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Künstliche Intelligenz : Chance oder Alptraum?

  • -Aktualisiert am

Mensch und Maschine auf der Cebit Bild: dpa

Auf der Cebit diskutierten Wissenschaftler, ob wir Angst vor Künstlicher Intelligenz haben müssen.

          Skeptiker bringen gegen Künstliche Intelligenz zwei Argumente vor. Das erste und utopischere ist, dass die Maschinen, wenn sie intelligent genug sind, sich eines Tages der Menschen entledigen. Das zweite und näherliegende lautet: Wenn Menschen andere Menschen nur noch als Maschinen sehen und nach den Maßstäben von Computern messen, wird das Mensch-Sein weniger wert. Und je näher die Maschine dem Menschen kommt, desto eher wird das passieren.

          Auf der Cebit, umgeben von dem Neuesten, was die Computer- und Elektronikbranche zu bieten hat, und mit dem intelligenten Computerhund Aibo auf dem Schoß, diskutierten in Hannover am Freitag drei Wissenschaftler über die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz.

          Skeptiker und Befürworter diskutieren

          Auf dem Podium saß als Pionier der Erforschung und scharfer Kritiker von Künstlicher Intelligenz, Joseph Weizenbaum, der am Massachusetts Institute for Technology (MIT) lehrte. Auf die Chancen durch Künstliche Intelligenz setzt Wolfgang Wahlster, der an der Universität des Saarlandes lehrt und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) leitet. Dritter Gesprächspartner war Eckhard Freise. Der Historiker und Gewinner der ersten Million bei Günther Jauchs Fernsehshow, hat sich als passionierter Schachspieler intensiv mit Künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt.

          Um die Gefahren von Künstlicher Intelligenz abschätzen zu können, bedarf es einer Klärung, wo sie beginnt. Weizenbaum führte die Systeme, die Flugzeuge landen lassen, als Beispiele an. Wahlster stellte das Programm vor, mit dem sein Forschungszentrum den Deutschen Zukunftspreis gewonnen hat: Das Spracherkennungsprogramm Wertmobil, das intelligent übersetzt. Also ein Programm, das menschliche Sprache samt Fehlern und Unzulänglichkeiten versteht. Doch wo beginnt Verstehen?

          Wo beginnt Verstehen?

          Für Wahlster genügt es, dass der Mensch etwas sagt, und das Programm durch eine Aktion das „Verstehen“ bestätigt. Wenn die Spracherkennungssoftware eine Terminplanung zwischen einem Deutschen und einem Japaner nahezu fehlerlos übermittelt, ist sie mindestens ebenso gut wie die Kommunikation zwischen Menschen direkt. Weizenbaum geht diese Einschätzung nicht weit genug. Er definiert „Verstehen“ als die völlige Übereinstimmung von Gemeintem und Verstandenem. Und die ist ihm zufolge - ob mit oder ohne Computer - nicht möglich, weil Menschen immer unterschiedliche Einzelschicksale und Erlebnisse haben.

          Dass die Fähigkeiten von Maschinen die Definition von Intelligenz beeinflussen, darin waren sich die Diskussionspartner einig. Freise führte an, dass noch vor relativ kurzer Zeit das Addieren oder Multiplizieren von langen Zahlenreihen „im Kopf“ als Zeichen von Intelligenz gegolten hätte. Taschenrechner räumten damit auf. Rechner definieren somit die Intelligenz mit. Weizenbaum befürchtet, dass damit das Mensch-Sein weniger wert wird. Dass also Menschen als durch Maschinen ersetzlich angesehen werden könnten und seiner Meinung nach würden.

          Respekt vor dem menschlichen Geist

          Den Nachbau kompletter Menschen tut er als „foolish“ ab. Dieses Vorhaben sei unmöglich und führe zu nichts. Für Wahlster liegt das Ziel der Forschung nicht in einem Homunculus, sondern in Anwendungen, die den Menschen das Leben leichter machten. Er wies auf die vielen Ausstellungsprodukte der Cebit, die als Ergebnisse der Erforschung der Künstlichen Intelligenz entstanden seien. „Viele dieser Produkte sind einfach Quatsch. Sie haben mit Geld zu tun und das ist nicht das richtige Kriterium“, konterte Weizenbaum.
          Freise forderte einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema: „Ich glaube die Angst der Menschen vor übermächtigen Computern ist schon die beste Therapie.“ Wahlster hält vor allem die Bildung der Menschen auf diesem Gebiet für nötig, denn „bei Beschäftigung mit dem Thema bekommt man Respekt vor dem menschlichen Geist.“

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