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Gewalt unter Minderjährigen : Zwei Tote nach Kämpfen von Jugendbanden in Frankreich

Saint-Chéron: Journalisten versammeln sich vor der Schule, in der ein Jugendliche nach einer Schlägerei zwischen zwei rivalisierenden Banden gestorben ist. Bild: dpa

Das Land ist geschockt über die Gewalt bei Schlägereien zwischen verfeindeten Jugendbanden: Zwei Minderjährige sind tot, ein weiterer schwer verletzt. Der Innenminister sieht den Grund zum Teil in den sozialen Medien.

          2 Min.

          Der Tod von zwei Heranwachsenden bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden hat Frankreich schockiert. Bereits zu Wochenbeginn starb die 14 Jahre alte Schülerin Lilibelle G. an ihren Verletzungen. Sie hatte in einem Streit zwischen verfeindeten Jugendlichen vor ihrer Schule vermitteln wollen. Einer der Jungen stach ihr daraufhin mit einem Messer mehrere Male in den Bauch. Die Schülerin wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, konnte dort aber nicht mehr gerettet werden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Sie war die Jüngste einer Familie mit vier Kindern in Saint-Chéron im Südwesten von Paris. Ihre Geschwister äußerten sich in der Zeitung „Le Parisien“ erschüttert. Zwar sei ihre kleine Schwester in schlechte Gesellschaft geraten und wegen häufigen Schwänzens von der Schule geflogen, aber ein solch dramatisches Ende hätten sie sich nicht vorstellen können. Staatsanwältin Caroline Nisand bestätigte bei einer Pressekonferenz, dass die Schülerin unter jugendrichterlicher Kontrolle gestanden habe.

          Schlägerei zwischen 60 Jugendlichen

          Sechs verdächtige Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren wurden in Polizeigewahrsam genommen und werden derzeit verhört. Die Justiz ermittele unter anderem wegen Mordes und schwerer Gewalt gegen Minderjährige sowie unterlassener Hilfeleistung. Den Behörden sei der Bandenkrieg seit längerem bekannt, so die Staatsanwältin.

          Der 5000 Einwohner zählende Ort Saint-Chéron mit vielen Einfamilienhäusern galt bislang als ruhig, es gibt dort nur wenige Sozialbautürme, anders als in den sozialen Brennpunktvierteln im nahe gelegenen Évry. Ganz in der Nähe von Saint-Chéron, in Boussy-Saint-Antoine, kam es am Dienstag zu einer anderen gewalttätigen Auseinandersetzung. Zwei Banden bekämpften sich mit Messern, Krücken und Baseballschlägern, wie Innenminister Gérald Darmanin bestätigte.

          Es nahmen fast 60 Jugendliche an der Schlägerei teil, bei der ein 14 Jahre alter Schüler tödlich verletzt und ein weiterer, 13 Jahre alter Schüler mit schweren Verletzungen im Halsbereich in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Der 13 Jahre alte Junge schwebte am Mittwoch nicht mehr in Lebensgefahr. Sechs Minderjährige wurden in Polizeigewahrsam genommen. Ein 16 Jahre alter Jugendlicher stellte sich selbst der Polizei und bezichtigte sich der tödlichen Messerstiche.

          Gefährliche Rolle sozialer Medien

          Innenminister Gérald Darmanin kündigte an, 100 zusätzliche Polizisten und Gendarme so lange wie notwendig in das Bandengebiet zu beordern. Er sagte, die „neuen Technologien“ und „der Mangel an elterlicher Autorität“ seien verantwortlich für die Bandenkriege. Oftmals würden sich die Täter über die sozialen Netzwerke zu den Schlägereien aufstacheln. Auch die Schulen seien mit dem Phänomen überfordert.

          Der Vorsitzende des Departements Essonne, der Republikaner François Durovray, fragte: „Was ist mit unserer Gesellschaft los, dass die Jugend so gewaltbereit ist?“ Er forderte einen „Marshallplan“, um mehr Lehrer, Richter, Polizisten und Gendarmen einzustellen.

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