https://www.faz.net/-gum-nny4

Lungenkrankheit : Weiterer SARS-Fall in Deutschland bestätigt

  • Aktualisiert am

Auf der Suche nach dem Erreger Bild: AP

In Deutschland bestätigte sich ein weiterer Verdachtsfall auf die gefährliche Lungenkrankheit SARS. China reagierte auf die Kritik an seinem Umgang mit SARS und veröffentlichte Richtlinien für die SARS-Behandlung.

          3 Min.

          Der 72-jährigen Deutschen, der seit Freitag vorvergangener Woche in einer Lungenfachklinik behandelt wird, hat eine Infektion mit dem SARS-Virus. Das Krankenhaus berichtete am Dienstag, das Hamburger Tropeninstitut habe im Bronchialsekret des Patienten das Virus nachgewiesen, das inzwischen als SARS-Erreger gelte.Dies teilte der behandelnde Oberarzt Olaf Kestermann am Dienstag mit. Dem Patienten gehe es den Umständen entsprechend gut.

          Der 72-Jährige war nach einer Asienreise mit den Stationen Hanoi und Singapur erkrankt, hat aber inzwischen die Krankheit weitgehend überstanden. „Der Patient ist inzwischen fieber- und beschwerdefrei“, hieß es in einer Erklärung der Klinik. Es gelte als unwahrscheinlich, dass er jetzt noch Virusmaterial aushusten könne. Doch werde er sicherheitshalber weiterhin auf der Isolierstation der Lungenklinik untergebracht, bis diesbezügliche Test abgeschlossen seien.

          Gründliche Umfelduntersuchungen durch die Gesundheitsämter hätten keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass der Patient vor der stationären Behandlung irgendjemanden angesteckt haben könnte, betonte das Krankenhaus. Der Fall zeige, dass die Viruserkrankung auch ohne spezielle Maßnahmen folgenlos überstanden werden könne und vernünftige, rechtzeitige Isolierungsmaßnahmen ein Verbreiten der Erkrankung verhindern könnten.

          Hier wurde der SARS-Fall in Deutschland diagnostiziert
          Hier wurde der SARS-Fall in Deutschland diagnostiziert : Bild: dpa/dpaweb

          Ein weiterer Verdachtsfall bei einem Kleinkind aus Lörrach hat sich derweil nicht bestätigt.

          Ansteckungsgefahr in Deutschland gering

          Mediziner glauben weiterhin, dass die Ansteckungsgefahr der Lungenerkrankung SARS in Deutschland äußerst gering ist. Reisende nach Südostasien sollten jedoch Vorsichtsmaßnahmen beachten, etwa Menschenansammlungen meiden und in Verkehrsmitteln einen Mundschutz tragen, sagte Barbara Ebert vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin am Dienstag. Der Frankfurter Virologe Prof. Hans Wilhelm Doerr plädierte sogar für eine Reisewarnung in die von SARS betroffenen Länder Asiens.

          Quarantänelager in Hongkong

          Zur Eindämmung von SARS will Hongkong die Bewohner des am schwersten betroffenen Wohnblocks in Quarantänelager auf dem Lande umsiedeln. Betroffen sind 240 Menschen, wie die Behörden der chinesischen Sonderzone am Dienstag mitteilte. Aus der Wohnanlage Amoy Garden wurden schon mehr als 140 SARS-Fälle gemeldet. Die Bewohner des Wohnblocks E von Amoy Garden sollten noch am Dienstagabend in Ferienlager in den so genannten New Territories außerhalb des Stadtzentrums sowie auf der Insel Hongkong gebracht werden, sagte der stellvertretende Direktor der Hongkonger Gesundheitsbehörde, Leung Pak Yin. Sie würden dort drei kostenlose Mahlzeiten am Tag erhalten und regelmäßig ärztlich untersucht werden. Möglicherweise trügen „Umweltfaktoren“ in der bereits zuvor isolierten Anlage Amoy Garden zur Verbreitung von SARS bei, sagte Leung, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

          Am Montag waren aus Amoy Garden 92 Erkrankungen gemeldet worden, am Dienstag weitere 52. In ganz Hongkong wurden am Dienstag nach amtlichen Angaben 75 neue Fälle des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) registriert. Bislang starben in der früheren britischen Kronkolonie 16 Patienten.

