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Babyleichen-Prozess : Mutter muss 14 Jahre ins Gefängnis

Mit einer Aktenmappe vor dem Gesicht steht die wegen Mordes angeklagte Mutter (2. von rechts) neben ihren Anwälten im Landgericht Coburg im Sitzungssaal (Archivbild). Jetzt wurde das Urteil gesprochen. Bild: dpa

Der grausige Fund im Haus einer Familie in Bayern erregte Aufsehen: Ermittler fanden acht Babyleichen, in Handtücher eingewickelt und verwest. Nun hat das Gericht geurteilt.

          Einen niederen Beweggrund vermochte das Gericht nicht zu erkennen: Nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags von vier Neugeborenen hat das Landgericht Coburg am Mittwoch die 45 Jahre alte Andrea G. zu einer Freiheitsstrafe von vierzehn Jahren verurteilt. Ihr Mann Johann G., der wegen Beihilfe zum Mord angeklagt war, wurde freigesprochen. Demnach hätte der 56 Jahre alte Mann für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Totschlag damit rechnen müssen, dass seine Frau Kinder töte. Dafür habe das Gericht aber keinen Nachweis sehen können.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Angeklagt war Andrea G. wegen Mordes an mindestens vier Neugeborenen, die sie unmittelbar nach der Geburt mit einem Handtuch erstickt habe. Sie habe dabei aus „sexuellem Egoismus“ gehandelt, damit sie „weiterhin uneingeschränkt sexuell aktiv“ habe sein können, hieß es in der Anklage. Das Gericht sah das nach nur viertägiger Verhandlungsdauer anders. Der Vorsitzende Richter charakterisierte die Angeklagte am Mittwoch eher als „Verdrängerin“ denn als „planvolle Entscheiderin“. Zwar habe sie egoistisch gehandelt, aber man müsse ihr auch das Motiv zugestehen, dass sie die Familie habe erhalten wollen. Deshalb sei hier ein niederer Beweggrund und somit eine Verurteilung wegen Mordes nicht in Frage gekommen. Allerdings könne das Gericht nur „Annahmen“ zu ihren Motiven treffen.

          Mit dem Urteil findet ein Kriminalfall zunächst seinen juristischen Abschluss, der vor acht Monaten in ganz Deutschland Entsetzen hervorgerufen hat. Im November 2015 hatte die Polizei in dem Wohnhaus der Eheleute G. im oberfränkischen Ort Wallenfels in der als Abstellraum genutzten Sauna und in einem Stauraum im Badezimmer die sterblichen Überreste von acht Säuglingen gefunden. Die Leichname waren in Handtücher gewickelt, am Kopf immer etwas enger, und wurden meist in Plastiktüten aufbewahrt. Bei einem dieser Bündel fand man auch eine Zigarettenkippe.

          Andrea G., die zusammen mit Johann G. drei Töchter hat und dazu zwei Töchter aus einer vorherigen Beziehung, hat laut Anklage die Kinder zwischen 2003 und 2013 allein im Wohnzimmer oder in der Küche zur Welt gebracht. Von den acht Kindern kamen laut Anklage mindestens vier lebend zur Welt, die dann getötet wurden. Bei den anderen Kindern habe man nicht mehr feststellen können, ob sie gelebt haben oder lebensfähig gewesen sind. Die Tötung von vier Kindern hatte Andrea G. zu Prozessbeginn am vergangenen Dienstag in einer Erklärung gestanden. Ihr Mann habe keine weiteren Kinder haben wollen, sie selbst habe die Schwangerschaften verdrängt und sei von den „plötzlichen Geburten“ überrascht gewesen.

          Ihr Anwalt verwies auf das Phänomen „Neonatizid“, bei dem Frauen ihre Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt töten, nachdem sie zuvor die Schwangerschaft verdrängt haben. Johann G. hatte seine Frau hingegen als Lügnerin bezeichnet, die wegen ihrer Kaufsucht zur großen Verschuldung der Familie beigetragen habe. Von den Schwangerschaften will er nichts mitbekommen haben. Ein psychiatrischer Gutachter hatte Andrea G. für voll schuldfähig erklärt. Sie sei weder schwer psychisch krank noch alkoholabhängig.

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