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Langzeitarchivierung : Zurück auf den Mikrofilm

  • -Aktualisiert am

Ein Fall fürs Museum: die guten alten Disketten Bild: F.A.Z. - Frank Röth

Digitale Speichermedien sind nicht nachhaltig. Wer seine Daten nicht regelmäßig neu sichert, dem drohen Verluste. Für Unternehmen kann das zur Katastrophe werden. Neue Speicherwege und ein altes Medium versprechen nun Abhilfe.

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          Es ist ein Gedankenspiel wie aus Science-Fiction-Filmen. Da geht die Menschheit mit Mann und Maus unter. Außerirdische besuchen den menschenleeren Planeten und finden unsere medialen Artefakte. Die Fremden werden keine großen Schwierigkeiten damit haben, sich gebaute, gedruckte und gemalte Überbleibsel vor Augen zu führen. Schlecht bestellt wird es indes um die digitalen Datenträger sein, allen voran um die heute unentbehrlichen Silberscheiben namens Digital Versatile Discs (DVDs), auf denen Spielfilme, Buchreihen oder virtuelle Museumsbesuche verewigt sind. Mit den Scheiben können die Aliens höchstens Frisbee spielen.

          Das Problem aller digitalen Speichermedien sind ihre „entdinglichten Daten“, wie sie Angelika Menne-Haritz vom Koblenzer Bundesarchiv nennt. Man kann sie ohne Elektrizität einfach nicht mehr lesen. Schon heute haben Erdenbewohner Schwierigkeiten, ihre vor Jahren auf 5,25-Zoll-Floppys abgespeicherte studentische Examensarbeit wieder einmal zu lesen: Denn welcher PC oder Mac hat noch ein Diskettenlaufwerk?

          „Sicherungsverfilmung“ von Bibliotheksgut

          Wer nicht in Abständen von mindestens fünf Jahren seine Daten auf der nächsten technologischen Ebene sichert (“Daten-Migration“), dem können wichtige Dinge verlorengehen. Für Privatleute ist das beunruhigend. Für große Unternehmen wie Versicherungen, Verlage, Krankenhäuser oder Finanzdienstleister kann sich das zur wirtschaftlichen Katastrophe entwickeln. Wie sollen Datenmengen vernünftig, also platzsparend, zeitschonend und dauerhaft, gespeichert werden? Und worauf eigentlich?

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          Im großen Stil haben vor Jahrzehnten schon die Juristen vorgesorgt. Sicherungsvorkehrungen für Kulturgüter beruhen auf völkerrechtlichen Übereinkommen aus der Zeit des Kalten Kriegs. In Deutschland übernimmt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Aufgaben der am 14. Mai 1954 verabschiedeten Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Hierzu gehört neben der Kennzeichnung von unbeweglichen Kulturgütern auch die „Sicherungsverfilmung“ von Archiv- und Bibliotheksgut.

          Bestände „sicherungsverfilmt“ und eingelagert

          Mit Förderung des Bundes werden staatliche Bestände, aber auch einzelne private Bestände (“sofern sie von nationaler Bedeutung sind“) auf 35-Millimeter-Mikrofilm „sicherungsverfilmt“ und im Zentralen Bergungsort, dem Barbarastollen in Oberried bei Freiburg, eingelagert. Heute werden etwa 17 Millionen Meter Mikrofilm unter Tage aufbewahrt, beschützt von 200 Metern Gneis und Granit. In die vorklimatisierten Behältnisse passen laut BBK-Angaben jeweils 16 Großrollen Film.

          Für den Haus- und Bibliotheksgebrauch kommt der Mikrofilm nun ebenfalls wieder. Von einer „Renaissance“ spricht etwas pathetisch die „Archiving Community“, die sich auf der jetzt in Hannover stattfindenden Cebit 2007 vorstellt. Das „Expertennetzwerk“ von Herstellerfirmen, Wissenschaft, Dienstleistungsunternehmen und Archivierungsberatern greift dafür auf den vom Freiburger Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) entwickelten und von MicroArchive Systems in Frankfurt vertriebenen „ArchiveLaser“ zurück.

          Archivare vertrauen lieber auf die alten Techniken

          Dieser klobige „Kopierer“, der etwa 100.000 Euro kosten soll, ist laut Herstellerangaben in der Lage, in 45 Sekunden rund 16 hochauflösende DIN-A4-Vorlagen (300 dpi) samt weiteren Metadaten auf einem 32 mal 45 Millimeter winzigen Einzelbild (“Frame“) unterzubringen, das sich wiederum auf einem 600 Meter langen und 35 Millimeter breiten Mikrofilm befindet. Insgesamt können so 1,3 Terabyte (also 1300 Gigabyte) vor allem an farbigen Daten pro Tag verarbeitet werden.

          Während also etwa bewegte Bilder gerade vom herkömmlichen physischen Filmstreifen auf das digitale Kino umgerüstet werden, besinnen sich die Archivare auf Techniken aus dem vergangenen Jahrhundert. Ausgangsbasis für den Scanner ist die Arbeitskopie, der ohnehin in der Regel schon digitalisiert vorliegende Datenbestand einer Bibliothek oder eines Unternehmens.

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