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Lena Meyer-Landrut im Gespräch : „Und dann war ich plötzlich weiter“

Lena Meyer-Landrut: Man kann sie einfach gern haben Bild:

In kurzer Zeit wurde aus einer Schülerin unser Star für Oslo. Seither bricht sie alle Rekorde und verzückt eine ganze Nation. Man kann sie einfach gern haben. Muss man auch? Ein Portrait.

          Man kann sie einfach gern haben. Muss man auch? Irgendwie schon. Wie sie sich da auf dem Sofa fläzt, in schwarzer Gymnastikhose, grauem Sweat-Shirt, die dunklen Haare hochgesteckt. Um den Hals trägt sie ein Lederband mit schwarzem Kreuz, dazu eine lange Silberkette. Sie gähnt ungeniert. War ein bisschen viel an diesem Tag und überhaupt – in der letzten Zeit. Noch im Januar war sie nur eine von vielen hoffnungsfrohen Abiturientinnen in Deutschland. Im Februar schon die Favoritin für „eine nationale Aufgabe“ (Stefan Raab). Im März: Unser Star für Oslo. Seither ist sie Rekord-Chart-Stürmerin (mit auf Anhieb drei Liedern unter den Top-Fünf), die bekannteste Achtzehnjährige des Landes und – nach Meinung nicht nur britischer Wettbüros – heiße Kandidatin für den ersten Platz beim Grand Prix in Norwegen. Im April folgte das Abitur, danach nahm sie in nur einer Woche ihr erstes Album „My Cassette Player“ auf. An einem Teil der Lieder hat sie mitgeschrieben, meist übers Telefon mit ihrem Mentor Stefan Raab. Nun ist Mai – und für Lena Meyer-Landrut hat der große Endspurt für das Finale des 55. Eurovision Song Contest begonnen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Hallo, ich bin Lena“, sagt sie zur Begrüßung. Selbstbewusst duzt sie ihr Gegenüber – und wirkt doch ein wenig unsicher. Vorsichtig ist sie sowieso. Zu viel will sie keinesfalls von sich preisgeben. Selbst das Buch, in dem sie gerade noch gelesen hat, dreht sie um, als wolle sie den Titel verbergen. Wer weiß, was sonst in der Zeitung steht. Ein Fotograf ist nicht zugelassen, die Zeit, als es noch Bilder des ungeschminkten Backfisches gab, sind vorbei.

          „Bin ich dir zu stressig?“

          Lena ist bekanntermaßen schlagfertig, und sie kann spontan die schrägsten Sachen sagen. „Bin ich dir zu stressig?“, fragt sie nach einer Weile und lacht. Dann fügt sie leicht ironisch hinzu, dass sie ja nur so schnell rede, weil sie die Fragen schon alle zu kennen meine. Allerdings kann sie durchaus auch schweigen. Wer ihr im Gespräch zu nahe kommt, den speist sie kalt lächelnd (das kann sie: kalt lächeln!) mit einem: „Dazu sage ich nichts“ ab. Privates ist tabu. Dass viele das bedauern, versteht sie – natürlich. Andererseits habe sie „keinen großen Output“ an Privatsphäre, den sie geben könnte. „Und eigentlich hat’s ja auch keinen zu interessieren.“

          Muss man auch? Irgendwie schon.

          Ihre Zurückhaltung erinnert sehr an Stefan Raab, der zum derzeit alles bestimmenden Faktor in Lena Meyer-Landruts Leben geworden ist. Der Moderator, der nicht immer zimperlich mit seinen Mitmenschen umgeht, selbst aber höchsten wert auf die Privatheit seines Privatlebens legt, weiß wie kaum ein anderer, musikalische Talente zu entdecken und zu fördern. Er fungiert dann als Freund, Berater und ist – zusammen mit seiner Firma Brainpool TV – ein geradezu unüberwindlicher Schutzwall, hinter dem sich nun auch Lena sicher und geborgen fühlen kann. Seit Wochen schon ist sie in einem Hotel in Köln zu Hause, die meiste Zeit des Tages verbringt sie in der Brainpool-Zentrale im Stadtbezirk Mülheim.

          „Und dann war ich plötzlich weiter

          Offenbar war Lena schon ein Fan von Stefan Raab, lange bevor sie sich das erste Mal begegneten. Eine Freundin hatte ihr im vergangenen Jahr eine Eintrittskarte für „tv total“ geschenkt. Wenig später entdeckte sie auf der Internetseite von Raabs Pro-Sieben-Sendung das Logo zu „Unser Star für Oslo“. „Ich hab’s angeklickt und mich dann sofort angemeldet, ohne groß darüber nachzudenken.“ Eine Woche später sei sie schon zum Casting gefahren. „Und dann war ich plötzlich weiter.“ Eingeweiht hatte sie zunächst nur ihre Mutter, die von der Idee zwar nicht begeistert war („weil sie Castings, die man sonst so kennt, für nicht gut befand“) und darum die Reise von Hannover nach Köln auch nicht bezahlte. „Inzwischen“, sagt die „USFO“-Gewinnerin verschmitzt, „hat sie ihre Meinung aber geändert.“

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