für Vierbeiner : Bauchkraulen inklusive

  • -Aktualisiert am

Limo-Service: Das Barkley Hotel holt seine Gäste standesgemäß ab. Bild: Volker Corell/face to face

Hundehotels in Amerika bieten ihren Gästen Wellness-Oasen und Fünf-Sterne-Suiten, selbst Surfen können Tiere dort lernen. Was sollen Hunde auch sonst tun, wenn Herrchen und Frauchen arbeiten?

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          Roosevelt, der auch Kennedy, Clinton oder Obama heißen könnte, aber mit Rücksicht auf sein prominentes Frauchen nur unter einem Decknamen in die Zeitung darf, hat heute keine Lust. Die Rettungsweste ist zu eng, das Wasser zu kalt und das Surfbrett zu wackelig. Der Labradoodle, eine in Kalifornien gerade angesagte Mischung aus Labrador, Retriever und Großpudel, liebäugelt mit dem Beckenrand, während Animateur Josh ihm und sich gut zuredet. „Die ersten Minuten sind immer schwer. Die meisten Hunde haben noch nie auf einem Surfbrett gestanden“, weiß der Pfleger. Da Frauchen aber schon 30Dollar für den als „Pool Party“ kaschierten Unterricht im nierenförmigen Schwimmbecken bezahlt hat, stehen noch 28 lange Minuten an. Roosevelt, so das Lernziel, soll auf den Pazifikwellen reiten können, wenn Frauchen mit Familie für den Sommer aus dem heißen Thousand Oaks in den Küstenort Malibu übersiedelt.

          Ein Tierhotel kommt schon längst nicht mehr als zwingerbestückte Halle daher. Vor allem nicht in Südkalifornien, wo viele Vierbeiner inzwischen die Stelle von Kindern eingenommen haben. „Den Hund wie einen Menschen zu behandeln könnte ein ästhetischer Irrtum sein. Er breitet sich aber trotzdem weiter aus“, gab bereits der amerikanische Autor John Homans zu bedenken, als er vor einigen Jahren unter dem Titel „What’s a Dog For?“ die Soziologie von Vierbeinern und ihren Besitzern zu ergründen suchte.

          Artgerechte Behandlung? So fröhlich wie sein an die Wand gemalter Spielkamerad sieht dieser Gast zumindest nicht aus
          Artgerechte Behandlung? So fröhlich wie sein an die Wand gemalter Spielkamerad sieht dieser Gast zumindest nicht aus : Bild: Volker Corell/face to face

          The Barkley Pet Hotel & Day Spa, eine Luxusherberge mit Wellnessoase für Hunde, Katzen und exotische Vögel, bietet neben Einzelzimmern mit Gitterbettchen und Flatscreen ein Entertainmentprogramm, um das es Besucher eines Familienhotels an der Côte d’Azur durchaus beneiden könnten. Spielzeiten mit Artgenossen, Gute-Nacht-Geschichten samt Bauchkraulen oder ein Ausflug in der hoteleigenen Stretchlimousine zu einem Schnellrestaurant, wo zwischen Hamburger, Cheeseburger und frittiertem Hähnchen gewählt werden darf, gehören ebenso zum Programm wie Massagen und Formschnitte für das Hundehaar.

          „Wir sehen uns als das Four Seasons der Tierhotels“, sagt Chefin Julie Prince auf dem Weg zu den Luxussuiten des fast 3000 Quadratmeter großen Resorts in Westlake Village bei Los Angeles. Seit die Mittdreißigerin vor fünf Jahren die Stelle der Geschäftsführerin übernahm, boomt das Hotel. An Feiertagen und Wochenenden, wenn es die Angelenos an die Strände oder auf die Skipisten der San Bernardino Mountains zieht, sind meist alle 200 Suiten ausgebucht.

          Am Rodeo Drive, einem der Shoppingmeile in Beverly Hills nachempfundenen Hotelflügel, wartet Pudeldame Zsa Zsa derweil auf Entertainment. „Der Fernseher läuft fast nonstop, da die Hunde die Geräuschkulisse von zu Hause kennen“, erwidert Prince den fragenden Blick der Besucherin angesichts des Trickfilms „Beverly Hills Chihuahua“ auf dem Flachbildschirm. Um eventuellen Trennungsängsten vorzubeugen, bringen die vierbeinigen Gäste meist auch ein vertrautes Leibchen mit. Zsa Zsas pinkfarbenes Hello-Kitty-Outfit, so die Notiz an der Glastür ihrer Suite „Jimmy Chew“, ist aber gerade in der Wäscherei. Es geht also unbekleidet zur 20 Minuten langen Spielzeit mit Pfleger, für die Zsa Zsas Frauchen neben 75 Dollar Übernachtungskosten weitere zwölf Dollar gezahlt hat. Für vergleichsweise günstige fünf Dollar wird die Toberei auf grünem Plastikrasen anschließend mit einem Eis „Frostige Pfote“ belohnt. Auch Hannah, der Mini Yorkshire Terrier von Popprinzessin Britney Spears, soll sich an der Via Colinas regelmäßig bei einem „Puppy Package“ mit täglich drei Mahlzeiten, fünf Gassigängen, zwei Spieleinheiten und einem Spielzeugknochen erholen. Ob Frauchen Spears via Webcam gelegentlich vorbeischaut, will Prince nicht verraten.

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