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London-Heathrow : Chaos im Terminal 5 hält an

Geduld ist gefragt in Terminal 5, Airport Heathrow Bild: AP

Mit dem Terminal 5 sollte der Flughafen London-Heathrow in eine neue Dimension im Flugverkehr vorstoßen. Bisher reichte es nur für neue Chaos-Dimensionen. Dabei ist die Stimmung zwischen Betreiber BAA und Großkunde BA ohnehin gereizt.

          Die Premiere des Terminals 5 ist gründlich missglückt. Zwei Tage nach dem offiziellen Betriebsstart der neuen Abfertigungs-Halle in London-Heathrow müssen der Betreiber BAA sowie die Fluglinie British Airways (BA) etliche Pannen vermelden. Bereits zum Auftakt am Donnerstag wurden 34 BA-Flüge im neu erbauten Gebäude gestrichen, weil die elektronisch gesteuerte Gepäck-Beförderung versagte, nicht genügend Boden-Personal bereit stand oder aber die wenigen BA-Mitarbeiter schlecht geschult und mit dem Einchecken von Passagiere überfordert waren.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das jüngste Chaos auf dem erweiterten Groß-Flughafen in London, der schon seit Jahren wegen chronischer Verspätungen bei Flügen oder Schlampereien beim Gepäck-Transport in der Branche einen schlechten Ruf hat, hält nach Angaben von BA wohl noch weiter an. Am gestrigen Freitag konnten wegen der Mängel im neuen Terminal 5 nur 80 Prozent aller geplanten Flugverbindungen ins In- und Ausland abgewickelt werden. Für den heutigen Samstag kündigte Vorstandsvorsitzender Willie Walsh zudem weitere Streichungen im Flugplan an.

          „Wir müssen uns dafür bei vielen enttäuschten Passagieren entschuldigen“

          „Dieser Auftakt verlief aufgrund einer Kette von widrigen Umständen wahrlich nicht nach Maß“, sagte Walsh am Freitag in London, „wir müssen uns dafür bei vielen enttäuschten Passagieren entschuldigen“. Die verpatzte Premiere ist für die hinter Air France/KLM und Deutsche Lufthansa drittgrößte Fluglinie in Europa ein bitterer Rückschlag. BA ist fast der alleinige Nutznießer des neuen Terminals, der vor 19 Jahren von dem britischen Architekten Richard Rogers entworfen und binnen 6 Jahren für 5,6 Milliarden Euro gebaut wurde.

          Normales Bild in diesen Tagen: Viele Flüge von Terminal 5 werden gestrichen

          Mit der neuen Abfertigungs-Halle, die auf die Grundfläche des städtischen Hyde-Parks passt, will Betreiber BAA seine Vormachtstellung in der Luftfahrtbranche verteidigen. Bislang ist London-Heathrow mit mehr als 68 Millionen Passagieren im Jahr das größte Flughafen-Drehkreuz in Europa. Wenn „T5“, wie das neue Gebäude im Branchenjargon heißt, seine geplante Auslastung erreicht, soll Heathrow die Zahl der Fluggäste auf bis zu 100 Millionen im Jahr steigern.

          „Solche peinlichen Fehler hätten vermieden werden können“

          Großkunde BA verbindet mit dem Terminal 5 die Erfüllung mehrerer Ziele. Die britische Fluglinie, die zum Ende des laufenden Geschäftsjahres endlich ihre operative Umsatzrendite von 10 Prozent erreichen will, kalkuliert nach dem Einzug in die neue Halle mit Einsparungen in jeweils zweistelliger Millionenhöhe im Jahr. Das Sparvolumen soll durch straffere Arbeitsabläufe bei der Passagier-Abfertigung sowie durch den Einsatz von personalsparender Technik erreicht werden.

          Neben den über 100 „Check-In-Automaten für den völlig autonomen Passagier“ (Eigen-Werbung von BA) sollte für die bequeme Beförderung von sperrigen Reise-Utensilien eigentlich das computergesteuerte Gepäcklaufband mit einer Gesamtlänge von 18 Kilometern zur Verfügung stehen. Doch schon kurz nach Betriebsanlauf am vergangenen Donnerstag tauchten Mängel in der Steuerungs-Software auf und führten so den zeitweiligen Stillstand des aufwendigen Logistik-Systems herbei oder leiteten nach mehrmaligen Neustarts das Gepäck zahlreicher BA-Passagiere in die Irre. „Wären im Vorfeld der Eröffnung die Systeme ausreichend getestet worden, hätten solche peinlichen Fehler vermieden werden können“, sagte ein verärgerter BA-Passagier, der nach mehrstündiger Wartezeit am Donnerstag sein Flugziel Brüssel ohne Gepäck erreichte.

          Die Stimmung ist ohnehin gereizt

          Um die ohnehin gereizte Stimmung zwischen dem Betreiber BAA und dem Großkunden BA nicht weiter zu verschärfen, verzichteten beide Gesellschaften auf öffentliche Schuldzuweisungen. Doch auf den zahlreichen Krisensitzungen, die am gestrigen Freitag zwischen den beiden Parteien anberaumt waren, gaben Manager der beteiligten Unternehmen diese Zurückhaltung auf. Nach Ansicht des Politikers David Wilshire, der im britischen Parlament auf Fragen des heimischen Luftverkehrs spezialisiert ist, ist die wichtigste Ursache für das jüngste Chaos in der mangelnden Abstimmung zwischen dem Betreiber und den BA-Managern zu suchen: „Hinter den Kulissen schieben sich daher beide Parteien gegenseitig die Schuld für die zahlreichen Pannen zu“, sagt er.

          Unabhängig von der Vorbereitung für das Prestigeprojekt T5 gab es zwischen den Führungsspitzen von BAA und British Airways in jüngster Zeit mehrmaligen Streit über die drastische Erhöhung der Flughafen-Gebühren für Heathrow.

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