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Politikum Luftverschmutzung : Sozialistischer Smog?

  • -Aktualisiert am

Tödliche Feinstaub-Belastung: Der Smog kann die Lebenserwartung um fünfeinhalb Jahre verkürzen. Bild: dpa

Die zunehmende Luftverschmutzung in China löst eine Welle der Entrüstung unter der Bevölkerung aus. In den ersten Tagen des Jahres wurden in der Hauptstadt Rekordwerte gemessen.

          „Was heißt ,Ich bringe dich um‘ auf Englisch?“, fragt ein chinesischer Blogger und liefert seine Antwort gleich mit: „Welcome to Beijing!“ Andere machen mit politischen Anspielungen ihrem Ärger Luft: „Der Smog ist Teil des Sozialismus, er ist resistent gegen Kritik.“ Eltern verzweifeln: „Wie kann ich nur mein Kind vor dieser schrecklichen Luft schützen?“

          Seit mehr als drei Wochen versinken Peking und große Teile Nord- und Zentralchinas fast ohne Unterbrechung in gesundheitsgefährdendem Smog. Ein Drittel aller chinesischen Städte ist eingehüllt. Die Gesichter werden länger, die Stimmung wird depressiver, und zu Beginn des neuen Jahres stellte das Wetteramt auch noch in Aussicht, dass der Smog bis zum 7. Januar bleiben werde.

          Die Zahl der Menschen, die nur noch mit Atemmaske nach draußen gehen, nimmt stetig zu. Selbst Soldaten und Wachpersonal, die bislang angehalten waren, den Smog brav einzuatmen, dürfen jetzt schwarze Schutzmasken tragen. In den Wohnungen laufen Luftreiniger, die Strom verbrauchen, der aus verschmutzenden Kraftwerken kommt.

          Nachdem am ersten Tag des neuen Jahres schon Rekordwerte erreicht worden waren, wurde auch am Mittwoch auf dem Tiananmen-Platz in Peking wieder eine Feinstaub-Belastung von 475 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Die Weltgesundheitsorganisation hält gerade einmal 25 Mikrogramm für unbedenklich.

          Staatliche Medien vertuschen das Ausmaß

          Während die Blogger von einer „Airpocalypse“ schreiben, üben sich die staatlich gelenkten Medien in Schönmalerei. „Die Hauptstadt hatte im Jahr 2016 bessere Luft“, titelte etwa die „China Daily“ am Mittwoch, einem Tag, an dem die Pekinger kaum aus dem Fenster sehen konnten. Obwohl der lange anhaltende Smog und seine Gefahren in diesen Tagen das Hauptgesprächsthema sind, verbannten Zeitungen das Thema auf hintere Seiten. Denn der andauernden Smog droht zum Politikum zu werden.

          Die Regierung solle doch endlich etwas unternehmen, fordern verärgerte Bürger. Die Behörden geben seit einem Jahr Smog-Warnungen aus, und in den vergangenen Wochen sind in vielen Städten Warnungen der höchsten und der zweithöchsten Stufe ausgesprochen worden. Das heißt, es gelten Fahrverbote, und einige der stark verschmutzenden Industriebetriebe müssen ihre Produktion zurückfahren oder einstellen. Doch scheint das kaum Erleichterung zu bringen, und die Inspektoren des Umweltministeriums müssen auch zugeben, dass vielerorts den Anweisungen nicht Folge geleistet wird.

          Nach einer Studie der Universität Nanjing können ein Drittel der Todesfälle in China mit Smog in Verbindung gebracht werden. Der Smog sei somit genauso gesundheitsgefährdend wie das Rauchen. Amerikanische, chinesische und israelische Forscher kamen in einer anderen Studie zu dem Ergebnis, dass der Smog in Nordchina die Lebenserwartung um fünfeinhalb Jahre verkürzt.

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