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Engagiert: Bei der Aidshilfe in Lübeck ging Hildegard W. einst in die psychosoziale Betreuung – heute hilft sie selbst. Bild: Daniel Pilar

Leben mit HIV : Sogar in der Arztpraxis stigmatisiert

Hildegard W. ist seit vielen Jahren HIV-positiv – und kämpft gegen Vorurteile und falsche Vorstellungen, die bis heute verbreitet sind.

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          Hildegard W. ist eine freundliche Frau mit honigfarbenen Haaren, ruhiger Stimme und einem Lippenstift, der auf die metallisch glänzende Brille und den Pullover mit schwarz-rotem Muster abgestimmt ist. Aber die friedliche Frau, die bald 75 Jahre alt wird, sagt: „Es gibt immer noch die irrige Vorstellung, dass wir eine Gefahr sind.“ Hildegard W. ist seit 1996 HIV-positiv. Und da auch 40 Jahre nach den ersten Meldungen über Aids immer noch viele Menschen nicht ausreichend darüber informiert sind, wie gut die HIV-Infektion heute medikamentös zu behandeln ist, erlebt sie immer wieder stigmatisierende Reaktionen – vor allem im medizinischen Sektor.

          Eva Schläfer
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Problem belegen auch Zahlen, die die Deutsche Aidshilfe und das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft im September veröffentlicht haben. Im Rahmen einer internationalen Studie zur Stigmatisierung von HIV-Positiven gaben knapp 1500 Deutsche in Interviews und online Auskunft zu ihrem Leben mit HIV. Dank guter Therapiemöglichkeiten fühlten sich drei Viertel der Befragten gesundheitlich nicht oder nur wenig eingeschränkt. 95 Prozent berichteten jedoch von mindestens einer diskriminierenden Erfahrung in den vergangenen zwölf Monaten. Besonders häufig wurde Diskriminierung im Gesundheitswesen genannt. 56 Prozent der online Befragten machten im vergangenen Jahr mindestens eine negative Erfahrung. 16 Prozent berichteten, dass ihnen mindestens einmal eine zahnärztliche Versorgung verweigert wurde. Acht Prozent passierte das bei allgemeinen Gesundheitsleistungen. Deshalb legt ein Viertel der Befragten seinen HIV-Status im Kontakt mit Ärzten, Pflegern und anderen Angehörigen des Gesundheitssystems nicht immer offen.

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