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Killerspiele : Spiel um dein Leben!

  • -Aktualisiert am

Bundesinnenminister Thomas de Maizière kritisiert gewaltverherrlichende Computerspiele. Bei jungen Leuten stoßen sie jedoch häufig auf Begeisterung. Bild: Getty

Bei Counter-Strike geht es für die einen nur ums Töten, für die anderen hat das Spiel sogar eine soziale Komponente. Auf E-Sport-Turnieren treten die Besten gegeneinander an.

          Menschenmassen schieben sich durch die Hallen der Kölner Messe, vorbei an einem Meer aus Bildschirmen und Spielekonsolen. Trotz verschärfter Sicherheitsvorkehrungen lockt die Gamescom abertausende Computer-Fans nach Deutz. Viele von ihnen haben sich passend zum Anlass modisch etwas einfallen lassen: Pokémon-Star Pikachu grüßt allerorten, Recken im Krieger-Outfit quälen sich mit ihrer gepanzerten Last genauso durch die Menge wie Anime-Anhängerinnen in den ultraknappen Kostümen ihrer fiktiven Heldinnen. Das sieht harmlos aus, bis einem die erste Antiterroreinheit über den Weg läuft – mit Uniformen, so originalgetreu, dass nur ihre milchgesichtigen Träger sie als Kopie erkennen lassen.

          Das Schlangestehen nehmen viele in Kauf, um in virtuelle Welten einzutauchen, neueste Computerspiele zu bestaunen und auszuprobieren – oder um anderen beim Zocken zuzusehen. So wie bei der Sommermeisterschaft der Electronic Sports League (ESL), die in vier Disziplinen stattfindet. Gemeint sind die beliebten Computerspiele League of Legends, Fifa 16, Starcraft 2 und Counter-Strike: Global Offensive (CS:GO). Eins von den vier Teams, die es ins Halbfinale von CS:GO geschafft haben, ist Alternate Attax, der E-Sport-Clan des Hardware-Versandhandels Alternate und heißer Favorit auf den Titel: Das Team führt die ESL-Rangliste souverän an.

          Deshalb macht sich Stephan „Scars Oo“ Barth kurz vor der Halbfinalbegegnung seines Teams mit dem Ranglistenzweiten von Penta Sports auch keine großen Sorgen. „Ich gehe davon aus, dass wir ins Finale einziehen“, sagt der 30 Jahre alte Team-Manager von Alternate Attax. Er sitzt vor dem mit schwarzen Vorhängen verdeckten Sonderbereich, in dem das Turnier mit Rücksicht auf die U-18-Generation nicht ohne Grund ausgetragen wird. Bei CS:GO geht es darum, als Terrorist oder Sicherheitskraft verschiedene Aufgaben zu meistern: Bomben legen oder entschärfen, strategisch wichtige Punkte eines Geländes besetzen oder alle Spieler der anderen Mannschaft eliminieren. Es geht blutig zu.

          Das Spiel CS:GO ist eine gewaltige mentale Herausforderung

          Was allerdings zunächst klingt wie ein stumpfes Ballerspiel, scheint bei genauerem Hinsehen eine gewaltige mentale Herausforderung zu sein und höchste Konzentration zu erfordern. In labyrinthartigen Lagerhäusern oder verwinkelten Gassen wird gespielt, Teamgeist und die bessere Taktik sind entscheidender für den Sieg als die größere Blutrünstigkeit. Die beiden je fünfköpfigen Mannschaften sitzen hinter ihren Rechnern und warten auf den Start, über ihnen ein riesiger Bildschirm, auf dem das Duell für die Zuschauer übertragen wird. Aufgeregt sei er nicht, versichert Barth, der auch während des Spiels im Außenbereich bleibt, ebenso wenig wie die aktiven Spieler seines Teams. Aufgeregt sind allerdings die meist jugendlichen, fast ausschließlich männlichen Zuschauer des Kräftemessens zwischen den beiden Führern der CS:GO-Rangliste.

          Auf die Jungen haben es Unternehmen wie Alternate abgesehen. Sie sind die Zukunft des E-Sports, der immer größere Ausmaße annimmt. Das zeigt sich in Deutschland schon daran, dass die ESL-Sommermeisterschaft nur eine von drei nationalen Meisterschaften pro Jahr ist. Am Stand von Alternate moderiert Niklas Timmermann gerade ein kleines Nachwuchsturnier des Unternehmens für Amateurteams an. In der eigens dafür hergerichteten Gaming Arena, die mit der Frage „Willst du mit mir spielen?“ lockt, treten Mannschaften wie „WolfsRudel“, „Deleted Army“ oder „Fluffy Unicorns“ an. Den Tagessiegern winkt neben Sachpreisen im Wert von mehr als 15.000 Euro ein Showmatch gegen die Profis von Alternate Attax. Und auch die Zuschauer können Preise gewinnen, wenn sie auf das Siegerteam gesetzt haben.

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