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Leben mit HIV-Diagnose : Schatz erster offen HIV-Positiver in der deutschen Politik

Carsten Schatz möchte sich nicht auf „das eine Thema“ beschränken lassen. Bild: Arlett Matteschek

Bisher gibt es keinen Abgeordneten, der offen mit der Diagnose HIV-Positiv lebt. Carsten Schatz wird das jetzt ändern: Er zieht für die Linke ins Berliner Abgeordnetenhaus ein.

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          Vor 15 Jahren wäre eine solche Herausforderung für ihn nicht denkbar gewesen. Erst um die Jahrtausendwende, als es auch gesundheitlich wieder bergauf ging, fing Carsten Schatz an, Pläne zu schmieden. Damals bewarb er sich als Geschäftsführer der Berliner PDS, eine Position, die er dann von 2001 bis 2012 innehatte. Schatz, 1970 in Altenburg im heutigen Freistaat Thüringen geboren, ist seit 1971 in Prenzlauer Berg groß geworden. 1991 infizierte er sich mit HIV, 1997 gehörte er zu den Ersten in Deutschland, die mit einer neuen Generation Medikamente langsam wieder neuen Lebensmut schöpfen konnten. Heute lebt er gut mit seinen Medikamenten, die das HI-Virus in Schach halten und unter die Nachweisgrenze drücken.

          Noch immer Diskriminierung

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Seit 2008 ist Carsten Schatz Mitglied im Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe, im nächsten Jahr tritt er nach zwei ehrenamtlichen Amtszeiten nicht mehr an. Mit seiner neuen Herausforderung habe das nichts zu tun, sagt er. Es war klar, dass er nach zweimal drei Jahren Platz für einen neuen Vorstand machen wolle. Schon 2011 hatte er gehofft, für die Linke ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen zu können. Nun rückt er für Martina Michels nach, die nach dem Tod Lothar Biskys für ihre Partei ins Europaparlament geht. Damit ist Carsten Schatz, der in einer schwulen Beziehung lebt und sich erst „verpartnern“ will, wenn die Lebenspartnerschaft mit der Ehe vollständig gleichgestellt ist, der erste (offen) HIV-positive Abgeordnete auf Länder- und Bundesebene. „Det erhöht bestimmt die Sichtbarkeit von HIV in der Gesellschaft“, berlinert er. Denn noch immer gebe es Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV, die er selbst aber kaum erfahre.

          Auf das eine Thema will er sich aber nicht beschränken lassen. So interessiert den Politiker, der zurzeit noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich (Linke) arbeitet, auch das Thema Europapolitik. Vor allem aber liegt ihm Berlin am Herzen. Die Stadt sei in den vergangenen zehn Jahren so schlecht regiert worden wie nie zuvor, sagt er, wohl wissend, dass die Linke von 2002 bis 2011 mitregierte. „Die Steuerquellen sprudeln, und die Stadt spart sich zum Beispiel ihre Infrastruktur kaputt, der öffentliche Dienst trocknet aus.“ Da hat er eine Menge zu tun.

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