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Las Vegas : Magier Roy nach Tigerattacke lebensgefährlich verletzt

  • Aktualisiert am

Roy Horn mit einem seiner weißen Tiger Bild: AP

Roy Horn vom Magierduo „Siegfried & Roy“ kämpft nach einer Tigerattacke auf offener Bühne um sein Leben. Sein Zustand sei nach einer Notoperation stabil, aber kritisch.

          Nach dem Angriff eines Tigers während seiner Las-Vegas-Show ist der Magier Roy Horn noch immer in Lebensgefahr. Der Zustand des 59jährigen sei nach einer dreistündigen Notoperation zwar stabil, aber nach wie vor kritisch, sagte ein Sprecher des Mirage-Hotels, in dem die Dompteure auftreten. Die Verletzungen an Horns linker Halsseite seien „lebensbedrohlich“. Warum der dressierte weiße Tiger den gebürtigen Deutschen auf offener Bühne am Freitagabend anfiel, blieb zunächst unklar.

          "Er kämpft. Wir alle kämpfen“, sagte ein Sprecher des Duos. Prognosen über den Gesundheitszustand und die Aussichten des Schwerverletzten könnten erst innerhalb der kommenden Tage gemacht werden. Der in Nordenham bei Bremen geborene Horn war nach dem Unfall sofort in das Universitätskrankenhaus von Las Vegas eingeliefert worden. Auf dem Weg in die Klinik habe der Entertainer noch reden können, habe aber viel Blut verloren und unter Atemnot gelitten.

          „Wir dachten, das sei Teil der Show“

          Der siebenjährige weiße Tiger „Montecore“ hatte Horn am Freitagabend vor mehr als 1.500 Zuschauern plötzlich angefallen. Der Tiger schnappte zunächst nach Horns Arm. Als der Magier das Tier mit dem Mikrofon auf den Kopf schlug, um es abzuschütteln, fiel es Horn an und biß ihm in den Hals. Der Tiger schleifte den 59jährigen hinter den Vorhang. „Wir dachten zuerst, das sei Teil der Show“, berichtete Augenzeuge John Rivera. „Alle warteten darauf, daß der Vorhang wieder aufging.“ Dann sei Horns Partner Siegfried Fischbacher, der während des Unfalls gerade hinter der Bühne sein Kostüm wechselte, vor das Publikum getreten und habe den Rest der Show abgesagt. „Er war völlig erschüttert“, sagte der Zuschauer.

          Zauberei mit Tieren: Siegfried und Roy (re.)

          Siegfried Fischbacher war die Nacht und am Samstag am Bett seines Show-Partners im Krankenhaus. „Wir sind alle schockiert und wissen nicht, wie es dazu kam“, sagte der Sprecher der beiden, Dave Kirvin. „Siegfried und Roy haben im Mirage Hotel schon 5750 Shows gegeben, und nie ist etwas passiert.“

          Seit 30 Jahren in Las Vegas

          Was den Angriff des siebenjährigen Tigers auslöste, blieb zunächst unklar. Wie alle Show-Tiere von „Siegfried und Roy“ wurde der seltene weiße Tiger von den Dompteuren von klein auf dressiert. Der Generalmanager der Siegfried & Roy-Show, Philip Misiura, betonte: „Das Tier wußte nicht, was los war und war unmittelbar danach wieder ganz lieb“. „Montecore“ sei Horns Lieblingstiger gewesen. Der Dompteur sei schon bei der Geburt des Tieres dabei gewesen, sagte Misiura. Die Raubkatze wurde im Mirage-Hotel unter Quarantäne gestellt. Über das Schicksal des Tieres werde später entschieden.

          „Siegfried & Roy - die Meister des Unmöglichen“ heißt die Show der beiden, die seit 30 Jahren zum festen Programm in Las Vegas gehören. Trotz Eintrittspreisen von mehr als 100 Dollar ziehen sie im Jahr mehr als 700 000 Fans an. Die beiden wurden bereits mehrfach ausgezeichnet und sind weltberühmt. Die „Siegfried & Roy-Show“, das erfolgreichste Spektakel in der Geschichte von Las Vegas, wurde bis auf weiteres abgesagt.

          Weiße Tiger vor dem Aussterben bewahrt

          Uwe Ludwig Horn, genannt Roy, und der 1939 in Rosenheim (Bayern) geborene Siegfried Fischbacher kamen 1970 in die USA. Fischbacher hatte sich zunächst als Zauberer auf Kleinbühnen und Kreuzfahrtschiffen verdingt, ehe er Roy Horn mit seinem Geoparden „Chico“ traf. Die beiden verbanden eine Dompteurnummer mit Magie und zogen über deutsche Bühnen. Der Durchbruch kam 1966 beim Rot-Kreuz- Ball in Monaco. Sie traten danach in bekannten Häusern wie dem „Lido“ oder dem „Folies Bergère Club“ in Paris auf. 1970 wanderten sie nach Las Vegas aus.

          Fischbacher und Horn leben mit 40 Tigern und 19 Löwen auf dem weitläufigen Anwesen „Dschungelpalast“ in Las Vegas. Mit ihrer seit 1982 erfolgreichen Zucht weißer Tiger haben sie die Rasse vor dem Aussterben bewahrt. Er wolle einmal als der Mann in Erinnerung behalten werden, der die magischen weißen Löwen und Tiger gerettet habe, sagte Horn der Lokalzeitung vor zwei Jahren. „Tiere haben eine emotionale Sprache“, sagte er 1999 in einem anderen Interview. „Wenn man lange genug mit ihnen zusammen ist, versteht man sie.“

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