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Luftverkehr : Kartellamt verbietet Lufthansa-Billigflüge

  • Aktualisiert am

Kartellamt: Lufthansa soll Konkurrenz achten Bild: AP

Die Lufthansa darf keine Niedrigpreisflüge auf der Strecke Frankfurt - Berlin anbieten. Das Bundeskartellamt untersagte die „Kampfpreise“.

          Das Bundeskartellamt hat der Lufthansa ihre Niedrigflugpreise auf der Strecke Frankfurt am Main-Berlin untersagt. Die Kampfpreise lägen unter den Kosten und zielten klar auf eine Verdrängung des Konkurrenten Germania Fluggesellschaft, begründete der Präsident des Kartellamts, Ulf Böge, am Dienstag die Entscheidung.

          Wegen der Preisstrategie des Marktbeherrschers sei eine wesentliche Beeinträchtigung des aufkommenden Wettbewerbs zu befürchten. Lufthansa hatte bereits angekündigt, gegen ein Verbot gerichtlich vorgehen zu wollen.

          Böge: Lufthansa nimmt bewusst Verlust in Kauf

          Böge sprach von sachlich nicht gerechtfertigten Preisen. Lufthansa nehme bewusst einen Verlust in Kauf. Das Unternehmen nutze dabei seine überlegene Marktmacht, um Germania zu verdrängen. Lufthansa darf nach der Kartellamtsentscheidung von sofort an auf der einfachen Strecke nur noch einen Preis fordern, der mindestens 35 Euro über dem Preis der Germania liege.

          Germania hatte im November zwischen Frankfurt am Main und Berlin Linienflüge aufgenommen, nachdem die Lufthansa zuvor ein Monopol auf der Strecke hatte. Die Tickets für den einfachen Flug bietet Germania für 99 Euro an. Lufthansa verbilligte seinen Tarif zugleich um rund 60 Prozent auf 100 Euro für die einfache Strecke.

          Faktisch aber unterbot die Lufthansa aber damit laut Böge den Germania-Preis von 99 Euro deutlich, denn bei der Lufthansa sind für den Kunden zusätzliche Leistungen inbegriffen, wie etwa Bordverpflegung oder die Teilnahme am Vielfliegerprogramm. Weitere Vorteile für Kunden (wie die höhere Anzahl an Flügen oder Zugang zu Reisebüros) summieren sich nach Berechnungen des Kartellamts auf einen preislichen Vorteil von rund 35 Euro für den Einfachflug.

          Lufthansa wehrt sich gegen Entscheidung

          Die Lufthansa betonte am Dienstag erneut, sie werde gegen die Untersagungsverfügung des Bundeskartellamtes gerichtlich vorgehen. Lufthansa sei überzeugt, dass die Untersagungsverfügung vor Gericht keinen Bestand haben werde, hatte die Fluglinie bereits Ende Januar erklärt. Damals zeichnete sich bereits die Haltung der Kartellwächter ab, nachdem alle Kompromissvorschläge von Lufthansa von der Behörde verworfen worden waren.

          Den Rechtsweg werde Lufthansa nun “zügig“ beschreiten, sagte Pressesprecher Michael Lamberty. Dies sei erforderlich, um die sofortige Vollziehbarkeit des Beschlusses nicht wirksam werden zu lassen. Man werde nun zunächst beim Oberlandesgericht Düsseldorf einen Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung stellen, um eine gewisse Sicherheit zu haben, dass der Beschluss der Kartellbehörde bis zum Abschluss des juristischen Verfahrens keine Wirksamkeit erlange.

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