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Kölner Gericht : Kündigung des Dombaumeisters unwirksam

Dombaumeister Michael Hauck vor dem Kölner Dom Bild: dpa

Nach zwei Jahren als Dombaumeister hatte Michael Hauck die außerordentliche Kündigung erhalten – ein ungewöhnlicher Vorgang auf einem Posten, der als so gut wie verbeamtet gilt. Jetzt hat ein Gericht die Kündigung für unwirksam erklärt.

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          Ausgiebiges Blitzlichtgewitter und großer Andrang vor dem Sitzungssaal 101 des Arbeitsgerichts Köln, wo die Klage des entlassenen Kölner Dombaumeisters Michael Hauck gegen seine Kündigung verhandelt wird. Denn das hat es in den 767 Jahren Geschichte der Dombauhütte noch nicht gegeben: Die Abberufung ihres Leiters, der bis zum Erreichen der Pensionsgrenze in einer am Beamtenrecht orientierten Stellung beschäftigt wird. Der 1960 in Würzburg geborene Hauck, der von der Staatlichen Dombauhütte an St. Stephan in Passau nach Köln gewechselt war, hatte am 1. September 2012 die Nachfolge von Barbara Schock-Werner angetreten, nachdem er fünf Monate lang als ihr Stellvertreter gewirkt hatte. Am 30. Mai 2014 war ihm gekündigt worden. Dagegen hatte er Klage eingereicht. Ein Gütetermin hatte keine Einigung gebracht.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

          Dass Hauck ja „keine silbernen Löffel gestohlen“ habe, sagte die Vorsitzende Richterin Andrea Wilmers in der nur knapp zwanzigminütigen Sitzung. Für eine fristlose Kündigung aber hätten Gründe vorliegen müssen, die eine Weiterbeschäftigung unmöglich machen. Das Metropolitankapitel habe Hauck jedoch nicht fristlos, sondern außerordentlich mit einer Auslauffrist bis zum Jahresende 2014 gekündigt und ihm das Gehalt so lange weiterbezahlt. Diese Variante habe der Arbeitsvertrag indes ausdrücklich ausgeschlossen; die Kündigung sei schon deswegen nicht wirksam: „Auf die Gründe kommt es danach nicht weiter an“, sagte Wilmers.

          Zerwürfnis zurückgewiesen

          Das Gericht entschied, dass das Arbeitsverhältnis fortbestehe und das seit Anfang des Jahres nicht mehr überwiesene Monatsgehalt in Höhe von 7333 Euro nachzuzahlen sei. Der Antrag auf Weiterbeschäftigung wurde bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens abgewiesen. Das Gericht hat vor diesem Hintergrund offen gelassen, ob die vom Domkapitel vorgetragenen Kündigungsgründe tatsächlich vorgelegen haben. Die Berufungsfrist beträgt vier Wochen. Hauck muss ein Viertel, das Domkapitel drei Viertel der Gerichtskosten tragen (Aktenzeichen 8Ca 4701/14). Die Gründe der Kündigung kamen in der Sitzung nicht zur Sprache. Domsyndikus Wolfgang Glöckner verwies auf die Schriftsätze. Das Domkapitel teilte mit, dass es die schriftliche Zustellung des Urteils abwarten und die Entscheidungsgründe prüfen wolle.

          In einer mehrseitigen „Stellungnahme an die Medien“ hatte Hauck vor einer Woche „entschieden“ zurückgewiesen, dass „ein angeblich schlechter Führungsstil und ein Zerwürfnis mit nahezu der gesamten Mitarbeiterschaft der Dombauhütte zu meiner fristlosen Kündigung geführt haben“. Er sei „jederzeit bereit, meinen Dienst für den Kölner Dom wieder anzutreten“. Hauck hob hervor: „Die große Mehrheit der Belegschaft der Dombauhütte weiß ich dabei hinter mir.“ Dagegen stehen Einschätzungen, die bereits im Herbst in der lokalen Presse wiedergegeben wurden. Danach hat Hauck nahezu die komplette neunzigköpfige Belegschaft gegen sich aufgebracht; Mitarbeiter, die nicht genannt werden wollen, schildern ihn als Choleriker, Kontrollfreak, misstrauisch sowie unfähig, Arbeiten zu delegieren. Im Anschluss versicherte Hauck, er strebe keine Abfindung an, sondern wolle seine Arbeit wieder aufnehmen.

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