          China reagiert auf Kritik

          China reagierte auf die internationale Kritik an seinem Umgang mit der gefährlichen Lungenkrankheit SARS und Richtlinien für die Behandlung von Erkrankten veröffentlicht. In China war die Seuche vermutlich zuerst aufgetreten, und es ist auch das Land mit den meisten bekannt gewordenen Erkrankungen und Todesfällen.

          Das in der Schweiz ansässige Weltwirtschaftsforum verschob unterdessen ein für Mitte April in Peking geplantes Treffen von Wirtschafts- und Regierungsvertretern auf den Herbst. Die Richtlinien wurden auf der Web-Site der chinesischen Behörde für Seuchenbekämpfung veröffentlicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde darüber am Montagabend informiert, nach chinesischen Angaben gibt es diese Web-Site bereits seit Freitag. „Die chinesische Regierung hat nichts verschwiegen. Dafür gibt es keinen Grund“, erklärte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchao.

          Weltweit mehr als 1.600 Fälle

          Weltweit sind bislang mehr als 1.600 Menschen in 15 Ländern am Schweren Akuten Atemwegsyndrom (SARS) erkrankt, mindestens 62 Menschen starben an den Folgen der Lungenkrankheit. 34 Todesfälle gab es in China, davon allein 31 in der Provinz Guangdong (Kanton).

          Die WHO ist nach eigenen Angaben aber weiter mit der Zusammenarbeit der chinesischen Behörden unzufrieden. So gibt es aus Peking noch keine täglichen Informationen zu SARS. Ferner sagte ein WHO-Sprecher, seine Organisation warte immer noch auf Einreisegenehmigungen nach Guangdong, wo sie hoffe, auf Hinweise zum Ursprung und zur Ausbreitung der Krankheit zu finden. Bei einem CNN-Bericht über SARS aus einem Wohnblock für Ausländer in Peking wurde plötzlich der Bildschirm schwarz. Derartiges passierte in der Vergangenheit nur bei Berichten über die Falun-Gong-Bewegung oder andere Themen, die der Regierung unangenehm sind.

          SARS in Australien und Europa

          Unterdessen bestätigten die australischen Behörden am Dienstag den ersten Fall der gefährlichen Lungenkrankheit. Der Patient habe sich aber wieder erholt, und die Krankheit habe sich nicht ausgebreitet, erklärte der Leiter der Gesundheitsbehörde, Richard Smallwood. Der Australier, der vor seiner Erkrankung in Singapur war, wurde Ende Februar in einem Krankenhaus in Sydney erfolgreich behandelt, wie Smallwood sagte. Er sei entlassen worden, bevor SARS als neue Seuche bekannt geworden sei.

          Auch Spanien meldete am Dienstag einen ersten SARS-Verdachtsfall. Der britische Premierminister Tony Blair verschob laut chinesischen Angaben eine geplante China-Reise. Die Absage habe jedoch nichts mit SARS zu tun, betonte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking, Liu Jianchao, am Dienstag.

          Weitere Themen

          Prinz Philip erfolgreich am Herzen operiert Video-Seite öffnen

          Ehemann der Queen : Prinz Philip erfolgreich am Herzen operiert

          Prinz Philip ist nach Angaben des Buckingham-Palasts erfolgreich am Herzen operiert worden. Der Eingriff wegen eines seit längerem bestehenden Herzleidens des 99-Jährigen sei gut verlaufen, erklärte der Palast.

          Topmeldungen

          Markus Söder am Donnerstag in München

          Corona-Beratungen : Hat da jemand „schlumpfig“ gesagt?

          Bis in den späten Abend hinein ringen Kanzlerin und die Ministerpräsidenten um die neue Linie in Sachen Corona. Zu fortgeschrittener Stunde kommt es in der Schalte zum Schlagabtausch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.