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Liebe : Mein Herz für Deine SMS

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Telefonieren ist out: Messenger-Tools wie WhatsApp erfreuen sich zunehmender Beliebtheit Bild: dpa

Wer heute unter dreißig ist, der flirtet nicht mehr an der Bar, sondern bei Messaging-Diensten. Das nimmt die Angst vor dem ersten Kontakt, schafft aber in der Liebe ganz neue Probleme.

          Vanessa war dieser Kollege gleich in der ersten Woche aufgefallen. Groß, charmant, immer ein nettes Lächeln, und wenn Vanessa hinter ihm zum Fahrstuhl schlenderte, hielt er nur für sie die Tür auf. Mehr als ein „Hallo“ aber schafften die beiden nicht.

          Das Büro, in dem Vanessa und Tobias arbeiten, ist modern. Statt Massenmails gibt es ein internes Chatprogramm, das soll effizienter sein, für Vanessa und Tobias war es das auch. Nur nicht unbedingt für die Arbeit. Vanessa kann sich noch gut an diesen einen Tag erinnern, als Tobias in ihrem Messenger-Fenster aufblinkte. Er wollte etwas wegen der Arbeit klären, aber statt ein Stockwerk zu ihr herunterzulaufen oder zumindest zum Telefon zu greifen, tippte er seine Frage in das Programm. Vanessa antwortete. Erst auf die berufliche Frage, dann auf die nach dem Wetter, sie schrieben weiter, über das Kantinenessen und Kinofilme, den ganzen Nachmittag.

          Wer unter dreißig ist, der schreibt

          Als Vanessa abends nach Hause ging und auf ihrem Smartphone die Facebook-App öffnete, stand da: „Tobias möchte mit dir befreundet sein.“ Sie schrieben weiter, bis das Display vor Vanessas müden Augen verschwamm.

          Wer unter dreißig ist, der schreibt. Diese Generation ruft nicht mehr an, sie tippt ihre Gedanken und Gefühle in die Eingabefenster von Facebook, den SMS-Ersatz WhatsApp und Apples Gegenentwurf iMessage. Mehr als 450000 SMS kommen an jedem einzelnen Tag dieses Jahres auf deutschen Handys an. Wie viele davon zur Kategorie von Vanessas und Tobias Nachrichten gehören, weiß die Statistik nicht. Tausende? Zehntausende?

          Vor gut fünf Jahren wurde es salonfähig, seinen Partner im Internet zu suchen. Zu Hunderttausenden klicken sich Singles heute über Seiten, die „Friendscout“ oder „Elitepartner“ heißen und den erfolgreichen, charmanten, kinderlieben, rundum perfekten Partner versprechen. Menschen wie Vanessa machen das nicht. Sie finden die Männer durchaus offline, in der Vorlesung oder im Büro nebenan, die Auswahl ist ja da. Statt aber hinüberzugehen, zu lächeln und nach einem Feierabendbier zu fragen, schicken sie eine Nachricht.

          Flirten mit dem Smartphone

          Vanessa ist mit SMS aufgewachsen. Sie gehört zu einer Generation, die von anderen gern als „digital natives“ bezeichnet wird und sich selbst fragt, wie man früher ohne Handy leben konnte. Irgendwann als Teenager bekam sie ihr erstes, seither schreibt sie SMS. Jetzt, mit Ende zwanzig, hat sie ein Smartphone, die Uni-Partys hinter und die Karriere vor sich. Diese Generation flirtet, wie alle Generationen vor ihr flirten mussten, um Liebe zu finden. Aber sie flirtet nicht mehr in der Kantine oder auf der Tanzfläche, sondern vor allem mit ihrem Smartphone.

          Auch Nico gehört zu dieser Generation. Der 31 Jahre alte Politiker möchte sein Privatleben eigentlich lieber für sich behalten und heißt daher wie auch Vanessa und Tobias eigentlich anders. In seinem Berufsleben ist er viel unterwegs. Termine hier, Repräsentieren dort. Bei einer langweiligen Präsentation, von denen es in seinem Job viele gibt, stand auf einmal sie im Raum. Mitte zwanzig, zierlich, blonde, schulterlange Haare. Er hätte sie noch an dem Nachmittag ansprechen können, einfach so, über die Arbeit hätte sich schon ein Gesprächsthema gefunden. Aber Nico schwieg – und schrieb. Allerdings erst ein paar Tage später, als er sie auf Facebook wiederfand. Theresa hatte dort einen Eintrag kommentiert, und Nico klickte auf „Als Freundin hinzufügen“. Bald schrieben auch sie einander bis in die Nacht hinein.

          Darüber, wie sich die Kommunikation verändert, forscht die amerikanische Soziologin Sherry Turkle bereits seit den neunziger Jahren. Sie weiß: Die Jugend ist heute permanent und ausschließlich am Schreiben. Von den öffentlichen Chaträumen um die Jahrtausendwende hat sich die Kommunikation heute ins Private verlagert. Wir sind nicht mehr überwältigt von den Weiten des Internets, schreiben nicht mehr jeden Fremden an, der uns dort über den Weg läuft. Vor allem schreiben wir uns jetzt mit Menschen, die wir kennen.

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