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Lufthansa : Unterbezahlt oder maßlos - die Gehaltsforderungen der Piloten

  • Aktualisiert am

Trauriges Schicksal einer stolzen Flotte Bild: dpa

Fordern die Piloten zuviel Geld? Die Zahlen sind schwer zu deuten.

          Die Lufthansa-Piloten streiken: Grund sind die Tarifverhandlungen zwischen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und Lufthansa, die auch in der dritten Runde ohne Einigung blieben. Im Gegenteil: Danach wurde erst deutlich, wie weit die Positionen voneinander entfernt sind.

          Die VC stellt Forderungen, die von Lufthansa bisher als „utopisch“ zurückgewiesen werden. Die Pilotengewerkschaft ihrerseits beschwert sich, dass Lufthansa ohne konkrete Angebote in die Verhandlungen gegangen sei. Lufthansa wiederum entgegnet, sie habe bereits in den Gesprächen mit der Gewerkschaft angekündigt, dass Anfang April ein Angebot vorgelegt werde und hält deswegen die Warnstreiks für „überzogen, unnötig und unzulässig“. Gegenseitige Beschuldigungen en masse. Was ist los?

          „Endgehalt von 477.000 Mark“

          Laut Rüdiger Fach, einem Verhandlungsführer der VC, sind die Forderungen aus Sicht der Gewerkschaft zwar nicht unerheblich. Wie die Behauptungen, die Gewerkschaft fordere Gehaltserhöhungen von bis zu 80 Prozent zustande kommen, ist für Fach allerdings nicht nachvollziehbar.

          „Wir haben keine prozentuale Forderung gestellt. Uns geht es um die Entwicklung einer neuen Gehaltstruktur: die Basis für die Berechnung des Grundgehalts soll von bisher 73 auf 85 Flugstunden erhöht werden. Daraus ergeben sich entsprechende Gehälter, abgestuft nach Dauer der Betriebszugehörigkeit und ausgeübter Funktion.“ Für einen Ersten Offizier fordert die VC beispielsweise als Einstiegsgehalt 135.000 Mark. Kapitäne sollen im ersten Jahr 300.000 Mark verdienen, und nach 13 Jahren mit einem Endgehalt von 477.000 Mark belohnt werden.

          Die Lufthansa stellt diesen Zahlen die aktuellen Gehälter der Piloten gegenüber. Demnach kommen die Vertreter des Konzerns je nach Rang des Piloten auf eben die strittigen Prozentwerte zwischen 24 und 83 Prozent und reagieren „mit Unverständnis“. Wie rechtfertigt die VC diese hohen Zahlen? „Ein Grund ist die allgemeine Gehaltsentwicklung in Deutschland seit 1992“, sagt Rüdiger Fach. Im Vergleich hätten die Gehaltserhöhungen bei den Piloten in den letzten Jahren noch nicht einmal einem Inflationsausgleich entsprochen.

          Was ist angemessen?

          Außerdem hatten die Ergebnisse eines mit Lufthansa durchgeführten weltweiten Vergleichs der Pilotengehälter deutlich gemacht, dass die Steuerleute der deutschen Flotte erheblich geringere Gehälter erhalten als zum Beispiel Kollegen anderer Partner in der Star Alliance - einem strategischen Zusammenschluss internationaler Fluggesellschaften. Noch besser verdienen allerdings die Kollegen von Cathay Pacific. Bei der Hongkong-Airline kommt ein Pilot durschnittlich auf fast 550.000 Mark - und das bei einer geringeren Anzahl von jährlichen Flugstunden.

          Nach Ergebnissen eines Rechenexempels von Christian Obst, einem Analysten der Hypovereinsbank, käme auf Lufthansa eine 14prozentige Senkung des Unternehmenserfolges pro Aktie zu, falls die Gewerkschaft Gehaltserhöhungen von 35 Prozent durchsetzen würde. Von solchen Schreckensmeldungen geht Obst allerdings nicht aus, er rechnet mit einer maximalen Erhöhung von zehn Prozent.

          Auch Lufthansa selbst rechnet vor, dass mit der Umsetzung der VC-Forderungen die Ausgaben für die Piloten von derzeit rund einer Milliarde Mark jährlich um „mehrere Hundert Millionen“ ansteigen würden. „Wir sind daran interessiert, unsere Mitarbeiter am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen. Unsere Wirtschaftlichkeit können wir dafür allerdings nicht gefährden,“ fasst eine Lufthansa-Pressesprecherin zusammen.

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