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Limburger Diözese : Bistum fürchtet Ruhestand der „Babyboomer“

Noch heiter: die Finanzlage des Bistums Limburg Bild: dpa

Die Limburger Diözese will sich mit einer „Immunisierungsstrategie“ für das Jahr 2027 krisenfest machen. Denn von da an könnte sich die Finanzlage dramatisch ändern.

          Im Bistum Limburg erbringt ein Fünftel der Kirchensteuerzahler vier Fünftel des Kirchensteueraufkommens. Dazu gehören vor allem diejenigen, die Anfang bis Mitte fünfzig sind, fest im Berufsleben stehen und gut verdienen. Wie wichtig sie sind, zeigt auch eine andere Zahl. So tragen 50 Prozent aller Kirchensteuerzahler lediglich drei Prozent zum Aufkommen bei, wie aus den Zahlen des Jahresabschlusses 2017 hervorgeht, der jetzt vorgelegt worden ist.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Kirchensteuer ist die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle des Bistums, das knapp 624.000 Katholiken zählt. Insgesamt hat die Diözese rund 221 Millionen Euro aus dem laufenden Kirchensteueraufkommen eingenommen; durch Sondereffekte erhöhte sich die Summe sogar auf 227Millionen Euro (siehe Grafik).

          119 Millionen für die Seelensorge

          Mehr als die Hälfte des Betrags, etwa 119 Millionen Euro, wird nach Bistumsangaben für die Seelsorge in den Pfarreien aufgewendet – und ist damit essentiell für das kirchliche Leben. Allein jeder achte Kirchensteuer-Euro fließt in das Personal aus Geistlichen und pastoralen Mitarbeitern. Insgesamt wandte das Bistum 2017 knapp 103 Millionen Euro für sein Personal auf – zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das liegt unter anderen an den hohen Versorgungsaufwendungen für Mitarbeiter im Ruhestand. Weil der Staat die Steuersummen für die Kirchen einzieht, musste das Bistum für diese Dienstleistung überdies fast sieben Millionen Euro an die Finanzämter entrichten.

          Noch sind die Daten des Bistums gut. Finanzdezernent Gordon Sobbeck sagt denn auch: „Wirtschaftlich betrachtet war 2017 ein gutes Jahr.“ Eine stabile Konjunktur, gute Arbeitsmarktdaten und kräftige Tarifabschlüsse erzeugten wirtschaftliches Wachstum. Und von den höheren Gehältern profitierte das Bistum, weil mehr Kirchensteuer gezahlt wurde. Im Jahresergebnis erzielte es ein Plus von 37,5Millionen Euro. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 48Millionen Euro auf rund 1,1 Milliarden Euro. Und das Bilanzergebnis betrug nach Abzug der Überführungen in Rückstellungen und Stiftungskapital 13,1 Millionen Euro.

          Doch so sonnig wird es nicht bleiben. Davon geht Sobbeck fest aus. Zwar unterstellt der Finanzdezernent für die Kirchensteuereinnahmen der nächsten zehn Jahre noch „eine vergleichsweise stabile Entwicklung“. Doch danach, so glaubt er, werde es weitaus schwieriger für das Bistum, all das zu bezahlen, was es heute finanziert. „Das höchste Einkommen und damit die höchste Kirchensteuer wird durchschnittlich im Alter von etwa 55Jahren erreicht“, sagt Sobbeck und fügt hinzu: „Wir wissen, dass wir von heute an in etwa zehn Jahren in eine massive Umbruchsituation eintreten werden, die die Finanzkraft deutlich schmälern wird.“

          Deutlich weniger Mittel für die Zukunft

          Schuld daran sind die „Babyboomer“. Oder besser gesagt die Tatsache, dass diese geburtenstarken Jahrgänge ungefähr vom Jahr 2027 an nach und nach in den Ruhestand gehen werden. „Wir müssen uns darauf einstellen, langfristig mit deutlich weniger Mitteln auskommen zu müssen“, sagt Sobbeck. In seiner Planung geht er davon aus, dass die Abwärtsentwicklung im Jahr 2037 beendet sein wird. Danach, so prognostiziert er, werde es für die Kirchen in Deutschland eine „neue Wirklichkeit“ geben.

          Dagegen will sich das Bistum wappnen. Helfen soll eine „Immunisierungsstrategie“. Dadurch soll die Diözese von der langfristigen Kirchensteuerentwicklung „etwas unabhängiger“ werden, wie der Finanzdezernent sagt. Deshalb müssten bis 2027 finanzielle Reserven aufgebaut werden. Unter anderem wird der Posten „Kapital zur nachhaltigen Stärkung der wirtschaftlichen Substanz“ um gut 13 Millionen Euro aufgestockt. Und auch die Baustiftung bekommt knapp 13 Millionen Euro aus dem positiven Jahresergebnis des Bistums, weitere fünf Millionen Euro fließen in die Schulstiftung.

          Außerdem wird sich das Bistum nach eigenen Angaben künftig stärker um das Thema Kirchenentwicklung kümmern. Zum 1.September übernimmt Pfarrer Christof May die Aufgabe als Bischofsvikar für dieses Thema. Unter anderem soll es darum gehen, „innovative Formate“ zu entwickeln und Leitung im Team zu erproben. Das Thema Kirchenentwicklung steht im Bistum Limburg unter dem Leitwort „Mehr als du siehst“.

          Weitere Informationen finden sich im Internet

          unter www.finanzen.bistumlimburg.de.

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