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Loveparade : Veranstalter Schaller veröffentlicht Filmaufnahmen

  • Aktualisiert am

Bei der Loveparade in Duisburg im Juli kamen 21 Menschen ums Leben Bild: dpa

Der Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller hat wie angekündigt Filmaufnahmen ins Internet gestellt, die Überwachungskameras am Unglückstag gemacht haben. Er beschuldigt damit abermals die Polizei. Die Polizeigewerkschaft spricht von Manipulation.

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          Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller hat trotz der Kritik der ermittelnden Behörden Aufnahmen von Überwachungskameras vor dem Unglück auf der Internetseite der Lopavent GmbH veröffentlicht. Das Videomaterial zeigt Bilder, die von sieben Kameras auf dem Veranstaltungsgelände und im Eingangsbereich aufgezeichnet wurden. Aus Rücksichtnahme auf die Opfer und ihre Angehörigen habe man sich auf Videomaterial beschränkt, das vor 16:40 Uhr aufgezeichnet wurde, heißt es auf der Website von lopavent.com.

          Es handele sich um das vollständige Videomaterial, teilte das Unternehmen am Montag in Berlin mit. Die Lopavent als Veranstalter sehe sich mit in der moralischen Verantwortung für das tragische Unglück und wolle einen Beitrag zur Aufklärung der Ereignisse an diesem Tag leisten. Das Team der Lopavent will nach eigenen Angaben mit der Veröffentlichung des Materials dazu beitragen, „die Vorgänge am 24.7.2010, die zu der Katastrophe geführt haben, nachzuvollziehen und aufzuklären.“ Alle Materialien lägen den Ermittlungsbehörden vor.

          Das Unternehmen hat außerdem einen Dokumentarfilm veröffentlicht. In ihm wird die Polizeikette auf der Hauptrampe als entscheidende Ursache für das Zustandekommen der Katastrophe mit 21 Toten dargestellt.

          Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht auch Rainer Schaller, der Veranstalter der Loveparade

          Kritik der Polizeigewerkschaft

          Von Seiten der Polizeigewerkschaft, waren die Veröffentlichungspläne aus Gründen der Pietät und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen kritisiert worden. Doch die Hände der Ermittler scheinen gebunden: „Nach meinen Informationen sieht die Staatsanwaltschaft Duisburg keine Möglichkeit, die Pläne Schallers juristisch zu stoppen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Behörde habe aber Schaller in einem Schreiben „dringend aufgefordert, das Material der sieben Überwachungskameras aus Gründen der Pietät und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht zu veröffentlichen“.

          Auch Wendt warnte Schaller rund vier Wochen nach der Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten vor dem Schritt an die Öffentlichkeit: „Es wäre das Allerletzte, die Hinterbliebenen im Netz mit den Bildern ihrer sterbenden Angehörigen zu konfrontieren.“ Zudem bestehe ein erhebliches Risiko, mit den Videoaufnahmen Zeugen der Vorfälle zu beeinflussen. „Herr Schaller manipuliert und verdunkelt, wo er kann. Ihm geht es offenbar nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, seinen eigenen Hals zu retten“, kritisierte der Gewerkschaftschef weiter.

          Unterdessen wurden weitere Details von dem Unglückstag bekannt: Der WDR berichtete, dass es in der kritischen Phase im Lagezentrum von Veranstalter und Polizei nach Angaben einer Sicherheitsfirma zu technischen Störungen gekommen sein soll. Es habe Kamerabilder gegeben, die plötzlich verschwunden seien, sagte der Geschäftsführer der Kölner Sicherheitsfirma R.A.D., Robert Ahrlé, dem Sender. Die Kameras seien ausgefallen, weil sie von Ravern bei ihrer Flucht aus einem Tunnel unbeabsichtigt beschädigt worden seien.

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