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Kundenbetreuer im Biohandel : Die Macht der Kunden

  • -Aktualisiert am

Ein Geograf über die Arbeit als Kundenbetreuer eines Biogroßhandelsunternehmens: Nach Lebensmittelskandalen wird anders konsumiert. Aber die Leute wollen über das ganze Jahr fast alles haben.

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          Man muss sich mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen, um sich ausgewogen ernähren zu können“, erklärt Tobias Wilhelm mit ruhiger Stimme und setzt sich im Stuhl zurück. „Es geht nicht um den gänzlichen Verzicht, sondern vielmehr darum, was ich durch mein Tun beeinflussen kann.“ Anders als man vielleicht annimmt, ist er kein Ernährungsberater, sondern Kundenbetreuer beim Großhändler für Naturkost Elkershausen. Der studierte Diplom-Geograf arbeitete bereits während seines Studiums an der Georg-August-Universität Göttingen bei dem Großhändler im Lager. Nach Abschluss des Studiums bewarb er sich als Kundenbetreuer bei dem Unternehmen. „Das hat dann auch gut geklappt, und ich kann nun mein Interesse und mein Wissen zum Thema Ernährung an meine Kunden weitergeben.“ Der „kleine, regionale Großhändler“, wie Tobias Wilhelm sagt, verkauft mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und Hamburg Bioware in Norddeutschland und Nordhessen. Von Göttingen aus wird der Biovertrieb, der in den Siebzigerjahren gegründet wurde, geführt, und von dort kauft er global ein.

          Müsli wurde in der Badewanne gemischt

          Mit dem Ende der politischen 68er-Revolution gab es zu Anfang der Siebzigerjahre den Trend, aufs Land zu ziehen. Diesen Wunsch verfolgte auch die Wohngemeinschaft junger Leute rund um den Gründer und Geschäftsführer des Biounternehmens Hermann Heldberg, und die Gruppe zog nach Elkershausen bei Göttingen. Die hundertprozentige Eigenversorgung war das Ziel der Wohngemeinschaft, die aus drei Paaren bestand. Wilhelm erzählt, dass in der Wohngemeinschaft das Müsli in einer ausrangierten Badewanne selbst gemischt wurde. Heute besteht der Betrieb aus ungefähr 150 Mitarbeitern und beliefert 400 Bioläden in Norddeutschland. Diese Mitarbeiter bauen allerdings nicht selbst an, sondern beliefern die einzelnen Bioläden. Über den Verbund „Die Regionalen“ wird eine Gemeinschaft geschaffen, die zurzeit aus zwölf Großhändlern besteht, die miteinander in Kontakt treten können. Der engste Partner ist Naturkost Erfurt. Im Verbund wird vor allem gemeinsam geplant, zum Beispiel werden Werbeaktionen oder Auftritte auf Messen vorbereitet.

          Sie reichern ihre Hofläden an

          Regionale Gärtner und Bauern können ihre Ware an Naturkost Elkershausen verkaufen, und deren Ware wird in Norddeutschland an Bioläden weiterverkauft. Durch den festen Stamm an Produzenten und Bioläden, die die Produkte anbauen und verkaufen, entstehe ein durchaus persönliches und freundschaftliches Verhältnis, erklärt Wilhelm. Als Kundenbetreuer hat er allerdings ausschließlich zu denjenigen Bioläden, an die Ware verkauft wird, Kontakt. So arbeitet er in einem Großraumbüro mit zehn weiteren Kollegen in Göttingen und nimmt die Bestellungen von Kunden entgegen und beantwortet Fragen zu einzelnen Produkten, wie zum Beispiel die Herkunft oder auch Verwendungsmöglichkeiten. Es handelt sich dabei um Bestellungen von Milch bis zu Toilettenpapier. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie arbeitet er oft ausschließlich im Homeoffice und nimmt von dort die Bestellungen und Fragen der Kunden entgegen. Interessant ist, dass es zu den regionalen Unternehmen, die selbst anbauen und ihre Ware selbst vermarkten, keine Konkurrenz gibt, da Naturkost Elkershausen von diesen regionalen Produzenten Bioware einkauft, aber sie auch umgekehrt mit Ware aus dem europäischen Ausland oder von Übersee versorgt. So können regionale Produzenten das Sortiment ihrer Hofläden anreichern. „Wir liefern auf Wunsch das, was regional nicht vorhanden ist“, erklärt Wilhelm.

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