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Love Parade : Keine Liebe in Berlin

  • -Aktualisiert am

Love Parade: Wegen Sponsoren-Mangels abgesagt Bild: AP

Auch 2005 findet die Love Parade nicht statt - Kaum überraschend, hat der Berliner Senat die Subventionierung der Veranstaltung schon 2004 beendet. Doch für das eigentliche Aus sind andere verantwortlich.

          Ans Leben ohne Love Parade hat Berlin sich schon gewöhnt, im vergangenen Jahr ging es schließlich auch ohne. Das Berliner Kalenderjahr bietet Straßenlustbarkeiten genug: Wem der Krawall am 1. Mai zu gefährlich ist, der kann dem Multikulti-Karneval der Kulturen zuschauen oder bei der Parade zum „Christopher Street Day“ mitmarschieren - oder er kann seine Kräfte schonen bis zur Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr.

          Überrascht hat es nicht, als am Mittwoch abend die Love Parade GmbH die für den 9. Juli angemeldete Parade 2005 absagte: Die Zeit reiche nicht aus, um die Verhandlungen mit den Sponsoren fortzusetzen, hieß es. Das ist erstaunlich: Zwischen der Absage 2004 und der Absage 2005 lag ein ganzes Jahr.

          Rücksichtsloser Umgang mit der Stadt

          Allerdings hatte Samsung, der koreanische Elektronikkonzern, schon im März mitteilen lassen, er wolle kein Sponsor sein. Im vergangenen Jahr scheiterte die Love Parade an 500.000 Euro, die trotz Hilfe des Wirtschaftssenators und lebhafter Ermutigung aus den Reihen der Opposition einfach nicht aufzutreiben waren.

          Der Sprecher von Senator Harald Wolf (PDS) wurde in diesem Jahr deutlicher: Man hätte, meint er, „die Sache professioneller weiterentwickeln müssen“. Tatsächlich hatten Sponsoren öffentlich wissen lassen, daß sie sich über die kindisch-chaotischen Verhandlungsstrategien der Veranstalter wunderten. Offenbar konnte daran auch Tim Renner nichts ändern: Der von der Musikfirma Universal gefeuerte Manager hatte sich für die Love Parade einsetzen wollen.

          Staatlichen Subventionen

          Seit das Bundesverfassungsgericht 2001 entschied, was Beobachter immer schon argwöhnten, daß die Love Parade gar keine politische Demonstration sei, und seit die Veranstalter daher beginnen mußten, den Müll zu beseitigen und die Schäden an der Natur im Tiergarten zu mildern, ging es mit der Love Parade bergab. Zusammen mit der Techno-Musik, die von den Wagen herab gespielt wurde, hatte die Parade seit 1989 einen fabelhaften Aufstieg erlebt.

          Erst 150 Teilnehmer, dann, 1999, 1,5 Millionen Raver von überall her. Schon 2003 aber hatte der „Christopher Street Day“ hunderttausend Besucher mehr als die Love Parade, deren rücksichtsloser Umgang mit der Stadt und dem Park von immer mehr Berlinern als schändlich wahrgenommen wurde. Seit die Love Parade keine Demonstration mehr ist, kam allmählich heraus, wie sehr ihr kommerzieller Erfolg auf staatlichen Subventionen beruht hatte.

          Vorwurf: „Alte Denke“

          Der SPD/PDS-Senat aber rang sich durch, gegen alle Berliner Gepflogenheiten in diesem Fall von der „Dauersubventionierung einer privatwirtschaftlichen Veranstaltung“ abzusehen. Der empörte und allseits erwartete Aufschrei blieb im vergangenen Jahr aus. Nur aus der CDU kamen bohrende Fragen: „Wird Rot-Rot zum Totengräber der Love Parade?“ Von heute aus gesehen, muß man die Frage mit einem lauten Ja beantworten, aber hinzufügen, daß Rot-Rot zwar die Beerdigung organisiert, das eigentliche Ende der Love Parade aber ihre Macher selbst in die Hand genommen haben.

          Im nächsten Jahr endet ohnehin der Vertrag zwischen der Firma Planetcom, die die Parade organisatorisch vorbereitete, und dem Senat. Er regelt den Termin, die Strecke und die Müllentsorgungskosten. Grün waren sich die Akteure von Planetcom und Love Parade schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Ralf Regitz, der Planetcom-Eigentümer, der auch Gesellschafter der Love Parade Berlin GmbH ist, warf dem damaligen Geschäftsführer von Planetcom, Fabian Lenz, der im April 2004 die Parade absagte, damals schon eine „alte Denke“ vor.

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