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Kirchentag 2017 : Ein Katholik an der Spitze?

Der neu gewählten Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages: Hans Leyendecker Bild: dpa

Hans Leyendecker ist zum Präsidenten des Evangelischen Kirchentages gekürt worden. Doch geht das eigentlich? Denn einst bezeichnete sich der Journalist als „rheinischen Katholiken“.

          Ist tatsächlich nun ein „rheinischer Katholik“ zum neuen Präsidenten des Evangelischen Kirchentages gekürt worden? So hat sich der Journalist Hans Leyendecker im Jahr 2008 selbst einmal genannt. So sei er sozialisiert worden – und später dann evangelisch geworden. Leyendecker ist seit 2011 Mitglied der Präsidialversammlung des Kirchentages. Allerdings sagte er in jenem Jahr auf die Frage der Zeitschrift „Journalist“, ob er Katholik sei: „Ja“. Auf die folgende Frage „Würde das die Recherche zu Schwulenehe oder Missbrauchsvorwürfen beeinflussen“, sagte Leyendecker: „Nur insofern, als ich bei Berichten über die katholische Kirche besonders kritisch sein würde.“

          Evangelisch klingt anders, könnte man meinen. Allerdings gibt es auch unter protestantischen Theologen die Ansicht, im Grunde seien wir ja alle katholisch. Und zur Evangelischen Kirche wie zum Kirchentag würde ein bekennender Katholik an der Spitze gar nicht schlecht passen. Deren unausgesprochenes Leitbild lautet schließlich: Offen für alles, tolerant bis zur Selbstaufgabe. Schon bei den jahrelangen Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum – ausgerechnet – vertraute sie in wichtigen Funktionen und Fragen auf katholischen Sachverstand. Zweifellos handelt es sich, wie auch beim neuen Kirchentagspräsidenten, um kluge, beeindruckende und einflussreiche Persönlichkeiten, auf die man auch hören kann und soll, in gemeinsamen Foren. Doch die Evangelische Kirche ist etwas Eigenes, und Luther gilt der katholischen Kirche immer noch offiziell als Ketzer. Den Kirchen ist es erlaubt, Arbeitnehmer aufgrund ihrer Konfession einzustellen oder eben nicht. Und gerade für herausgehobene Führungspositionen soll das nicht gelten? Und wenn es sich um Zeichen von Ökumene handelt – wann wird endlich Margot Käßmann zur Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt?

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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