https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/krise-hat-10-000-selbstmorde-verursacht-12991320.html

Britische Studie : Krise hat 10.000 Selbstmorde verursacht

  • Aktualisiert am

Arbeitslose stehen Schlange vor einem Arbeitsamt bei Madrid Bild: dpa

Die Wirtschaftskrise in Europa und Nordamerika hat einer britischen Studie zufolge zu 10.000 zusätzlichen Selbstmorden geführt. Die Forscher geben der Politik eine Mitschuld.

          1 Min.

          Britische Forscher haben die verheerenden Folgen der Wirtschaftskrise auf eine erschreckende Zahl gebracht: Die Krise in Europa und Nordamerika hat zu mehr als 10.000 zusätzlichen Selbstmorden geführt. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität Oxford und der London School of Hygiene & Tropical Medicine, die im „British Journal of Psychiatry“ erschienen ist. Die Forscher schreiben, dass die Zahl der Selbstmorde  „deutlich angestiegen“ sei – und dass dies zumindest teilweise vermeidbar gewesen wäre.

          Wie die BBC auf ihrer Internetseite berichtet, werteten die Forscher Daten aus 24 EU-Ländern sowie aus den Vereinigten Staaten und Kanada aus. Demnach ging die Zahl der Selbstmorde etwa in Europa bis zum Jahr 2007 zunächst zurück. Im Jahr 2009 gab es dann einen Anstieg um 6,5 Prozent, der in dieser Deutlichkeit bis 2011 anhielt. In den Vereinigten Staaten waren die Zahlen schon früher gestiegen, die Entwicklung beschleunigte sich aber mit Ausbruch der Wirtschaftskrise. Als die größten Risikofaktoren machte die Untersuchung dementsprechend Arbeitslosigkeit, Verschuldung und den Verlust des Eigenheims aus.

          Die Politik kann gegensteuern

          Der Anstieg wurde aber keinesfalls in allen untersuchten Ländern beobachtet. So stieg die Selbstmordrate in Schweden, Finnland und Österreich nicht an – trotz Rezession. „Politik und praktizierende Psychiatrie müssen sich fragen, ob der Anstieg von Suiziden unvermeidlich ist“, sagte einer beteiligten Forscher, Aaron Reeves von der Universität Oxford, gegenüber der BBC. Die Länder, in denen die Zahlen nicht anstiegen, hätten beispielsweise in Beschäftigungsprogramme investiert oder Löhne subventioniert. „Solche Angebote helfen Menschen, die die volle Wucht wirtschaftlicher Krisen ertragen müssen.“

          Andy Bell vom Centre for Mental Health sagte: „Die Studie bestätigt, was wir seit geraumer Zeit befürchten: dass Arbeitslosigkeit, Unsicherheit im Beruf und viele weitere Faktoren, die mit einer Rezession einhergehen, mit psychischer Verfassung und Selbstmord zusammenhängen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Für die Fotografen ziemlich gute Freunde: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und sein amerikanischer Kollege Joe Biden

          Wirtschaftspolitik : Die neue amerikanische Herausforderung

          Europa fühlt sich durch die Inflationsbekämpfung in den USA unter Druck gesetzt. Doch statt einer schuldenfinanzierten Antwort, braucht es eine wirtschaftliche Erneuerung, und zwar ganz besonders in Deutschland.
          Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) im November

          Faeser über Umsturzpläne : „Abgrund terroristischer Bedrohung“

          Ein Netzwerk von „Reichsbürgern“ und „Querdenkern“ soll einen Staatsstreich geplant haben – darunter ein KSK-Soldat, frühere Soldaten und Polizisten, auch Ärzte und eine frühere AfD-Abgeordnete. Bei einer Razzia wurden 25 Beschuldigte festgenommen.
          Elseid Hysaj (links) von Lazio Rom im Duell mit Angel Di Maria von Juventus Turin

          Skandal um Juventus Turin : Heuchelei bei der „alten Dame“

          Im Fall von Juventus Turin tun sich Abgründe auf: Die Fußballstars spielten Solidarität in der Pandemie nur vor, und der Verein fälschte die Bilanzen. Abgehörte Telefonate brachten die Staatsanwälte auf die Spur.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.