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Lebenserwartung steigt : Wir werden immer älter

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Jung und alt: Neugeborene haben eine Lebenserwartung von 83 Jahren (Frauen) respektive 78 Jahren (Männer). Bild: Picture-Alliance

Wer heute in Deutschland als Mädchen geboren wird, wird im Schnitt 83 Jahre alt. Männer sterben einige Jahre früher. Dass die Zahl nur leicht gestiegen ist gegenüber der letzten Erhebung, hat einen besonderen Grund.

          Die Lebenserwartung für neugeborene Jungen in Deutschland beträgt jetzt 77 Jahre und neun Monate, die für neugeborene Mädchen 82 Jahre und zehn Monate. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Weiter ergebe sich aus der allgemeinen Sterbetafel 2010/2012 für 65 Jahre alte Männer statistisch eine noch verbleibende Lebenserwartung von 17 Jahren und sechs Monaten, für 65 Jahre alte Frauen eine noch verbleibende Lebenserwartung von 20 Jahren und neun Monaten. Im Vergleich zur vorherigen laufenden Sterbetafel 2009/2011 blieb damit die Lebenserwartung bei neugeborenen Jungen und 65 Jahre alten Männern gleich, bei neugeborenen Mädchen und 65 Jahre alten Frauen stieg sie um einen Monat.

          Die Wiesbadener Statistiker weisen aber darauf hin, dass in die neue Sterbetafel die Ergebnisse des jüngsten Zensus von 2011 eingearbeitet sind, der ersten Volkszählung seit fast einem Vierteljahrhundert. Sie ergab unter anderem, dass die Bevölkerung Deutschlands um etwa 1,5 Millionen Personen geringer war als zuvor angenommen. Die Zahl der Sterbefälle blieb dadurch aber unverändert. Ohne Verwendung der Zensusergebnisse wäre im Vergleich beider Sterbetafeln die Lebenserwartung der Frauen in größeren Ausmaß gewachsen und auch bei den Männern gestiegen.

          Felix Rößger vom Statistischen Bundesamt erläuterte den Zusammenhang am Mittwoch an einem fiktiven Beispiel: Wenn bei einer Bevölkerung von zehn Personen eine Person stirbt, ergibt das eine Sterbewahrscheinlichkeit von einem Zehntel. Ist die Bevölkerung aber nur neun Personen groß, ergibt sich eine Sterbewahrscheinlichkeit von einem Neuntel, ein größerer Wert. Je höher aber die Sterbewahrscheinlichkeit ist, desto niedriger wird die Lebenserwartung.

          Momentaufnahmen der Sterblichkeit

          Sterbetafeln stellen nach Auskunft der Statistiker Momentaufnahmen der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung für den jeweiligen Zeitraum dar. Die (fernere oder noch verbleibende) Lebenserwartung gibt daher an, „wie viele weitere Lebensjahre Menschen eines bestimmten Alters nach den in der aktuellen Berichtsperiode geltenden Sterblichkeitsverhältnissen im Durchschnitt noch leben könnten“.

          Mit den allgemeinen Sterbetafeln wird keinerlei Aussage über die zukünftige Entwicklung getroffen, sie betrachten nur die Mortalitätsverhältnisse in einem bestimmten Zeitraum und heißen deshalb auch Periodensterbetafeln. Im Unterschied dazu können in die sogenannten Kohortensterbetafeln zur Lebenserwartung bestimmter Geburtsjahrgänge auch Schätzungen für die Zukunft einfließen.

          In die allgemeinen Sterbetafeln gehen im Unterschied zu den laufenden Sterbetafeln die Ergebnisse einer Volkszählung ein. Das war zuletzt für die Sterbetafel 1986/1988 der Fall, nach der Volkszählung des Jahres 1987 im früheren Bundesgebiet. Die Behörde wies darauf hin, dass mithin jetzt nach der Volkszählung des Jahres 2011 die erste allgemeine Sterbetafel seit der deutschen Vereinigung vorliegt.

          Vergleicht man sie mit der von 1986/1988, zeigt sich, dass die Lebenserwartung auf lange Sicht weiter wächst. Für neugeborene Jungen hat sie seitdem um sechs Jahre, für neugeborene Mädchen um vier Jahre und neun Monate zugenommen.

          Bei Betrachtung der einzelnen Bundesländer fanden die Wiesbadener Statistiker heraus, dass in Baden-Württemberg Männer mit genau 79 Jahren und Frauen mit 83 Jahren und acht Monaten jeweils die höchste Lebenserwartung bei Geburt haben. Die niedrigsten Werte haben mit 70 Jahren und zehn Monaten Männer in Sachsen-Anhalt und mit 81 Jahren und elf Monaten Frauen im Saarland.

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