https://www.faz.net/-gum-7zp5c

Prozess gegen Strauss-Kahn : „Ich mag im Vergleich eine derbere Sexualität haben“

  • Aktualisiert am

Auf dem Weg ins Gericht: Dominique Strauss-Kahn am Mittwoch vor seinem Hotel in Lille Bild: AFP

Wusste Dominique Strauss-Kahn, dass er es auf Sex-Partys mit Prostituierten zu tun hatte? Die Anklage sieht seine brutalen Sexpraktiken als Beweis dafür. Strauss-Kahn kontert: Er stehe nicht wegen „irregeleiteter“ Sexualität vor Gericht.

          2 Min.

          Eine weitere Prostituierte hat im Prozess um illegale Sex-Partys die Darstellung von Dominique Strauss-Kahn angezweifelt. Dem ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) habe sie zwar nicht erzählt, dass sie Geld bekommen habe. Dennoch müsse es ihm klar gewesen sein, dass sie als Prostituierte gearbeitet habe. Vor dem Geschlechtsverkehr sei sie auch nie nach ihrer Bereitschaft gefragt worden, sagte die Frau am Mittwoch vor dem Strafgerichtshof im nordfranzösischen Lille. Am Dienstag hatte sich eine andere Prostituierte ähnlich geäußert.

          In der „Carlton“-Affäre – benannt nach einem der Luxushotels, wo freizügige Partys gefeiert wurden – müssen sich mit Strauss-Kahn noch 13 weitere Angeklagte verantworten. Wegen der Teilnahme der Prostituierten wird ihnen organisierte Zuhälterei vorgeworfen. Der einstige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), der im Jahr 2011 nach Vergewaltigungsvorwürfen zurücktreten musste, hatte sich bereits am Dienstag gegen den Vorwurf der Zuhälterei zur Wehr gesetzt. „Ich sehe mich in keinster Weise als Organisator dieser Abende“, sagte er bei seiner ersten ausführlichen Aussage in dem Prozess. Die Partys waren von Geschäftsleuten bezahlt worden, die in Lille ebenfalls vor Gericht stehen.

          Strauss-Kahn blieb auch am Mittwoch bei seiner Position, keine Information über Bezahlung gehabt zu haben. Er wirkte bei seiner Befragung auf Prozessbeobachter sehr entschlossen und klar – ohne ein Zeichen von Nervosität. Aus seiner Sicht gab es für ihn keinen Anlass anzunehmen, dass die Beteiligten etwas anderes gewesen seien als freizügige Frauen. Die vom Gericht befragte frühere Prostituierte habe ihm gesagt, sie sei Tänzerin.

          Prostituierte berichten von Brutalität

          Zwei einstige Prostituierte hatten zuvor von besonders brutalen Sexpraktiken des einstigen sozialistischen Spitzenpolitikers berichtet. So erzählte eine am Mittwoch unter Tränen von einem sexuellen Erlebnis mit Strauss-Kahn in einem Hotel in Brüssel im Herbst 2009. Was der Angeklagte ihr zugefügt habe, zeige, dass er nur „wenig Respekt“ vor ihr gehabt habe. Wenn sie einfach nur eine an freizügigen Sexpraktiken interessierte Frau gewesen wäre, dann hätte Strauss-Kahn sie zumindest gefragt, ob sie diese Sexpraktiken wolle, fügte sie hinzu.

          Strauss-Kahn ließ am Mittwoch seiner Empörung über die Vorwürfe freien Lauf. Als „absurd“ und als eine „falsche Logik“ wies er die Argumentation, derzufolge er wegen seiner harten Sexpraktiken habe wissen müssen, dass er es bei seinen Partys mit Prostituierten zu tun hatte. „Ich fange an, davon ein bisschen genug zu haben“, stieß Strauss-Kahn aus. Gleichzeitig gab er zu, dass manche Praktiken den Frauen nicht gefallen haben könnten, und entschuldigte sich: Wenn einige Frauen unangenehme Erinnerungen an die Begegnungen hätten, tue ihm das leid. „Ich mag im Vergleich zum Durchschnitt der Männer eine derbere Sexualität haben“, räumte er ein. Er stehe aber nicht wegen „irregeleiteter“ Sexualpraktiken vor Gericht.

          Die Ermittler gehen davon aus, dass ihm die Prostitution klar gewesen sein muss. Bandenmäßige Zuhälterei kann in Frankreich mit bis zu zehn Jahren Gefängnis und bis zu 1,5 Millionen Euro Geldstrafe geahndet werden. Der Prozess in Lille ist zunächst bis zur kommenden Woche terminiert. In Frankreich umfasst Zuhälterei auch die Organisation solcher Partys, wenn Prostituierte beteiligt sind.

          Weitere Themen

          Missbrauch in der Judofamilie

          Olympionik verurteilt : Missbrauch in der Judofamilie

          Der österreichische Judokämpfer Peter Seisenbacher galt als Idol. Ein Status, der es ihm leicht machte, das Vertrauen der Kinder in seiner Obhut zu gewinnen – und zu missbrauchen. In Wien ist er nun wegen Kindesmissbrauchs schuldig gesprochen worden.

          Topmeldungen

          Mehr Zukunft wagen: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans am Freitag nach ihren Bewerbungsreden beim SPD-Parteitag

          SPD-Parteitag : „Klarer Kurs und klare Sprache“

          Sie hätten keine Angst, betonen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans in ihren Bewerbungsreden als SPD-Vorsitzende – und attackieren die Union scharf. Mit dem Ende der großen Koalition drohen sie aber nur indirekt.
          Gebrochen: Wenn Eltern wählen, ob ihr Kind aufs Gymnasium geht, treffen viele Fehlentscheidungen. Das Ergebnis: überforderte Schüler verlieren durch Misserfolge ihr Selbstbewusstsein.

          Nach der Grundschule : Wenn Eltern für ihre Kinder wählen

          In fast allen Bundesländern entscheiden die Eltern, ob ihr Kind aufs Gymnasium gehen soll oder nicht. Ihre Wahl ist oft nicht die beste. Politiker schrecken vor Veränderungen zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.