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Lungenentzündung : Weitere Verdachtsfälle in Hongkong

  • Aktualisiert am

In Hongkong greifen immer mehr Menschen zur Atemschutzmaske Bild: AP

In Hongkong steigt die Zahl der tatsächlichen Erkrankungen weiter dramatisch. In Bayern wurde in einem Verdachtsfall Entwarnung gegeben.

          3 Min.

          Die Zahl der SARS-Fälle steigt in Hongkong seit Tagen dramatisch. Am Montag meldete Gesundheitsminister Yeoh Eng Kiong 92 neue Erkrankungen in der chinesischen Sonderzone, alle Betroffenen kamen aus derselben Wohnanlage. Ein Komplex des so genannten Amoy Garden wurde geschlossen, die Bewohner für zehn Tage unter Quarantäne gestellt. Damit stieg die Zahl der Erkrankten allein in Hongkong auf mehr als 620. Wie in Hongkong blieben auch in Singapur die Schulen am Montag geschlossen. In Kanada starb ein vierter Patient an der Krankheit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer weltweit auf 59. Insgesamt haben sich mehr als 1.600 Menschen angesteckt.

          Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) strich einen geplanten Besuch in Hongkong vom Programm seiner China-Reise. Obwohl die tatsächliche Ansteckungsgefahr vermutlich eher gering sei, werde aus Gründen der Vorsorge auf einen Besuch in der Wirtschaftsmetropole verzichtet, verlautete am Montag aus Kreisen der 50-köpfigen Delegation, die Stoiber begleitet. Zuvor hatten die USA eine Reisewarnung unter anderem für Hongkong, China und Singapur ausgesprochen.

          Todesfall in Kanada und Verdachtsfälle in Europa

          In Bayern gab es zwei weitere Verdachtsfälle, in einem gaben die Ärzte aber nach kurzer Zeit Entwarnung. Bei einem einjährigen Kind aus dem Großraum Nürnberg, das in China gewesen war und nach der Rückkehr SARS-Verdachtsymptome gezeigt hatte, bestätigte sich der verdacht nicht. Im anderen neuen Verdachtsfall handelt es sich den Angaben zufolge um einen 60-jährigen Mann, der Mitte vergangener Woche von einer Reise nach Hongkong, Kanton und Peking zurückgekommen war.

          Allenthalben gibt es Anleitungen

          In der kanadischen Millionenmetropole Toronto verhängten die Behörden nach dem neuerlichen Todesfall durch das Schwere Akute Atemwegsyndrom (SARS) den Gesundheitsnotstand. Zwei Krankenhäuser wurden für neue Patienten geschlossen, hunderte Menschen stehen in ihren Häusern unter Quarantäne. In Toronto starben bislang vier Personen. Die kanadischen Behörden gehen davon aus, dass der tödliche Erreger von Reisenden aus Asien eingeschleppt wurde.

          Auch in Frankreich wurden neue Verdachtsfälle bekannt: Wie der Chef der obersten französischen Gesundheitsbehörde DGS, Lucien Abenhaïm, im Radiosender Europe 1 sagte, wird bei drei weiteren Patienten die Lungenkrankheit vermutet. Die Kranken seien im gleichen Flugzeug aus Asien gekommen wie der bislang der einzige nachgewiesene SARS-Patient in Frankreich. Der 65-jährige Arzt hatte im französischen Krankenhaus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi SARS-Kranke betreut. Auch ein belgischer Soldat könnte sich bei einem Vietnam-Besuch an der Krankheit angesteckt haben, teilte das Gesundheitsministerium in Brüssel mit.

          Ansteckender als bislang angenommen

          Die Behörden befürchten, SARS könne ansteckender sein als bislang angenommen. Yeoh schloss nicht aus, dass eine Übertragung durch die Luft möglich sei. Der Gesundheitsminister von Singapur, Lim Hng Kiang, sagte, ein SARS-Kranker könne vermutlich bis zu 40 Personen anstecken: „Wir ziehen auch die Möglichkeit einer großen Anzahl von Infizierten in Erwägung. Das könnte eine Kettenreaktion auslösen.“

          Unterdessen gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, den Erreger der mysteriösen Lungenentzündung möglicherweise in den kommenden Tagen identifizieren zu können. „Das bedeutet nicht, dass wir auch in kurzer Zeit ein Gegenmittel finden“, sagte Hitoshi Oshitani, SARS-Koordinator der WHO, am Montag in Manila. Seinen Angaben zufolge wurde der Erreger von Tieren übertragen. Er bezeichnete SARS als „größten Ausbruch einer Krankheit über den Flugverkehr in der Geschichte“.

          SARS wird auch nach Untersuchungen des Pariser Pasteur-Instituts vermutlich durch ein Coronavirus ausgelöst. Wie die oberste französische Gesundheitsbehörde DGS am Montag bekannt gab, fanden Pasteur-Forscher in Proben von sechs SARS-Patienten aus dem Krankenhaus Hanoi sowie einem mit SARS im französischen Tourcoing liegenden Arzt Coronaviren. Deren Viren-Verwandte sind unter anderem für Erkältungskrankheiten sowie für Darmerkrankungen bei Tieren verantwortlich.

          Tropeninstitut: Keine Seuchengefahr

          Das Hamburger Tropeninstitut geht trotz einer weltweit steigenden Zahl von Krankheitsfällen weiterhin nicht von einer Epidemiegefahr aus. Verglichen etwa mit der Influenza sei bei SARS keine seuchenartige Ausbreitung zu beobachten, sagte der Direktor des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Bernhard Fleischer, am Montag. „Man holt es sich eben nicht auf der Straße, sondern durch direkten Kontakt mit Erkrankten. Das lässt einen hoffen, dass das Ganze kontrollierbar ist.“

          Fleischer sagte, da sich die Zahl der Erkrankungen entgegen seinen Erwartungen sehr schnell erhöht habe, könne er seine Prognose nicht aufrecht erhalten, dass die Krankheit bald überwunden sein werde. Es sei allerdings unklar, ob es sich bei der Zahl der gemeldeten Fälle tatsächlich um Erkrankungen handele. „Es werden jetzt viele Leute eingeliefert, von denen man gar nicht weiß, ob sie SARS haben. Die Diagnostik läuft noch gar nicht richtig. Man weiß gar nicht, wieviele Menschen wirklich an SARS erkrankt sind.“

          Daten aus China fehlen

          Während unter der chinesischen Bevölkerung die Angst vor der Seuche wächst und Atemschutzmasken und Grippemedikamente gekauft werden, hält die Regierung in Peking Informationen weiter zurück. Ein WHO-Sprecher sagte, man warte noch immer auf neue Zahlen aus den Provinzen. Zudem sei es den WHO-Experten noch immer nicht gestattet worden, in die Provinz Guangdong (Kanton) zu reisen. In dieser Region an der Grenze zu Hongkong kam es im November zum Ausbruch zahlreicher Lungenentzündungen.

          In vielen Apotheken in Peking war am Montag kein Mundschutz mehr zu bekommen. Nach Angaben chinesischer Zeitungen vom Montag sind solche Gesichtsmasken schon seit drei Tagen ausverkauft, doch bemühten sich Apotheken um Nachschub. Die Zeitungen schrieben, niemand wisse, ob der Mundschutz eine Infektionen mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) verhindern könne und wie sich das Virus verbreite. Doch rieten Ärzte, größere Menschenansammlungen zu vermeiden und häufig die Hände zu waschen.

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